Betriebskonzepte

Klimawandel: Ein Klimawald für den Flughafen München

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Ludwig Holly
am Dienstag, 16.11.2021 - 16:30

Im Zeichen des Klimawandels will die Flughafen München GmbH (FMG) ab 2030 ihren Flughafen klimaneutral betreiben. Dazu sollen 1.900 ha Wirtschaftswald so umgestaltet werden, dass sie als „Klimawald“ möglichst viel CO2 speichern können.

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Um die CO2-Neutralität zu erreichen, werden technische Maßnahmen an Gebäuden, beim Fuhrpark, bei der Beleuchtung und der Energieversorgung durchgeführt. Durch die vom Airport beeinflussbaren Faktoren sollen die CO2-Emissionen um 60 % sinken.

Der unvermeidliche Rest von 40 % soll durch geeignete Klimaprojekte kompensiert werden. Die Flughafen München GmbH setzt hier auf Regionalität. Ein Baustein soll der so genannte „Klimawald MUC“ werden. Dazu hat die FMG mit der Gräflich Arco‘schen Forstverwaltung einen Vertrag geschlossen. Nach dem sollen 1900 ha Wirtschaftswald so umgebaut werden, dass er möglichst viel CO2 speichern kann. Dies geschieht durch eine gezielte Anpassung der Baumarten. Im Klimawald werden Fichten, Kiefern, Douglasien, Tannen, Lärchen, Buchen, Eichen und andere Laubbäume wie Ahorn und Schwarznuss stehen. Die Fichte wird deutlich reduziert.

Dadurch erreicht man auch, dass die Wälder klimaresistenter und gegenüber Schädlingen und extremen Wetterlagen widerstandsfähiger als die jetzigen Bestände werden. Diesen ökologischen Umbau des Waldes finanziert die FMG in den nächsten 30 Jahren mit rund 2,5 Millionen €.

Projekt läuft 30 Jahre

„Während zu Beginn der Projektlaufzeit die Kapazität des Klimawaldes zur Kompensation von CO2 noch nicht sehr hoch ist, soll sie später jährlich rund 7000 Tonnen betragen, also ein Drittel mehr als vergleichbare Wirtschaftswälder“, so die FMG. Über den gesamten Projektzeitraum von zunächst 30 Jahren werden rund 90 000 Tonnen CO2 zusätzlich gebunden.
Angestrebt wird eine mittlere Umtriebszeit der Bäume von 75 Jahren. Entnommene Bäume sollen vorwiegend als Bau- und Möbelholz Verwendung finden, damit das CO2 dann weiter möglichst lang gespeichert bleibt. Im Klimawald wird der Holzzuwachs durch ein kontinuierliches Monitoring ermittelt. Die Basis dafür bilden die alle zehn Jahre stattfindenden großen Forstinventuren. Zur Berechnung des CO2-Zuwachses dient ein Bilanzierungstool des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DWFR). Prof. Dr. Thomas Seifert, Leiter für Waldwachstum und Dendroökologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, begleitet das Projekt waldbaulich.
Die FMG sieht weitere positive Effekte ihres Klimawaldes: „Durch die Mischung der Baumarten und die nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen steigt auch die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten. In den Wäldern sollen überdies neue Wege und Lehrpfade angelegt werden – so entstehen attraktive und wertvolle Naherholungsgebiete“. Die fünf Projektstandorte liegen im tertiären Hügelland und in den Flussauen Niederbayerns zwischen Regensburg, Landshut und Passau.

Zufriedene Akteure

„Mit diesem wichtigen Vorhaben leistet der Münchner Flughafen einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz und schafft zugleich einen wertvollen Naturraum mit hoher Biodiversität, der überdies auch noch als ein attraktives Naherholungsgebiet fungiert. Auch im Namen der Staatsregierung möchte ich dieses Engagement ausdrücklich begrüßen, von dem nicht nur der Airport selbst, sondern eine Vielzahl Menschen im Freistaat profitieren werden“, erklärte Albert Füracker, Bayerns Finanz- und Heimatminister und Aufsichtsratsvorsitzender der FMG bei der Vvortellung des Projektes.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der FMG Jost Lammers fügte hinzu; „Mit dem Klimawald kommen wir unserem Ziel, den Flughafen München spätestens im Jahr 2030 CO2-neutral zu betreiben, ein deutliches Stück näher. Dabei freuen wir uns besonders darüber, dass es gelungen ist, ein derart großes Kompensationsprojekt in so geringer Entfernung vom unserem Flughafen auf den Weg zu bringen“.
Für Max-Georg Graf von Arco auf Valley ist in dem Klimakompensations-Projekt der FMG klar: „Wälder können große Mengen CO2 aus der Atmosphäre entfernen – soweit herrscht Konsens in der Wissenschaft. Wir beweisen gemeinsam mit dem Flughafen München, dass ein bewirtschafteter Wald dem Klimaschutz mehr dient als ein sich selbst überlassener. Mehr noch: Wird Holz zu langlebigen Produkten wie Holzhäusern oder Möbeln verarbeitet, bleibt das CO2 dauerhaft gebunden. Holz nützen heißt Klima schützen“.
Im Besucherpark des Airports sollen Schautafeln über den Klimawald informieren und die Baumarten angepflanzt werden, die auch im Klimawald wachsen.