Mit Holz heizen

Klimaschutz durch wohlige Wärme

Energieholz_B
Johann Koch, BBV-Waldreferent
am Donnerstag, 29.10.2020 - 14:09

Holz macht die Stube warm – und lässt das Klima kalt: Energie aus Holz leistet im Gegensatz zu fossilen Energiequellen einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Kritiker stellen das jedoch immer wieder infrage. Wir haben die Antworten.

Nachhaltige naturnahe Forstwirtschaft und Holzverwendung sind gelebter Klimaschutz – so lautet eine zentrale Botschaft des Bayerischen Bauernverbandes. Das lässt sich natürlich mit Zahlen belegen. So ist die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft fast so hoch wie die Hälfte der gesamten CO2-Emissionen Bayerns.

Holz wächst ständig nach und bindet dabei CO2

Die Fähigkeit ständig nachzuwachsen und dabei fortwährend CO2 zu speichern, macht Holz zu einem einzigartigen Rohstoff. Dessen Klimaschutzleistung setzt sich zusammen aus der stofflichen und energetischen Verwendung – sowie durch die Substitution von energieintensiv hergestellten Rohstoffen, Produkten und fossilen Energieträgern.

So haben langlebige Holzprodukte wie Gebäude in Holz-oder Holzhybridbauweise einen sehr großen CO2-Einsparungseffekt. Zum einen entzieht der Werkstoff Holz langfristig das klimaschädliche Gas der Atmosphäre, zum anderen ersetzt der Baustoff Holz Materialen und Produkte, deren Herstellung sehr viel Energie verschlingt – wie Beton, Stahl oder Kunststoff.

Ersatz für fossile Energieträger

Dieser zuletzt angesprochene Substitutionswert ist auch ganz entscheidend bei der Diskussion über die Klimaschutzwirkung von Holzenergie. Betrachtet man den Kohlenstoffkreislauf, ist Energieholz CO2-neutral, weil es bei seiner Verbrennung nur so viel CO2 freisetzt, wie es vorher als Baum bei seinem Wachstum gebunden hat.

Da aber bei den für die Bereitstellung (Holzernte, Verarbeitung, Transport) notwendigen Prozessen Treibhausgase (THG) entstehen, ist Wärme und Strom aus Holz streng genommen nicht CO2-neutral.

Laut Literaturstudie werden zwischen 5 und 35 kg CO2-Äquivalent pro Erntefestmeter freigesetzt. Hier schlägt unter anderem die Transportentfernung zu. Buche-Scheitholz, Hackschnitzel und Pellets aus der bayerischen Heimat schneiden deshalb – wenig überraschend – deutlich besser ab als Scheitholz aus Osteuropa oder Holzpellets aus Übersee.

Doch trotz einer gewissen THG-Emission bleibt der Vorteil von Holzenergie gegenüber Wärme aus Erdgas, Heizöl, Strom oder Braunkohle unschlagbar. Zum Vergleich:

  1. Scheitholz: In einer 6 kW-Einzelfeuerung vermeidet jeder Erntefestmeter Buchenscheitholz im Vergleich zu
    - Erdgas 462 kg CO2-Äquivalent,
    - Heizöl 612 kg CO2-Äquivalent,
    - Strom bzw. Braunkohle 1027 kg bzw. 965 kg CO2-Äquivalent.
  2. Pellets: Bei Fichtenpellets, die in einem 15 kW Kessel verbrannt werden, beträgt der Vorteil gegenüber
    - Erdgas 314 kg CO2-Äquivalent,
    - Heizöl 443 kg CO2-Äquivalent,
    - Strom bzw. Braunkohle 802 kg bzw. 749 kg CO2-Äquivalent.
Diese Zahlen machen deutlich, dass auch die Wahl des Energieträgers eine entscheidende Rolle für den Klimaschutz spielt. Holz aus der Region ist dabei nicht nur unter dem Aspekt der CO2-Vermeidung die beste Wahl, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht: Während beim Heizöl ca. 80 % der Wertschöpfung außer Landes wandern, verbleiben beim Holz rund 95 % in der Region!
Kritiker der Energie aus Holz führen oft ins Feld, dass die Brennholznutzung ein Ausräumen naturschutzfachlich wertvollen Totholzes bedeutet. Diese Befürchtung kann mit den Zahlen der Bundeswaldinventur III genommen werden: Allein die Privatwaldbesitzer in Bayern belassen 23,94 Mio. Fm des Totholzes im Wald. Die Totholzmenge in Bayern hat dabei innerhalb von 10 Jahren um 2 fm/ha auf 22 fm/ha zugenommen. Multipliziert mit der Waldfläche Bayerns von 2,606 Mio. ha steht oder liegt damit eine Menge von 57,33 Mio. Fm Totholz in unseren Wäldern – das ist mehr als der dreifache Jahreseinschlag. Aufgrund der Kalamitäten der letzten Jahre ist zu erwarten, dass die Mengen sogar noch steigen werden.

Der Energieholzanfall wird noch steigen

Auch eine Übernutzung der heimischen Wälder durch eine höhere Energieholznutzung ist nicht zu befürchten, da in Deutschland strenge Gesetze die Einhaltung der nachhaltigen Forstwirtschaft überwachen. Zudem werden die Mengen an Holz, die aufgrund ihrer geringeren Qualitäten nicht in eine stoffliche Verwertung fließen, zunehmen. 2019 waren 38 % des Holzeinschlags als Energieholz verbucht. Der Klimawandel mit der steigenden Zahl an Kalamitäten und der beschleunigte Waldumbau werden in den nächsten Jahrzehnten zu mehr Einschlag und damit auch zu Mehrmengen an Energieholz führen, als es die Szenarien der Holzaufkommensprognose darstellen.
Zur Verwertung dieser Mehrmengen als Energieholz gibt es vorerst keine echte Alternativen, da sich neue Märkte erst noch entwickeln müssen. Es ist deshalb klima- und wirtschaftspolitisch sinnvoll, die Energieholzverwertung weiter zu entwickeln. Und nicht zuletzt brauchen die Waldbesitzer Einnahmen aus dem Holzverkauf, um den Waldschutz und die Neubegründung von klimastabilen Wäldern finanzieren zu können. Es bleibt der Appell an die Politik, die Rahmenbedingungen für mehr Energie aus Holz zu verbessern – denn eine Energiewende wird ohne Holz nicht gelingen.