Weltklimakonferenz

Klimagipfel: Entwaldung soll 2030 enden

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 03.11.2021 - 17:22

Rund 100 Staats- und Regierungschefs verpflichten sich auf der Weltklimakonferenz zu einem Ende der Entwaldung.

An der Weltklimakonferenz nehmen rund 200 Staaten teil. Rund hundert haben sich darauf verständigt, in ihren Ländern für ein Ende der Entwaldung zu sorgen. Sie repräsentieren rund 85 % der weltweiten Wälder.

Mit dabei sind Deutschland und die gesamte EU, aber auch die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt - also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

Gastgeber Boris Johnson hat großes Interesse daran, dass die Konferenz zu einem Erfolg wird. Er bezeichnete bei der Bekanntgabe des Abkommens die Wälder als "Kathedralen der Natur" und "Lungen unseres Planeten".

Anteil der EU an der Entwaldung

Tropenwald

16 Prozent der globalen Tropenabholzung der Jahre 2005 bis 2017, die im Zusammenhang mit dem internationalen Handel steht, gehen auf das Konto der Europäischen Union. Das ist das Ergebnis eines Reports des World Wide Fund For Nature vom April 2021. Ihr Anteil ist damit mehr als doppelt so hoch wie der der USA (7 Prozent). Überholt wird die EU nur von China (24 Prozent). Für den Report hat der WWF Daten und Erkenntnisse aus Satellitenbildanalysen und Untersuchungen von Handelsströmen herangezogen und ausgewertet.

Die größte Fläche Tropenwalds zerstörten im Untersuchungszeitraum laut WWF die Importe von Soja, Palmöl und Rindfleisch, gefolgt von Holzprodukten, Kakao und Kaffee. Der WWF spricht von einer so genannten „importierten Entwaldung“, durch welche die die EU 2017 indirekt 116 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht hätte. Das entspricht mehr als einem Viertel der EU-Emissionen aus dem Sektor Landwirtschaft im selben Jahr. Diese indirekten Emissionen würden in den offiziellen Statistiken der EU zu Treibhausgas-Emissionen nicht erfasst.

Entwaldung etwas rückläufig

Entwaldung

Die globale Entwaldung hat sich in den vergangenen Jahren etwas entschleunigt. Laut Daten der FAO waren es 2000 bis 2010 noch etwa 5,2 Millionen Hektar Wald, die jährlich auf der Welt durch Abholzung und Naturkatastrophen verloren gegangen sind - in den letzten zehn Jahren nur noch etwa 4,7 Millionen Hektar. Das liegt daran, dass die Entwaldung in einigen Regionen deutlich abgenommen hat und gleichzeitig mehr aufgeforstet wird.

Die Grafik von Statista zeigt, dass Afrika mit 3,9 Millionen Hektar weltweit die höchste Nettoverlustquote an Waldfläche aufweist, gefolgt von den amerikanischen Kontinenten. Asien, Ozeanien und Europa konnten von 2010 bis 2020 mehr Fläche aufforsten als entwalden und verzeichnen einen Nettozuwachs, auch wenn dieser bei Europa und Asien geringer ausfällt als im vorherigen Jahrzehnt.

Insgesamt hat die Erde rund 178 Millionen Hektar Waldfläche seit 1990 verloren – das entspricht in etwa der Größe Lybiens. Ohne natürliche Regeneration der Wälder und zusätzlicher Aufforstung, würde der Verlust sich auf 420 Millionen Hektar durch Abholzung belaufen.

Finanzierungszusage der EU

Neben der Vereinbarung der Regierungschefs gibt es noch eine weitere Zusage zum Schutzz des Waldes. Die EU-Kommission will über die kommenden fünf Jahre Partnerländern dabei unterstützen, die Wälder zu schützen, wiederherzustellen und nachhaltig zu bewirtschaften.

Dazu stellt sie eine Milliarde € an Finanzmitteln zur Verfügung. Davon gehen 250 Mio. € an das Kongobecken, das acht Länder umfasst (Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo, Äquatorialguinea, Gabun, Burundi und Ruanda), um die zweitgrößte tropische Regenwaldregion der Welt zu schützen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern.