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Schädling

Invasive Arten: Japankäfer breitet sich aus

Invasive Arten
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 04.08.2021 - 09:20

In Basel und damit an der Grenze zu Deutschland wurde erstmals der stark invasive Japankäfer nachgewiesen. Das LTZ Augustenberg ruft zur Mithilfe auf.

Am 13. Juli 2021 wurde in einer Pheromonfalle in der Nähe des Güterbahnhofs in Basel ein lebendiges Männchen des Japankäfers (Popillia japonica) gefunden. Die Entfernung zur deutschen Grenzen beträgt weniger als fünf Kilometer. Der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst vermutet, dass der männliche Japankäfer als „blinder Passagier“ aus dem Befallsgebiet um den Lago Maggiore in das circa 250 km entfernte Basel gelangt ist.

Momentan wird abgeklärt, ob es sich um einen Einzelfund oder tatsächlich um einen Befall mit dem Japankäfer handelt. Bei einem Befall müssen gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und den Japankäfer in dem betroffenen Gebiet nach Möglichkeit zu tilgen. Dazu gehören neben Einschränkungen beim Pflanzentransport auch Bekämpfungsmaßnahmen wie zum Beispiel der Einsatz von engmaschigen Netzen, Insektiziden, parasitischen Nematoden und entomopathogenen Pilzen. Die Chance auf eine vollständige Tilgung ist umso größer, je früher der Japankäfer gefunden wird.

In Italien bereits seit 2014 beobachtet

In der Schweiz wurde der Japankäfer 2017 im Südtessin an der Grenze zu Italien nachgewiesen, nachdem er in Italien bereits 2014 beobachtet wurde. Er unterliegt in beiden Ländern zumindest Eindämmungsmaßnahmen, da er aufgrund seines hohen Schadpotentials an zahlreichen Kulturpflanzen als prioritärer Unionsquarantäneschädling eingestuft ist. Im Tessin wurde ungefähr eine Verzehnfachung der Käferpopulation pro Jahr beobachtet und eine erfolgreiche Tilgung wird wegen des Zuflugs aus Italien für unwahrscheinlich gehalten.

Der Fund in Basel zeigt, dass die Gegenmaßnahmen auf der Alpensüdseite und die natürliche Barriere der Alpenkette nicht verhindern können, dass zumindest einzelne Individuen des prioritären Unionsquarantäneschädlings auf die Alpennordseite gelangen. Sofern auch begattete Weibchen als blinder Passagier verschleppt werden, besteht die Gefahr, dass sich der Japankäfer sehr schnell nach Mitteleuropa ausbreitet. Der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst geht aktuell davon aus, dass ein möglicher Befallsherd nördlich der Alpen getilgt werden könnte, sofern er frühzeitig entdeckt und bekämpft würde.

Fraßschäden an Blättern und Grasnarbe

Invasive Art

Der Japankäfer (Popillia japonica) benötigt für die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Käfer normalerweise ein Jahr. Ein Weibchen legt während ihres Lebens 40 bis 60 Eier bevorzugt in feuchten Boden ab. Die Larven (= Engerlinge) schlüpfen nach zwei Wochen und ernähren sich von Pflanzenwurzeln, vor allem von Graswurzeln, aber auch von Wurzeln von Mais, Soja, Tomaten oder Erdbeeren. Dabei entstehen Schäden in den Kulturen bzw. in den Gras- und Rasenflächen. Durch Engerlinge in Pflanzballen, Topfpflanzen, Rollrasen und im Humus / Oberboden können Larven des Japankäfers leicht über große Distanzen ausgebreitet werden. Deshalb dürfen entsprechende Transporte aus einem Befallsgebiet höchsten nach Durchführung bestimmter Schutzmaßnahmen (z. B. Insektizidbehandlung, Wärmebehandlung, Kontrollen) zugelassen werden

Die Larven verpuppen sich im Frühjahr und im Mai und Juni schlüpfen dann die adulten Käfer. Diese können von Mai bis in den September hinein beobachtet werden, wobei die Hauptflugzeit von Mitte Juni bis Mitte Juli andauert. Die Käfer ernähren sich von Blättern, Blüten und Früchten zahlreicher Pflanzenarten.

Bei den Kulturpflanzen sind es z. B. Apfel, Steinobst, Weinreben, Mais, Soja- und Gartenbohne, Erdbeeren, Brombeeren, Spargel und Rhabarber. Bei den Zierpflanzen sind Rosen und Blauregen beliebt. Daneben sind auch zahlreiche Laubgehölze wie z. B. Ahorn, Kastanie, Birke, Platane, Pappel, Weide, Linde und Ulme auf dem Speiseplan.

Insgesamt hat Popillia japonica über 300 Wirtspflanzen. Oft versammeln sich Käfer in größeren Gruppen und fressen einzelne Pflanzen völlig kahl, während sie benachbarte Pflanzen kaum schädigen.

An Laubblättern fressen die Tiere vorzugsweise das Blattgewebe zwischen den Blattadern ("Skelettierfrass"). An Blüten und Früchten findet man unregelmäßige Fraßschäden.

Die Käfer können täglich ca. 500 m weit fliegen. Pro Jahr wird eine natürliche Ausbreitung zwischen drei und 24 Kilometer für möglich gehalten. Mit Pflanzen und Grünschnitt kann der Japankäfer auch leicht unabsichtlich aus Befallsgebieten verschleppt werden, wobei hier auch durch entsprechende Verbote oder Schutzmaßnahmen gegengesteuert werden kann.

Im Gegensatz dazu ist die Verbreitung als blinder Passagier an Fahrzeugen, Gepäckstücken, an Kleidung und Haustieren von amtlicher Seite nicht kontrollierbar und jeder Einzelne ist aufgerufen, bei Urlauben, Geschäftsreisen oder Ausflügen ins Befallsgebiet (z. B. Parco del Ticino, Lago Maggiore) vor der Rückreise sorgfältig das Fahrzeug, Haustiere und Gepäckstücke zu kontrollieren, da sich die Käfer leicht mit ihren kleinen Haken an den Beinen anheften können.

Pflanzenschutzdienst ruft zur Mithilfe auf

Das LTZ Augustenberg ruft dazu auf, den Pflanzenschutzdienst zu unterstützen und verdächtige Käfer zu melden. Erwachsene Japankäfer sind ca. 1 cm groß und ähneln in ihrem Aussehen den heimischen Gartenlaubkäfern sowie Mai- und Junikäfern. Im Unterschied zu ihnen besitzt der Japankäfer aber fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am letzten Abdominalsegment. Außerdem schimmert das Halsschild des Japankäfers auffällig grün-metallisch.

Das LTZ Augustenberg bittet, Käfer mit diesen Merkmalen zu fangen, einzufrieren und ein Foto unter Angabe des Fundortes per E-Mail an pflanzenschutz-insekten@ltz.bwl.de zu senden.