Forstwirtschaft

Holznachfrage: Waldbesitzer am Boom beteiligen

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Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 15.04.2021 - 12:15

Schnittholzpreise eröffnen Spielraum für den Rundholzpreis.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere Preisliste … ab sofort ihre Gültigkeit verliert. Sobald wir Preise wieder festschreiben können, wird eine neue Preisliste erstellt. Bis dahin bearbeiten wir Bestellungen als Anfrage und senden Ihnen aktuell dazu ein Angebot. …“ „Die Preisentwicklung am Markt hat ein mehr als rasantes Tempo erreicht, ebenso spitzt sich die Verfügbarkeit der Waren weiterhin zu und ist nicht mehr voll gewährleistet. …“ Solche und ähnliche Schreiben haben viele Zimmereien in Bayern die letzten Wochen von ihren Lieferanten erhalten.

Im letzten Jahr haben in Bayern die Organisationen der Forst- und Holzwirtschaft noch um eine Holzbauoffensive gekämpft. Nicht nur, um die Nachhaltigkeit des nachwachsenden Rohstoffes ins rechte Licht zu rücken, sondern auch, um die riesigen Schadholzmengen, die angeblich in Mitteleuropa die letzten Jahre angefallen waren und die den Rundholzpreis ins Bodenlose haben fallen lassen, zu verwerten. Droht jetzt das zarte Pflänzchen Holzbau wieder zu verwelken, weil das Bauholz in all seinen Variationen zu teuer wird oder nicht mehr verfügbar ist?

Auf neue Lage einstellen

Peter Aicher, Präsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks sieht diese Gefahr nicht. „Der Markt ist da, der Bedarf ist da, die Ressource ist da“, sagte er gegenüber dem Wochenblatt. Er ist zuversichtlich, dass die Geschäftsbeziehungen sich bis in einem viertel bis halben Jahr wieder eingependelt haben. Eine erste Beruhigung sei bereits feststellbar. Dennoch kann er die Aufregung bei den Zimmereien verstehen, waren sie doch die letzten zehn Jahre gewohnt, dass heute bestelltes Holz in den nächsten paar Tagen auch geliefert wurde. Das wird so schnell nicht wieder der Fall sein, an eine gewisse Vorausplanung müssten sich die Betriebe schon gewöhnen.

Die Branche hat laut Aicher in den letzten zehn Jahren viel Geld und Aufwand in Forschung und Entwicklung gesteckt und die Ergebnisse in die Politik getragen. Ziel dabei war eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Weiterentwicklung der Holzverwendung. Der Anteil des Holzbaus soll organisch und kontinuierlich steigen können. Auch die jüngsten Preissteigerungen sind für ihn – auch im Vergleich zu den Steigerungen bei anderen Bauprodukten – kein Hemmschuh.

Holz hat seinen Wert

Woran liegt es, dass die Schnittholzpreise so durch die Decke gegangen sind? Viele verschiedene Dinge sind mehr oder weniger zufällig zusammengetroffen. Politische Einflüsse wie die Rundholzexportzölle in Russland oder die Importzölle der USA für kanadisches Holz, Markteinflüsse wie eine generelle Zunahme des Holzverbrauchs und Konjunkturprogramme zum Ankurbeln des Bausektors und so weiter.

„China und die USA sind auf Einkaufstour“, fasst Hans-Peter Fickler, Sprecher Bayerns in der Deutschen Säge- und Holzindustrie zusammen. Wo der Kubikmeter Dachlatten vor einem Jahr noch 240 € kostete, sind es heute 480 €, um nur ein Beispiel zu nennen. Man müsse, so Fickler, aber beachten, dass die Preissprünge in den USA schon immer viel höher waren als bei uns und sich das schnell wieder ändern könne.

Trotzdem hat er Verständnis dafür, dass die Waldbesitzer jetzt für ihr Rundholz mehr Geld haben möchten. Selbst für Forderungen von 150 €/pro Festmeter hat er Verständnis: „Wenn ich die Arbeit der Waldbesitzer über Generationen anschaue und was das Produkt Fichtenholz kann, dann kann ich das nachvollziehen“. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass das Holz, das jetzt in die USA geht, zum allergrößten Teil nicht aus Bayern stammt, sondern Käferholz aus Norddeutschland oder Tschechien ist, das bei Großsägewerken per Bahn angeliefert wird. Die mittelständischen Sägewerke in Bayern hätten die Preise zwischen acht und 15 Prozent erhöht, auch weil sie langjährige Lieferbeziehungen mit ihren Abnehmern nicht aufs Spiel setzen können und möchten.

Was Fickler gar nicht nachvollziehen kann, ist die Einschlagsbeschränkung bei Fichte. Vor zwei Jahren wäre das nachvollziehbar gewesen, aber jetzt sei es das falsche Signal. Die mittelständischen Betriebe hätten keinen Zugang zu tschechischem Holz und seien dort, wo es um den Holzeinsatz im Sichtbereich geht, auch auf Frischholz angewiesen.

Für Sepp Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, ist die Einschlagsbeschränkung dagegen nicht das große Problem. Die erhöhten Kostenpauschalen sind für ihn eher ein Anreiz, die erlaubten 85 % Einschlag auszuschöpfen. Laut Ziegler reagieren die Rundholzpreise phasenverzögert auf die Entwicklung beim Schnittholz. 90 bis 100 €/fm seien in Südbayern möglich, Nordbayern hinke noch um 10 € hinterher.

Bei der Kiefer, der zweitwichtigsten Baumart in Bayern, sei dagegen noch keine positive Entwicklung feststellbar. Man müsse die Warenströme beim Schnittholz ganz klar vom Rundholz trennen, betont Ziegler. Seiner Ansicht nach sollte die Holzbranche verdammt aufpassen, dass ein Hochziehen der aktuellen Marktkapriolen keine Abkehr vom nachwachsenden Rohstoff Holz auslöst.

Die Verträge neu ordnen

Er sieht die Versorgung der heimischen Sägewerke nicht gefährdet. Waldbesitzer bieten seiner Erfahrung nach inzwischen wieder einen Holzeinschlag an. Dass dies noch nicht überborde, dafür müsse man nach den Preisen der letzten Jahre und den Belastungen bei der Schadholzaufarbeitung Verständnis haben.
In der Holzvermarktung sieht Ziegler auch nicht den Preis allein. Es gelte auch, die Nebenbedingungen wie Leitsortiment, Klassenabschläge oder Sortiergewohnheiten der Sägewerke neu zu diskutieren. Auch ein Einbeziehen von Käferholz in die Frischholzverträge ist ein Ansatz. Denn Käferholz ist etwa bezüglich der Festigkeit nicht schlechter als Frischholz, wie Peter Aicher bestätigt. Anders sieht das natürlich beim Sichtholz aus.
Insgesamt scheint der Cluster Forst und Holz in Bayern jedoch zu funktionieren. Die aktuelle Situation sollte genutzt werden, sich für die Zukunft gemeinsam aufzustellen, sind sich Ziegler, Fickler und Aicher einig. Der Klimawandel ist nicht wegzudiskutieren und so werden Kalamitäten immer wieder auftreten. Man muss also versuchen, etwa durch Nasslager, den Holzfluss kontinuierlicher als bisher zu gestalten. Der Aufbau oder das Wiederbeleben regionaler Kreisläufe mit Beteiligung der Waldbesitzer, der Forstzusammenschlüsse, der Sägewerke und der Zimmerer könnten ebenfalls zur Kontinuität und zur Unabhängigkeit von den Weltmärkten beitragen. Dabei könnte man auch überlegen, ob es richtig war, die Verarbeitung der Nebenprodukte, zum Beispiel zu Spanplatten, nach Osteuropa abwandern zu lassen.