Wald

Holzmarkt: Erst verkaufen – dann einschlagen

Barbara Weindler, Bayerischer Waldbesitzerverband e.V.
am Donnerstag, 30.09.2021 - 09:00

Die Sägewerke sind gesättigt. Waldbesitzer sollten das Angebot strecken und vorab mit Abnehmern Verträge schließen.

BLW_Holzlager-Saegewerk_ke

Der weltweite Aufschwung in der Wirtschaft hält trotz Corona-Pandemie an. Dennoch hat sich die Situation beim Bauholz und der Verfügbarkeit von Holzprodukten über den Sommer hinweg entspannt. Der in den Medien und in der Öffentlichkeit diskutierte Holzmangel ist vorbei.

Die Diskussionen um den Rohstoff Holz und die Teuerungsraten haben aber bei den Verbrauchern zu einer Unsicherheit und zu einem Imageschaden geführt. Unser heimischer Klimarohstoff Holz ist und bleibt unverzichtbar und ist nachhaltig im ausreichenden Umfang vorhanden.

Der Schnittholzmarkt hat sich beruhigt

Viele Holzverwender haben sich über den Frühsommer mit Holzprodukten und teilweise auch mit Rundholz ausreichend eingedeckt. Wir haben eine Art „Klopapiereffekt“ erlebt. Gleichzeitig hat sich eine rückläufige Marktentwicklung auf den überhitzen US-Märkten eingestellt.

Der Preishype für Nadelschnittholz in den USA, von dem große heimische Säger profitiert haben, ist vorbei. Dadurch ist aktuell trotz einer anhaltend guten Baukonjunktur bei uns, die sich nach Prognosen auch in den nächsten Jahren fortsetzt, ein Nachfragerückgang bei Bauholzprodukten, insbesondere Nadelschnittholz, Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz zu verzeichnen.

Die Schnittholzlager sind bei den Sägewerken derzeit wieder gut gefüllt.

Ein kleiner Dämpfer beim Schnittholz

Mit der guten Versorgungslage bei den Holzverarbeitern ist seit dem Spätsommer die Nachfrage bei den Nadelholzsägern zurückgegangen. Aufgrund der rückläufigen Auftragseingänge und den gleichzeitig hohen Schnitt-, aber auch Rundholzlagern haben viele Abnehmer die Produktion zurückgefahren. Beim Nadelschnittholz ist aktuell ein leichter Dämpfer der boomenden Konjunktur zu beobachten.

Nach anziehenden Fichtenrundholzpreisen und einer hohen Nachfrage zu Beginn des dritten Quartals zeigt sich aktuell eine gute Versorgungslage in den Nadelholzsägewerken. Große Kalamitätsmengen (Sturm und Borkenkäfer) sind außerhalb der Hauptschadgebiete zwar weitestgehend ausgeblieben, aber anhaltend hohe Holzmengen kommen weiterhin aus den Kalamitätsregionen in Nordostbayern und Mitteldeutschland.

Der Markt ist mit Rundholz gut versorgt

Die Säger im In- und angrenzendem Ausland sind meist ausreichend mit Rundholz versorgt. Hinzu kommt, dass nach Ablauf der Verordnung über die Beschränkung des regulären Fichtenrundholzeinschlags sich in vielen Regionen eine hohe Bereitschaft zum Holzeinschlag im Herbst zeigt. Diese und die Kalamitätsmengen treffen auf eine zurückgenommene Produktion bei den Sägern. Bereits in der letzten Zeit kommt es regional zu längeren Abfuhrzeiten und erhöhten Waldlagern.

Käferholz zügig aufarbeiten

Fichtenfrischholzeinschläge sollten nur auf bestehende Verträge mit entsprechenden Liefervereinbarungen erfolgen. Wenn möglich, sollten Einschläge auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und im kommenden Jahr durchgeführt werden, denn wir können nicht von einer grundsätzlichen Trendwende, sondern nur von einer „Trendpause“ sprechen.

Während Fichtenfrischholzeinschläge nach Möglichkeit auf das kommende Jahr verschoben werden sollten, ist die Aufarbeitung und der Abtransport von Käferholz weiterhin dringend notwendig, damit sich der Käfer nicht in die Bodenstreu zurückziehen und im kommenden Jahr zu neuen Schäden führen kann. Auf eine großzügige Rändelung sollte dabei verzichtet werden.

Kiefer zieht der Fichte nach

Im Sog der gestiegenen Fichtenrundholzpreise hat sich auch die Situation bei der Kiefer verbessert. Die Nachfrage ist, zu im dritten Quartal angezogenen Preisen, meist stabil. Auch wenn sich die Situation beim Nadelindustrieholz in den letzten Monaten etwas verbessert hat, ist die Vermarktung vor allem schlechterer Sortimente für den Waldbesitz weiterhin nicht zufriedenstellend.

Auch beim Energieholz zeichnet sich noch keine grundsätzliche Trendwende ab.

Beim Laubholz ist die Nachfrage gut

Beim Laubholz zeigt sich bundesweit im Vergleich zum Vorjahr ein höherer Bedarf bei den Sägewerken. Da gleichzeitig kalamitätsbedingt sowie aus Gründen des Naturschutzes der Einschlag oftmals zurückgegangen ist, ist eine gute Nachfragesituation und der Wunsch nach frühzeitigen Lieferungen bei der Buche zu beobachten.

Große Buchenstammholzmengen sind bereits unter Vertrag und vereinzelt beginnt bereits der Einschlag. Eichenstammholz bleibt gut nachgefragt. Bei guten Qualitäten zeigt sich ein leicht steigendes Preisniveau.

Bitte nehmen Sie vor geplanten Einschlägen mit Ihrem Forstzusammenschluss Kontakt auf und erkundigen sich nach der aktuellen Situation vor Ort.