Wirtschaftliche Kennzahlen

Holzerlös massiv eingebrochen

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Friedrich Wühr, LWF
am Freitag, 30.04.2021 - 11:27

Testbetriebsnetz Forst 2019: Die Daten zeigen rückläufige Gewinne – in einem Fall stürzte der Reinertrag sogar um über 700 % ab.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf unsere Wälder sind die größten Herausforderungen für die Forstwirtschaft. Nicht wenige Waldbesitzer sehen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht und fordern neben finanziellen Hilfen zukunftweisende Lösungen für ihre Probleme.

Eine zielgerichtete Beratung und Förderung kann in diesen Krisenzeiten nur auf gesicherter Datenbasis erfolgen. Hierfür bietet das Testbetriebsnetz (TBN) Forst eine wichtige und zuverlässige Datenquelle. Denn mit Hilfe des TBN lässt sich die wirtschaftliche Lage der Forstwirtschaft beurteilen.

Wirtschaftliche Lage war 2019 vielerorts katastrophal

Und die wirtschaftliche Lage der Forstbetriebe 2019 war vielerorts katastrophal. Der Holzmarkt wurde geflutet mit Sturm- und Käferholz (BMEL in Bayern 2019: 11,4. Mio. Fm Schadholzanfall), was den Verfall der Holzpreise weiter beschleunigte. Dagegen schrumpften die Gewinne im Körperschaftswald auf einen nie dagewesenen Tiefstand und auch im Privatwald markierten sie den schlechtesten Wert seit Jahren.

Holzerlös bestimmt den wirtschaftlichen Erfolg

Wirtschaftlichkeit

Im Forstbetrieb übernimmt der Produktbereich (PB) 1 „Produktion von Holz“ eine Schlüsselrolle. Die Privatwaldbetriebe generieren hier nahezu 100 % und die Körperschaftswaldbetriebe über 90 % ihrer Einnahmen und Ausgaben. In diesem Produktbereich trägt der Holzertrag mit über 90 % bzw. 85 % zum Gesamtertrag bei. Einschlagshöhe und Holzerlös sind somit von signifikanter Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg.

Der Holzeinschlag lief für viele Betriebe weitgehend fremdbestimmt. Das heißt, sie konnten nur selten reguläre Hiebe durchführen, weil der Schadholzanfall so hoch war. Im Körperschaftswald wurden mit 6,5 Fm/ha 7 % weniger eingeschlagen als im Vorjahr. Am meisten Holz fiel dabei mit 7,5 Fm/ha in den Fichtenbetrieben an. Mit 6,7 Fm/ha schlugen die Laubholzbetriebe rund ein Viertel mehr ein als im Vorjahr.

Im Privatwald wurden mit 7,9 Fm/ha knapp 20 % mehr als 2018 geerntet. Die Fichtenbetriebe dominierten auch im Privatwald die Höhe des Holzeinschlags. Mit 8,5 Fm/ha war es der höchste Einschlag der vergangenen fünf Jahre. Deutlich mehr Holz fiel auch bei den Laubholzbetrieben an. Mit 7,7 Fm/ha lag man um 43 % über dem Vorjahreseinschlag.
Im Körperschaftswald brach der Holzertrag um knapp ein Viertel auf 307 €/ha ein und lag damit um knapp 30 % unter dem durchschnittlich erzielten Holzertrag der letzten 5 Jahre. Die Privatbetriebe konnten zwar im Vergleich zum Vorjahr stabile Verhältnisse melden – der Holzertrag knüpfte hier mit 396 €/ha eng an den Vorjahreswert (400 €/ha) an – jedoch zeichnet sich auch hier über den Fünf-Jahreszeitraum ein deutlicher Abwärtstrend ab.

Preisverfall der Fichte besorgniserregend

Die Abfolge von Schadereignissen hinterließ deutliche Bremsspuren auf dem Holzmarkt. Der Holzerlös ohne Selbstwerber sank im Körperschaftswald zum vierten Mal in Folge und büßte zum Vorjahr noch einmal gut 10 Prozentpunkte ein.
Holzhiebe

Besorgniserregend war der Preisverfall der Fichte. Konnten in der Vergangenheit die Betriebe mit der Fichte als Hauptbaumart immer überdurchschnittliche Wirtschaftsergebnisse verbuchen, gerieten sie 2019 infolge der niedrigen Preise in den allgemeinen Abwärtssog. Innerhalb eines Jahres verlor die Fichte gut 20 % und erzielte im Körperschaftswald nur noch 51 €/Fm. Sie hatte an der gesamten Verkaufsmenge einen Anteil von 62 % (Kiefer 13 %, Buche 22 %, Eiche 3 %).

Auch im Privatwald schlugen die Turbulenzen auf dem Holzmarkt voll durch. Der Holzerlös ohne Selbstwerber verlor gegenüber 2018 13 % und lag bei 60 €/Fm. Alarmierend war auch hier der rasante Preisverfall bei der Fichte. Nur noch 49 €/Fm wurde für das Fichtenstammholz erzielt. Drei Viertel des gesamten Holzverkaufs war Fichtenholz (Kiefer 7 %, Buche 17 %, Eiche 1 %).

Ertragsergebnis wie zur Wirtschaftskrise 2009

Der Körperschaftswald hatte empfindliche Einbußen zu verkraften. Die Einnahmeverluste waren einerseits Folge des geringeren Einschlages, gingen hauptsächlich aber auf das Konto der eingebrochenen Holzpreise. Das Ertragsergebnis für alle fünf Produktbereiche musste im Vergleich zum Vorjahr um 16 % auf 385 €/ha (2018: 458 €/ha) nach unten korrigiert werden und fiel damit auf das Niveau der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 zurück.
Ein positiveres Bild bot sich dagegen bei den Privatwaldbetrieben. Der Gesamtertrag stieg bedingt durch höheren Einschlag sogar leicht um 4 €/ha auf 435 €/ha – was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass auch in dieser Besitzart die Einnahmen aus dem Forst seit dem Jahr 2015 rückläufig sind.
Die wichtigsten Ausgabepositionen im Forstbetrieb sind neben den Verwaltungskosten vorallem die Kosten für die Holzernte. Im Körperschaftswald erreichten im Berichtsjahr 2019 die Verwaltungskosten mit 191 €/ha (+9 % zum Vorjahr) den bisherigen Höchststand, der Aufwand für die Holzernte verharrte mit 152 €/ha auf einem nahezu unverändert hohen Niveau. Deutliche Kostensteigerung gab es auch in den Bereichen Waldschutz 26 €/ha (+37 %), Gehälter 160 €/ha (+8 %) und Löhne 147 €/ha (+6 %). Der Gesamtaufwand für die PB 1 bis 5 bilanzierte sich bei einem Anstieg um 9 % auf 518 €/ha.

Steigende Tendenz bei den Ausgaben

Eine steigende Tendenz bei den Ausgaben meldeten auch die Privatwaldbetriebe. Verantwortlich hierfür waren, wie im Körperschaftswald, der wachsende Aufwand für die Verwaltung 142 €/ha (+8 %), die Holzernte 90 €/ha (+10 %), den Waldschutz 16 €/ha (+45 %) und für Gehälter 71 €/ha (+9 %). In der Summe verbuchten die Betriebe mit dem Gesamtaufwand für die PB 1 bis 5 von 332 €/ha, ein Plus von 23 €/ha (7,4 %).

Der wirtschaftliche Erfolg der Forstbetriebe definiert sich über den Reinertrag. Ermittelt wird er durch die Subtraktion des Gesamtaufwandes vom Gesamtertrag. In beiden Besitzarten setzte sich der seit dem Jahr 2016 anhaltende Abwärtstrend zum Teil vehement fort. Die Körperschaftswaldbetriebe waren zwar in der Vergangenheit nicht gerade erfolgsverwöhnt, konnten aber in den Jahren nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Kielwasser der sich rasch erholenden Konjunktur dennoch annehmbare Ertragszahlen schreiben.
Sturmschäden und Borkenkäferbefall ließen jedoch in den letzten Jahren trotz anhaltend hoher Nachfrage die Rundholzpreise sichtlich verfallen. Ab 2016 setzte die kontinuierliche Verschlechterung der Gewinnsituation bis hin zum Abgleiten in die Verlustzone ab 2018 ein. War man über den Wert von –21 €/ha im Jahr der Wirtschaftskrise noch schockiert, nimmt das aktuelle Ergebnis mit –132 €/ha ein katastrophales Ausmaß an. Um über 700 % stürzte der Reinertrag zum Vorjahr ab.
Von den 25 Teilnehmern mussten 18 Betriebe (72 %) einen negativen Reinertrag verbuchen. Im Vorjahr waren es 52 %. Waren in den Vorjahren stets die Fichtenbetriebe noch das stabilisierende Element und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Gesamtergebnis im Körperschaftswald, so rutschten auch sie im Forstwirtschaftsjahr 2019 deutlich in die Verlustzone. Mit –123 €/ha bilanzierten sie einen Negativrekord. Besser schnitten die Laubholzbetriebe mit –93 €/ha ab.

Reinertrag halbiert sich für Privatwaldbesitzer

Über dahinschmelzende Gewinne klagten auch die Privatwaldbetriebe. Sie erwirtschafteten zwar mit 104 €/ha ein positives Gesamtergebnis, gleichwohl fiel es im direkten Vergleich zum Vorjahr um 19 €/ha geringer aus.
Von den 15 Teilnehmern konnten zwölf Betriebe ein positives Wirtschaftsergebnis ausweisen. In der Rubrik Hauptbaumarten belegten, wie in den Vorjahren, die Fichtenbetriebe mit 119 €/ha den Spitzenplatz. Die Laubholzgruppe schloss mit 52 €/ha ab. Erwirtschafteten die Privatwaldbetriebe 2015 noch Gewinne über 200 €/ha, halbierte sich der Reinertrag 2019 auf 104 €/ha.
Die Zahlen belegen: Die Forstwirtschaft ist in ein schweres Fahrwasser geraten. Viele Forstbetriebe sind längst an ihre wirtschaftlichen Grenzen gestoßen. Der Klimawandel verschärft nach wie vor die Waldschutzsituation und trägt damit einhergehend maßgeblich zum Verfall der Holzpreise und damit zur Verschlechterung der Gewinnsituation bei. Ein Ende dieser Entwicklung zeichnet sich nicht wirklich ab.