Waldnutzung

Holzeinschlag: Auf dem Holzweg

Schweden
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 07.07.2020 - 16:48

Eine Studie über den angeblich massiv gestiegenen Holzeinschlag in der EU steht nach Einschätzung von Fachkreisen im Widerspruch zu nationalen Statistiken und ziehe falsche Schlüsse.

Berlin -  Das Naturforschungsjournal „nature“ publizierte am 01.07.2020 eine Studie über den angeblich massiv gestiegenen Holzeinschlag in der EU. Die Studie kam zu dem Schluss, dass in der EU, insbesondere jedoch in Skandinavien, zunehmende Verluste von Biomasse sowie eine Zunahme der Ernteflächen zu verzeichnen sind.

    Deutschland kommt gut weg

    Die Autoren stellen in der Studie erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern heraus. Während in Schweden und Finnland 50 Prozent des gestiegenen Einschlags verortet werden, hat in Deutschland die Waldfläche von 2004 bis 2015 um 7 Prozent zugenommen.

    Dennoch stößt die Studie bei der deutschen Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. V. (AGR) auf deutliche Kritik. Sie kommt nach einer Analyse der Studie zu folgenden Schlüssen:

    1. die Methodik lasse Fragen offen,
    2. die Schlussfolgerungen auf den Klimaeffekt seien falsch.

    Es wächst mehr nach als entnommen wird

    Als Basis der Studie dienten dem Team um den italienischen Forscher Ceccherini Satellitenbildaufnahmen zwischen 2004 und 2018. Hauptgrund für den gestiegenen Einschlag (angeblich +34 % abgeerntete Flächen in Europa) sei laut der Forscher die steigende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz.

    Lukas Freise, Geschäftsführer der AGR kommentiert: „Was wir hier nicht sehen sind die Bäume, die nachgepflanzt wurden. Der schwedische Wald hat einen jährlichen Zuwachs von 120 Mio. m3. Davon werden nur ca. 75 % geerntet.“

    Außerdem sei unklar, ob neben den berücksichtigten Flächenverlusten durch Sturm oder Feuer auch die in den besagten Jahren starken Verluste durch Borkenkäferkalamitäten erfasst wurden.

    Ähnlich äußert sich Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH). Er bemängelt, dass nur die Holzentnahme nicht jedoch die Zuwächse von Holz im Vergleichszeitraum beleuchtet wurden. Eine verlässliche Aussage über eine nachhaltige Nutzung sei jedoch nur auf Grundlage beider Faktoren möglich.

    Nationale Statistiken widerlegen Behauptungen der Studie

    Der gemeldete, drastische Anstieg der Ernteflächen stünden nach Aussagen der AGR zudem nicht im Einklang mit den nationalen Statistiken. Laut der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) sind die geernteten Flächen zwischen den Vergleichszeiträumen 2011-2015 und 2016-2018 sogar um 8 % zurückgegangen. Der Anstieg des geernteten Holzvolumens habe sich auf gerade einmal 4 % belaufen.

    Aufmerksam machte die SLU außerdem auf die Unvergleichbarkeit von Methodik und Satellitenbildern zu früheren Forschungen. Beides habe sich im Laufe der Zeit verbessert, sodass im späteren Betrachtungszeitraum auch Flächen identifiziert werden konnten, die früher nicht erfasst wurden. Direkt in Bezug gesetzt ergeben sich dann dramatische Unterschiede.

    Datenunterschiede zwischen den Ländern könnten zudem durch die unterschiedlichen Erntestrategien hervorgerufen werden.

    Holznutzung trägt zum Klimaschutz bei

    Völlig unbeachtet bleibe nach Einschätzung der AGR bei der Studie auch die Kohlenstoffspeicherleistung des Holzes und der daraus gefertigten Produkte. Diese würden den im Holz gespeicherten Kohlenstoff über ihre gesamte Nutzungsdauer binden und darüber hinaus energieintensivere Materialien z.B. im Bau- oder Verpackungsbereich durch einen nachwachsenden Rohstoff ersetzen.

    Die Nutzung von Holz trage somit, anders als in der Studie resümiert, zum Klimaschutz bei. „Ziel für künftige Studien müsse es deshalb sein, die Gesamtheit von Waldbewirtschaftung und Holznutzung zu reflektieren, statt nur einzelne Aspekte darzustellen“ ergänzt Freise.