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Neue Studie

Mit gutem Gewissen mit Holz heizen

Heizen-Holz: Man sieht einen Stapel mit grob geschnittenen, langen Baumstämmen und Geäst, auf welches die Abendsonne scheint.
Herbert Borchert und Sabine Hiendlmeier - LWF/CARMEN e.V.
am Donnerstag, 24.11.2022 - 11:55

Holz ist als Brennstoff in die Schlagzeilen geraten. Die Nachfrage steigt und die Umweltfreundlichkeit wird in Zweifel gezogen. Die neue Studie zum Energieholzmarkt in Bayern von LWF und CARMEN nennt Fakten.

Die Situation beim Brennholz wird in den Medien seit Wochen als dramatisch beschrieben. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) hat im Februar dieses Jahres im Wochenblatt (Heft 8/2022, Seite 86) die Ergebnisse ihrer jährlichen Scheitholz-Preiserhebung vorgestellt. Im Juli wurden die Preise der professionellen Brennholzhändler erneut recherchiert, wobei die Angaben von 47 Händlern verteilt über ganz Bayern ausgewertet werden konnten. Drei Händler waren ausverkauft. Einige andere waren bei einzelnen Sortimenten ausverkauft. Im arithmetischen Mittel waren die Preise zwischen Dezember 2021 und Juli 2022 nur um 33 % gestiegen. Das ist deutlich weniger als erwartet wurde.

Bei einzelnen Händlern gab es sehr große Preissteigerungen, in einem Fall sogar mehr als eine Verdoppelung. Bei sechs Händlern wurden die Preise jedoch nicht erhöht. Die Preiserhöhung in Südbayern war größer als in Nordbayern und für Hartholz größer als für Weichholz, welches überwiegend Nadelholz beinhaltet. Auch wenn die Brennholzpreise ebenfalls gestiegen sind, bleibt die Erhöhung weit hinter der von Öl und Gas zurück.

Neue Studie zum Energieholzmarkt

Bei Umweltverbänden und Entscheidungsträgern steigt die Skepsis, ob für weitere Holzheizer noch genügend nachhaltig nutzbares Energieholz aus heimischen Wäldern vorhanden ist. Und auch so mancher Verbraucher wurde durch diverse Medienberichte verunsichert, die behaupten, Heizen mit Holz sei klimaschädlich. Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und CARMEN haben zusammen eine neue Studie zum Energieholzmarkt in Bayern veröffentlicht. Die meisten Zahlen darin beziehen sich zwar auf das Jahr 2020 und bilden den aktuellen Boom nach Brennholz noch nicht ab. Der Bericht setzt sich jedoch mit der Frage nach der Holzverfügbarkeit und der Kritik an der energetischen Holzverwendung auseinander. Auch Entwicklungen, die die aktuelle Marktsituation z. B. hinsichtlich der Pelletpreise erklären können, werden in dem Bericht bereits aufgezeigt.

Beim Holzverbrauch wird unterschieden zwischen Privathaushalten, denen die Holzheizungen bis 50 kW zugeordnet werden und den Biomasseheizwerken und -heizkraftwerken mit Leistungen darüber.

Verbrauch der Privathaushalte

Der Energieholzverbrauch der privaten Haushalte in Bayern ist in der Heizperiode 2020/21 erstmals auf 10 Mio. m³ gestiegen. Dies war ein Zuwachs von 11 % gegenüber der Heizperiode zwei Jahre zuvor. Aufgrund des kälteren Winters wäre lediglich ein Mehrverbrauch von 7 % zu erwarten gewesen. Der stärkere Zuwachs lässt sich darauf zurückführen, dass die Zahl der privaten Haushalte zugenommen hat. Außerdem ist der Anteil von Haushalten, die ganz oder teilweise mit Holz heizen um 1,6 Prozentpunkte auf 35 % gestiegen. Möglicherweise hat sich auch der vermehrte Aufenthalt zuhause aufgrund von Schulschließungen und Homeoffice ausgewirkt. Von den 10 Mio. m³ Energieholz stammten 85 % aus dem Wald, der offenen Landschaft und den Gärten. Die Sortimente Holzpellets und Briketts, die aus Reststoffen der Holzverarbeitung hergestellt werden, hatten einen Anteil von 11 %. Der Rest entfällt auf Gebrauchtholz und Holzreste, die in den Privathaushalten selbst anfallen.

Fast ein Viertel der Haushalte, die mit Holz heizen, hatte in den vorausgegangenen 5 Jahren eine neue Holzfeuerung angeschafft. Bei der Hälfte davon war es Ersatz für eine alte Anlage. Bei den anderen waren es Erweiterungen oder Erstanschaffungen. Die Hälfte der Haushalte, die während der vorausgegangenen fünf Jahre eine Anlage stillgelegt hatten, tat dies aufgrund gesetzlicher Bestimmungen. Grund waren wohl meist die Stilllegungsverpflichtungen für alte Öfen im Rahmen der 1. BImSchV. Die gesetzlichen Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft wirken, ein weiteren Rückgang der Feinstaubemissioner ist zu erwarten.

Verbrauch der Biomasseheiz(kraft)werke

Die Biomasseheiz(kraft)werke verbrannten im Kalenderjahr 2020 insgesamt 8,7 Mio. m³ Holz. Das entspricht einem Zuwachs von 3 % gegenüber dem Verbrauch zwei Jahre zuvor. Nach der Witterung wäre eigentlich ein Rückgang des Verbrauchs zu erwarten gewesen, weil das Kalenderjahr 2020 wärmer war als 2018. Der Verbrauchszuwachs hier beruht auf dem Zuwachs der Zahl an Heizanlagen. Im niedrigeren Leistungsbereich (unter 1000 kW) waren innerhalb der zwei Jahre in Bayern ca. 2000 Anlagen hinzugekommen.

Ein großer Teil des in Biomasseheiz(kraft)werken verbrannten Holzes stammt aus Holzresten, die in der Industrie und im Handwerk anfallen. Fasst man die Reste aus der Be- und Verarbeitung von Holz mit den Holzpellets zusammen, so entfallen 36 % auf diese Herkunft (Abb. 1). Aus Waldrestholz und der Landschaftspflege stammten 40 % der Holzmenge und 19 % war gebrauchtes Holz. Letzteres wird hauptsächlich in den großen Dampfkraftwerken verbrannt und auch als Altholz bezeichnet.

Im Hinblick auf den Klimaschutz ist es wünschenswert, wenn Holz möglichst zunächst stofflich verwendet wird und erst später energetisch. Auf diese Weise bleibt der Kohlenstoff länger gebunden und entweicht erst später wieder als CO2 in die Atmosphäre.

Wo kommt das Energieholz her?

Holzherkunft-Studie-LWF-Brennholz: Kreisdiagramm

Von dem Holzeinschlag in Bayerns Wäldern wurde 2020 rund 38 % als Energieholz verwendet, mehr als in anderen Jahren üblich. Es lässt sich aber auch nicht alles Holz stofflich verwenden, denn 59 % des Holzeinschlags entfiel auf Schadholz. Der größte Anteil davon wurde durch Borkenkäferbefall verursacht, ein beträchtlicher Teil auch durch Sturmschäden. 2021 sind die Schadholzmengen auf 33 % zurückgegangen, der Anteil von Energieholz ist auf 35 % gesunken.

Obgleich in den vergangenen Jahren auch in Bayern viel Schadholz anfiel, war der jährliche Holzeinschlag insgesamt nicht größer als üblich. Dabei könnte in Bayern über viele Jahre hinweg beträchtlich mehr Holz geerntet werden. Die LWF hat dies vor einigen Jahren auf der Grundlage der Daten der Bundeswaldinventur modelliert. Die zusätzlichen Nutzungspotenziale bestehen, weil viele Fichtenwälder längst hiebreif sind und auf großen Flächen wegen der Klimaerwärmung in Mischwälder überführt werden sollten. Im Zuge dieser Mehrnutzungen könnte auch noch mehr Energieholz verfügbar werden.

Energieholz im Klimawandel

Heizen-mit-Holz-Studie-LWF-Pelletkessel: Balkendiagramm

Als Kritik an der energetischen Holzverwendung wird häufig angeführt, dass der CO2-Ausstoß je Energieeinheit bei Holz die CO2-Ausstöße von fossilen Brennstoffen noch übertreffen würde. Es ist zwar richtig, dass bei der Verbrennung von Erdgas und Heizöl weniger CO2 je bereitgestellte Energiemenge freigesetzt wird als bei der Verbrennung von Holz. Allerdings handelt es sich bei den fossilen Brennstoffen um Kohlenstoff, der viele Millionen Jahre im Erdboden gespeichert war und nun neu in den Kohlenstoffpool der Atmosphäre und Biosphäre gelangt und diesen Pool damit zusätzlich aufbläht.

Dies ist bei CO2 aus Energieholz nicht der Fall, da Wald stetig nachwächst und dabei CO2 von den Bäumen aufgenommen wird. Ist fossiler Kohlenstoff erst einmal in die Atmosphäre und Biosphäre gelangt, lässt er sich von dort nur sehr schwer wieder entfernen. Jeder zusätzliche Input von Kohlenstoff aus fossilen Quellen in den Kohlenstoffpool der Atmosphäre und Biosphäre schafft ein langfristiges Problem und sollte vermieden werden.

Die Kritiker der Holzenergie meinen, es sei besser, das Holz in den Wäldern zu belassen oder allenfalls stofflich zu nutzen. Waldökosysteme können allerdings nur eine begrenzte Menge an Kohlenstoff speichern. Die Holzvorräte in den Wäldern Bayerns sind inzwischen so groß, dass nach Einschätzung der Studienautoren kaum noch mehr Kohlenstoff darin gespeichert werden kann. Ließe man den Vorrat weiter anwachsen, drohen große Holzmengen durch Kalamitäten wie Sturmschäden anzufallen.

Auch ein Verzicht auf die energetische Verwendung von Waldrestholz würde das Klima nicht schützen, weil der Kohlenstoff im Waldrestholz durch biologischen Stoffabbau binnen kurzer Zeit zum großen Teil doch in die Atmosphäre gelangen würde. Hätte man stattdessen einen fossilen Brennstoff verwendet, würde die Atmosphäre gleich doppelt belastet. Das gleiche gilt für einen Verzicht auf die energetische Verwendung von Holzresten aus der Be- und Verarbeitung von Holz, wie z. B. von Holzpellets. Solange es für diese Reste keine ausreichend große Nachfrage für stoffliche Verwendungen gibt, hätte ein Verzicht auf die energetische Nutzung zur Folge, dass durch die natürliche Zersetzung ein großer Teil des Kohlenstoffs aus diesen Holzresten doch wieder in die Atmosphäre gelangt.

Fördersysteme befeuern Investition in Holzenergie

Die Förderkonditionen auf Bundesebene waren in den vergangenen zwei Jahren so günstig, dass es bei den Investitionen in erneuerbare Heizsysteme und darunter auch in Holzfeuerungen einen regelrechten Schub gab. Dabei handelte es sich nicht nur um den Heizungstausch in einzelnen Gebäuden oder um neue Nahwärmeverbünde, sondern auch die Prozesswärme aus Holzenergie erfuhr einen Boom. Bei der anstehenden Defossilisierung von Industrie und Gewerbe wird große Hoffnung auf das Energieholz gesetzt, das flexibel Prozesswärme für Mitteltemperatur-Anwendungen bereitstellen kann. Andere erneuerbare Energiequellen können das nur schwer leisten.

Die Verkaufszahlen für Pelletheizanlagen sind von 2019 auf 2021 sprunghaft um das 4,5-fache gestiegen. Auf diesen sprunghaften Anstieg der Nachfrage und nicht so sehr den Ukrainekonflikt ist der starke Anstieg der Preise für Holzpellets zurückzuführen. Der Effekt des Ukrainekon-flikts dürfte sein, dass viele Pelletverbraucher frühzeitiger als sonst ihre Lager auffüllen wollten und zusätzlich mehr Sackware eingelagert wurde.

Ein echter Mangel an Holzpellets kann im Rückblick auf die Marktzahlen nicht belegt werden. Deutschland hat 2021 rund 3,36 Mio. t Holzpellets produziert, der inländische Bedarf lag jedoch nur bei 2,90 Mio. t. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 wurde die Produktion nochmals gesteigert.

Mitte August hat die Bundesregierung die Förderung für Holzheizungen deutlich gekürzt und auch Anfang 2023 soll es weitere Förderanpassungen geben. Politisch forciert werden bei der Wärmewende in Privathaushalten die Wärmepumpen, die sich aber in ungedämmten Altbauten erst noch beweisen müssen.

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