Waldweg

Gute Fahrt im Wald: Nur auf festem Grund

Jürgen Jobst, StMELF
am Donnerstag, 25.06.2020 - 14:30

Forstwegebau: Der sogenannte dynamische Lastplattendruckversuch zeigt, wie tragfähig Forstwege sind und gibt Aufschluss darüber, wie viel Material nötig ist.

Dynamischer-Lastplattendruckversuch

Schwerlastfähige Forstwege sind die Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder und schaffen die Voraussetzung für schonende und wirtschaftliche Verjüngung, Pflege und Ernte von Waldbeständen. Die mit der Zeit größer gewordenen Forstfahrzeuge und Maschinen beanspruchen unsere Waldwege aber weitaus stärker als in der Vergangenheit.

Muss ein Weg Belastungen von 40 t standhalten, ist eine wesentliche Voraussetzung für seine Haltbarkeit eine ausreichende Tragfähigkeit des Untergrunds und des Wegeunterbaus. Aber wie lässt sich die ermitteln? Eine kostengünstige Methode, um die Tragfähigkeit und Verdichtungsqualität von Untergründen sowie vorhandenen Tragschichten zu untersuchen, ist der „dynamische Lastplattenversuch“.

Und so funktioniert's: Beim dynamischen Lastplattenversuch fällt ein 10 kg schweres Gewicht auf eine Lastplatte mit einem Beschleunigungssensor. Ein Messcomputer errechnet dann aus drei Messstößen das „dynamische Verformungsmodul“ – angegeben wird es in der Einheit Meganewton pro Quadratmeter. Anschließend wird das gemittelte Ergebnis samt GPS-Daten gespeichert. Mit dem integrierten Drucker kann noch direkt auf der Baustelle ein Messprotokoll ausgedruckt werden.

Vor allem für grobkörnige und gemischtkörnige Böden

Das Gerät eignet sich insbesondere für grobkörnige und gemischtkörnige Böden mit einer Korngröße bis 63 mm. Bei feinkörnigen Böden (Schluffe, Tone) kann es eingesetzt werden, wenn die Böden eine steife bis feste Konsistenz aufweisen. Das mobile Gerät kann von einer Person transportiert und bedient werden.

Die fünf überregionalen Wegebauberater der Bayerischen Forstverwaltung, die die Revierleiter an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beim forstlichen Wegebau unterstützen, sind seit kurzem mit je einem solchen Messgerät ausgestattet. Damit steht der Bayerischen Forstverwaltung neben den bestehenden Hilfsmitteln wie den Informationen zu den Bodenverhältnissen des Bayerischen Waldinformationssystems (BayWIS), den Standortskarten oder der Bohrstockanalyse eine weitere Methode zur Einschätzung der oft schwierigen Untergrundverhältnisse zu Verfügung.

Tragfähigkeit des Wegeuntergrundes

Der Wegebauberater als Spezialist kann vor Ort das Messergebnis interpretieren und die Tragfähigkeit des Wegeuntergrundes und Unterbaus entlang der Trasse beurteilen. Bei wechselnden Untergrundverhältnissen kann der Versuch beliebig oft wiederholt werden.

Anhand der Messergebnisse kann dann die Einbaudicke des Wegeaufbaus geplant werden. Ziel ist es, an der Oberseite der Tragschicht für Forstwege eine ausreichende Standfestigkeit für eine Achslast von mindestens 11,5 t zu erreichen. Die Messergebnisse haben somit unmittelbaren Einfluss auf die Schichtdicke der kostenintensiven Wegebefestigung. Sie erleichtern die Wahl der Bauweisen für die oft stark wechselnden Untergrundverhältnisse. Dadurch kann die richtige Wegedimensionierung nach technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten leichter angepasst werden.