Waldbau

Forst: Gewinne sind wie abgesägt

Motorsäge
Friedrich Wühr, LWF, Freising
am Donnerstag, 23.04.2020 - 16:35

Testbetriebsnetz Forst 2018: Die Ergebnisse sind schlecht, einzig die Fichte konnte die Bilanzen nach oben korrigieren. Zugleich verdeutlichen die Folgen des Klimawandels: Auch die „Milchkuh“ der Forstwirtschaft bekommt Probleme.

Auf einen Blick

  • Im Körperschaftswald ist der Reinertrag 2018 um 140 % abgestürzt, nämlich auf –18 €/ha. Nur im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 wurde ein ähnlich schlechtes Wirtschaftsergebnis erzielt.
  • Die Privatwaldbetriebe konnten einen Reinertrag in Höhe von 123 €/ha erwirtschaften. Das sind 11 % weniger als 2017 und das schlechteste Ergebnis der letzten zehn Jahre.
  • Zwar haben sowohl im Körperschafts- als auch im Privatwald die Fichtenbetriebe die Bilanzen nach oben gezogen, doch auch die Fichtenbetriebe verzeichnen erhebliche Ertragseinbußen.

Forstbetriebe haben 2018 nicht am wirtschaftlichen Aufschwung teil

Zwar setzte die Wirtschaft 2018 ihren Aufschwung fort – daran konnten die Forstbetriebe jedoch nur bedingt teilhaben. Denn ihr Erfolg ist zwar einerseits eng an die Konjunktur geknüpft, andererseits aber auch in hohem Maße abhängig von abiotischen (Trockenheit, Stürme) und biotischen (Insekten) Einflüssen.

Entsprechende Kalamitäten treten im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer heftiger und in immer kürzeren Abständen auf. Diesen Unwägbarkeiten sehen sich Waldbesitzer hilflos ausgeliefert. Mit den Sturm- und Trockenschäden 2015 wurde – wie die Daten aus dem Testbetriebsnetz belegen – der jüngste wirtschaftliche Negativtrend in der Forstwirtschaft eingeleitet.

Körperschaftswald: Am Niveau der Finanzkrise

Forstwirtschaft

Und das sind die Ergebnisse aus 2018: Im Körperschaftswald wurden im Durchschnitt aller 29 teilnehmenden Betriebe 7,0 fm/ha eingeschlagen. Damit blieb man leicht unter dem Vorjahresniveau. Einschlagsvolumen und Holzpreise bestimmten zu 93 % die Einnahmeseite – hier wurde mit dem Gesamtertrag von 458 €/ha ein Minus von 10 % gegenüber 2017 verbucht.

Auf der Ausgabenseite wurde mit 475 €/ha ein leichtes Plus von 2 % registriert. Insbesondere schlug hier der um 17 % auf 153 €/ha gestiegene Aufwand im Bereich der Holzernte zu Buche. Die verschlechterte Ertragslage bei gleichzeitigem Aufwandswachstum bewirkte den Absturz des Reinertrages (ohne Förderung) um 140 % auf –18 €/ha (2017: 45 €/ha). Im 10-jährigen Betrachtungszeitraum wurde nur im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 ein ähnlich schlechtes Wirtschaftsergebnis erzielt.

Holzertrag

Für die genauere Analyse der TBN-Auswertung werden die Daten differenziert nach Baumartengruppen vorgestellt – die Baumartengruppe ergibt sich aus der Hauptbaumart die einen Anteil an der Holzbodenfläche von über 50 % hat. Wie in den vergangenen Jahren auch, zeigen sich bei der Differenzierung nach Baumatrengruppen gravierende Unterschiede:

  • Baumartengruppe Fichte (9 Betriebe, mittlere Holzbodenfläche 1025 ha): Der Holzeinschlag entsprach mit 10,1 fm/ha nahezu dem Hiebssatz, legte jedoch gegenüber 2017 um 4 % zu. 90 % davon war Fichtenholz. Der durchschnittliche Holzerlös ohne Selbstwerber lag bei 69 €/fm (2017: 67 €/Fm). Die Holzerntekosten konnten um 3 % auf 27,3 €/fm gesenkt werden. Der Produktbereich Holz (PB 1) als wichtigster Ertragsbringer fiel um 3,2 % auf 612 €/ha. Der Gesamtertrag für die Produktbereiche 1 bis 5 bezifferte sich auf 684 €/ha und der Gesamtaufwand stieg um 4,6 % auf 593 €/ha. Treibender Faktor waren die gestiegenen Ausgaben in den Produktbereichen Schutz und Sanierung (PB 2) sowie Erholung und Umweltbildung (PB 3). Die Bilanzsumme von 91 €/ha sank im Vergleich zum Vorjahr um 35 %
  • Baumartengruppe Kiefer (3 Betriebe, mittlere Holzbodenfläche 457 ha): Der Holzeinschlag fiel mit 6,1 fm/ha um ein Fünftel geringer aus als 2017. Es überwog Kiefern- (73 %) und Fichtenstammholz (24 %). Der Gesamtertrag für die PB 1–5 büßte elf Prozentpunkte ein und lag bei 405 €/ha. Die Holzerntekosten stiegen auf 25,9 €/fm (2017: 24,6 €/fm) und das Aufwandsvolumen erhöhte sich auf 483 €/ha (+ 13,4 %). Das Endergebnis rutschte mit –78 €/ha klar ins Defizit und bedeutete ein deutliches Minus zum Vorjahr (2017: 30 €/ha).
  • Laubholzgruppe (10 Betriebe, durchschnittliche Holzbodenfläche 1250 ha): Der Einschlag von 5,0 fm/ha bewegte sich exakt auf Vorjahresniveau. Geerntet wurde überwiegend Fichte (48 %) und Laubholz (38 %). Lediglich 61% davon waren Stammholz. Durchschnittlich erzielten die Betriebe einen Holzerlös ohne Selbstwerber von 63 €/fm (2017: 73 €/fm). Der Gesamtertrag für die Produktbereiche 1 bis 5 war mit 303 €/ha rückläufig (–11 %). Der Gesamtaufwand hingegen nahm um rund 7 % auf 358 €/ha zu. Als kostentreibender Faktor schlugen die Holzerntekosten zu Buche, sie legten um 31 % auf 34,7 €/fm zu. Insgesamt wurde die negative Bilanz von –55 €/ha gezogen.
  • Übrige Betriebe – das heißt, dass keine der Hauptbaumarten über einen Anteil an der Holzbodenfläche von über 50 % verfügt (7 Teilnehmer, mittlere Holzbodenfläche 1345 ha): Die Einschlagsmenge von 6,1 fm/ha war verglichen mit dem Vorjahr um 6 % geringer. Sie verteilte sich zu 63 % auf die Fichte, zu 11 % auf die Kiefer und zu 26 % auf Laubholz. Der Holzerlös büßte mit 73 €/fm drei Prozentpunkte ein. Rückläufig war mit 411 €/ha auch der Gesamtertrag (–11 %). Erhöht haben sich hingegen die Holzerntekosten um rund 8 % auf 32,5 €/fm, was sich jedoch nicht negativ im Gesamtaufwand auswirkte. Mit 490 €/ha lag er um knapp 3 % unter dem Vorjahreswert. Das Wirtschaftsergebnis fiel schon im Vorjahr mit –40 €/ha negativ aus und verschlechterte sich 2018 mit –78 €/ha nochmal deutlich.

Fazit

Als Fazit für den Körperschaftswald bleibt festzuhalten, dass nur die guten Ergebnisse der Fichtenbetriebe ein weitaus schlechteres Gesamtergebnis verhindern konnten. Die Fichtenbetriebe hatten am mittleren Gesamtergebnis aller Körperschaftswaldbetriebe einen Anteil von 36%.

Privatwald: Reinertrag auf Rekordtief

Im Privatwald wurden die Wirtschaftsdaten von 17 Betrieben ausgewertet. Die durchschnittliche Holzbodenfläche betrug 1044 ha, der Einschlag lag mit 6,6 fm/ha um 10 % niedriger als 2017. Auf 431 €/ha belief sich der Gesamtertrag und büßte damit rund sieben Prozentpunkte ein. Ein leichtes Minus von 5 % beim Gesamtaufwand, der mit 309 €/ha abschloss, bescherte den Privatwaldbetrieben einen Reinertrag (ohne Förderung) über alle Produktbereiche in Höhe von 123 €/ha. Das waren 11 % weniger als 2017 und damit das schlechteste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Für die Baumartengruppen Kiefer und Mischbetriebe lagen nur die Daten von jeweils weniger als drei Betrieben vor. Um die Anonymität zu wahren, ist ein Vergleich innerhalb dieser Gruppen nicht möglich.

  • Fichtengruppe (10 Betriebe, mittlere Holzbodenfläche 1092 ha): Der Holzeinschlag lag im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei durchschnittlich 7,5 fm/ha. Dreiviertel der Einschlagsmenge war Stammholz. Daran hatte die Fichte den Anteil von rund 90 %. Der Holzerlös ohne Selbstwerber legte um 3 € auf 75 €/fm zu. Es konnte der Gesamtertrag von 519 €/ha (2017: 520 €/ha) erwirtschaftet werden. Obwohl die Holzerntekosten um rund 9 % auf 30,4 €/fm zulegten, nahm der Gesamtaufwand um 2 % auf 335 €/ha ab. Am Ende des Jahres konnte mit 183 €/ha eine zum Vorjahresabschluss leicht verbesserte Bilanz gezogen werden.
  • Laubholzgruppe (5 Betriebe, durchschnittliche Holzbodenfläche 1181 ha): Der Holzeinschlag fiel mit 5,4 fm/ha um knapp ein Fünftel niedriger aus als im Vorjahr. Der Laubholzanteil lag bei 55 % (Fichtenanteil: 31 %). Knapp zwei Drittel davon waren Stammholz. Der durchschnittliche Holzerlös ohne Selbstwerber stieg auf 67 €/fm (+5 %). Der Gesamtertrag brach jedoch um ein Fünftel auf 312 €/ha ein. Erfreulich war die Entwicklung bei den Holzerntekosten. Sie wurden um rund 5 % auf 23,4 €/fm gesenkt, was sich auf der Ausgabenseite positiv auswirkte. Der Gesamtaufwand konnte auf 294 €/ha (–5 %) zurückgefahren werden. Die Bilanz blieb mit 18 €/ha positiv, bedeutete aber gleichwohl ein deutliches Minus von fast 70 % zum Vorjahresabschluss.

Die Zahlen zeigen, dass auch im Privatwald die Fichtenbetriebe die Bilanzen dominieren. Der Anteil der Betriebe mit der Hauptbaumart Fichte lag hier bei 70 %, sodass der Unterschied zwischen dem Reinertrag der Fichtenbetriebe und dem Durchschnittsergebnis aller Teilnehmer nicht so gravierend ausfiel wie im Körperschaftswald.

Lage wird weiter angespannt bleiben

Die jüngsten TBN-Ergebnisse belegen, dass die Auswirkungen des Klimawandels mit voller Wucht auf Wald und Waldbesitzer treffen. Die wirtschaftlichen Schäden haben bereits immense Ausmaße angenommen. Der Körperschaftswald musste nach einigen guten Jahren wieder rote Zahlen schreiben. Sogar die von der Fichte dominierten Betriebe verzeichneten erhebliche Ertragseinbußen. Im Privatwald zog man noch eine positive Bilanz, der Rückgang ist jedoch alarmierend. Bedenklich stimmt vor allem die Tatsache, dass besonders die „Milchkuh“ der Forstwirtschaft, die Fichte, am stärksten bedroht ist. Die erforderlichen Waldumbaumaßnahmen werden sich mittel- bis langfristig signifikant auf die Reinertragslage der Forstbetriebe in allen Besitzarten auswirken.

Was ist das Testbetriebsnetz?

Beim Testbetriebsnetz (TBN) Forst handelt es sich um das bundesweite Netzwerk privater und kommunaler Forstbetriebe ab einer Holzbodenfläche (HB) von 200 ha sowie dem Staatsforst. Das TBN Forst bietet eine wichtige Datengrundlage für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Forstwirtschaft. Die betriebswirtschaftliche Dokumentation soll die Leistungen und die Kosten des Forstsektors abbilden. Die Datenerhebung und -auswertung erfolgt auf Grundlage des „Produktplans Forst“ des deutschen Forstwirtschaftsrates. Er gliedert die forstliche Leistungserstellung nach folgenden fünf Produktbereichen (PB):

  • PB 1: Produktion von Holz und anderen Erzeugnissen
  • PB 2: Schutz und Sanierung
  • PB 3: Erholung und Umweltbildung
  • PB 4: Leistungen für Dritte
  • PB 5: Hoheits- und sonstige behördliche Aufgaben

Für das Forstwirtschaftsjahr 2018 haben in Bayern 17 Privatwald- und 29 Körperschaftswaldbetriebe sowie die Bayerischen Staatsforste (BaySF) ihre Betriebsdaten zur Verfügung gestellt. Nur dadurch ist es gewährleistet, diese wichtige Datenquelle fortzuschreiben. F. W.