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Borkenkäfermonitoring

Die erste Jungkäfergeneration fliegt

Befallskennzeichnung
Cornelia Triebenbacher und Karin Bork, LWF Freising
am Mittwoch, 03.07.2019 - 13:31

Die Hitze begünstigt den Befall auch im Bestandsinneren.

Die Fangzahlen des Buchdruckers sind seit Mitte Juni explosionsartig angestiegen. An vielen Monitoringstandorten sind die Fänge dauerhaft hoch und liegen über der Gefährdungsschwelle von 3000 Käfern je Falle und Woche. Ab diesen Fangwerten muss mit einer schnellen Ausbreitung bestehender Befallsherde gerechnet werden.

Diese Fänge müssen zweigeteilt betrachtet werden: Größtenteils sind dies Altkäfer aus 2018, die noch Geschwisterbruten anlegen. Zum anderen handelt es sich um den Ausflug der Jungkäfer der ersten Generation aus der Schwärmwelle Ende April.
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In den Fangergebnissen steigt der Anteil der hellbraunen Jungkäfer seit vergangenem Wochenende rapide an. Zeitlich betrachtet ist die Entwicklung der ersten Generation damit später als 2018 und 2017 vollzogen – jedoch früher als 2015 und 2016 und auch 2015 und 2016 kam es zur Anlage einer dritten Generation.

Spechtabschläge zeigen oft frischen Befall

Vom Ausflug der ersten Jungkäfer gehen wir in den unteren Lagen, vor allem in Niederbayern, im nördlichen Oberbayern und Schwaben (Tertiäres Hügelland) sowie in Teilen Oberfrankens aus. In diesen Bereichen wird in den kommenden Wochen die zweite Generation angelegt. Die derzeitigen hohen Temperaturen und die Trockenheit schwächen die ohnehin schon gezeichneten Fichten zusätzlich. Es muss also erneut mit erheblichem Stehendbefall gerechnet werden. Sobald es wieder heißer wird, ist die Stehendbefallsuche auch auf das Bestandesinnere auszuweiten.
on_Spechtabschlaege-Borkenkaeferbefall

Die Bohrmehlsuche bei frischem Befall kann derzeit nach Gewittern, Regenschauern und Wind erschwert sein. Infolge der Trockenheit treten starker Harzfluss und mit Harz verklebtes Bohrmehl am Einbohrloch seltener auf. Spechtabschläge sind oft gute Hinweise auf frischen Befall. Befallene Fichten aus dem Frühjahr zeichnen vermehrt mit sich rotfärbender Krone.

Bei der LWF kommen immer wieder Anfragen zur Unterscheidung von Trockenschäden und Borkenkäferbefall an. Da die Kronen der von Borkenkäfern befallenen Fichten erst sehr spät zeichnen, ist eine Unterscheidung aus der Ferne unmöglich. Wir empfehlen daher eine Probefällung von 2-3 Fichten und eine intensive Kontrolle der Kronen auf Befall.

Handlungsempfehlungen

Die LWF empfiehlt den Waldbesitzern folgendes Vorgehen:

1. Befallskontrolle – hier lassen sich zwei Schwerpunkte ausmachen:

  • Auffinden befallener Fichten aus dem Frühjahr: An aufgerissenen, süd- und südwestlichen Waldrändern, um befallenes, liegendes Holz (aus Wind- und Schneebruch) bzw. um ältere Holzpolter herum suchen. Werden befallene Fichten gefunden, müssen sie sofort aufgearbeitet werden. Besondere Vorsicht ist bei der Rückung geboten, um Rindenabfall zu verhindern. Im Umkreis befallener Fichten muss nach weiterem Stehendbefall gesucht werden (Anlage Geschwisterbrut).
  • Neubefall zur Anlage der zweiten Generation: Mit zunehmender Hitze wird die Bohrmehlsuche und Befallskontrolle auch im Bestandesinneren sowie an den Nordrändern von Käferlöchern nötig. Befallene Bäume markieren und dokumentieren – und im Umkreis nach weiterem Stehendbefall suchen. Befallene Bäume sollten möglichst sofort aufgearbeitet werden um den Ausflug der Altkäfer zur Anlage einer Geschwisterbrut zu verhindern.

2. Weitere Behandlung – sind die befallenen Fichten aufgearbeitet, müssen folgende Punkte beachtet werden:

  • Bei der Abfuhr älterer Polter auf herabfallende Rindenstücke achten. Denn je nach Größe und Entwicklung der Brut kann auch von ihnen eine Befallsgefahr ausgehen.
  • Entrindung älterer befallener Fichten ist nur im weißen Larvenstadium wirksam.
  • Bei stockendem Holzabfluss muss das Holz auf Zwischenlagerplätze, die mindestens 500 m vom nächsten Nadelholzbestand entfernt sein müssen.Wenn das nicht möglich ist, müssen befallener Holzpolter mit zugelassenen Insektiziden behandelt werden.