Holzeinschlag

Erneut mehr Schadholz als Frischholz

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Holger HastreiterLWF
am Donnerstag, 29.07.2021 - 12:22

Holzeinschlagserhebung 2020: Fast 60 Prozent des Jahreseinschlags in Bayern waren außerplanmäßig – das sind nur zwei Prozent weniger als im Jahr 2019.

Vielen Waldbesitzern ließ die angespannte Schadholzsituation auch 2020 keine Zeit zum Durchatmen. Bereits im Februar verursachte der Orkan Sabine neues Schadholz – und neue Arbeit. Durch das Sturmholz und den notwendigen Einschlag von vorgeschädigten und durch Schadorganismen akut befallenen Bäumen entstand auch 2020 ein sehr hoher Schadholzanfall. Insgesamt ist im vergangenen Jahr bei einer Gesamtmenge von 18 Mio. fm eine Schadholzmenge von 10,7 Mio. fm eingeschlagen worden.

Einschlagserhebung der Landesanstalt

Hier die Zahlen der Einschlagserhebung der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) im Detail: 2020 wurde eine Holzmenge von 11,77 Mio. fm im Privatwald und 1,47 Mio. fm im Körperschaftswald eingeschlagen. Die Einschlagsmengen sind somit im Privatwald um 6 % gesunken und im Körperschaftswald um 5 % gestiegen.

Aus dem Staatswald (mit Nationalparken) wurden 4,69 Mio. fm gemeldet. Der Holzanfall war damit um 3 % geringer als 2019. Im Bundeswald wurden 0,1 Mio. fm genutzt, was einen Rückgang von 21 % bedeutet. Der Gesamteinschlag von 18,03 Mio. fm war um 5 % niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Wald

Die Grafik veranschaulicht die eingeschlagenen Holzmengen der vergangenen drei Jahre. Dabei sind die kalamitätsbedingten Holznutzungen nach Schadursache getrennt dargestellt. Neu im Jahr 2020 ist die Trennung der Schadkategorien Trockenheit und Pilzbefall. Bis 2019 wurden diese Schadursachen unter einem Oberpunkt dargestellt.

Nachdem die Daten aller Fragebögen an der LWF zusammengefasst und berechnet wurden, wird das Ergebnis für Bayern an das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weitergeleitet. Über das Landesamt gehen die Daten an das Statistische Bundesamt, wo die Ergebnisse aller Bundesländer zusammengeführt werden und letztendlich im Agrarbericht des Bundes erscheinen.

An der Umfrage zum Holzeinschlag haben 649 Privatwald- und 555 Körperschaftswaldbetriebe teilgenommen. Gemäß der gesetzlich verankerten Einschlagsstatistik werden in der Erhebung vier Baumartengruppen unterschieden:

  • Fichtengruppe mit Fichte, Tanne, Douglasie,
  • Kieferngruppe mit Kiefer und Lärche,
  • Eichengruppe mit Stiel-, Trauben- und Roteiche,
  • Buchengruppe mit Buche und allen übrigen Laubholzarten.

Aufteilung der Holzmenge

Innerhalb dieser Gruppierungen wird die Holzmenge in Erntefestmetern ohne Rinde (Efm. o. R.) nach Stamm-, Industrie- und Energieholz (Scheitholz und Hackschnitzel) aufgeteilt erhoben.

Wald

Tabelle 1 gibt für alle Besitzarten und den Gesamtwald Bayerns einen Überblick über die Einschlagsmengen in den Baumartengruppen. Der im Wald verbleibende Derbholzanteil (Durchmesser größer als 7 cm) ist in den Werten enthalten. Die Prozentwerte zeigen die Veränderungen zum Jahr 2019. Angaben, in welcher Menge und in welchem Verhältnis die Sortimente Nadel- und Laubstammholz, Industrieholz sowie Energieholz in den Besitzarten und auf der gesamten Waldfläche ausgehalten wurden, können Tabelle 2 entnommen werden. Die Mengenverteilung der Sortimente innerhalb und zwischen den Baumartengruppen und deren Veränderung sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Zahlen beziehen sich auf den bayerischen Gesamtwald.

Zu Beginn des Einschlagsjahres waren viele Waldbesitzer noch mit der Aufarbeitung übrig gebliebener Käferbäume aus dem Vorjahr beschäftigt, als Anfang Februar der Orkan Sabine landesweit bereits wieder für weiteres Schadholz und damit zusätzliche Arbeit für die Waldbesitzer sorgte. Da die Schäden überwiegend in Form von Gipfelbrüchen sowie Einzel- und Nesterwürfen auftraten, war das tatsächliche Ausmaß vorab nur schwer zu schätzen.

Waldbau

Bei nicht gefundenen oder zu spät aufgearbeiteten Bäumen bestand die Gefahr, weiteren Brutraum für die ohnehin hohe Borkenkäferpopulation zu schaffen – weshalb das Finden und Beseitigen gebrochener bzw. geworfener Bäume akribisch durchgeführt werden musste.

Nach dem anfangs trockenen Frühjahr zeigte sich die Niederschlagssituation in Bayern zweigeteilt. Während es in Südbayern häufiger und zum Teil ergiebig regnete, blieben die Regenfälle im Norden aus. Die Niederschlagsmenge ist der entscheidende Parameter für die Widerstandskraft der Fichte gegen Käferbefall und spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Borkenkäferbrut.

In einigen Regionen Nordbayerns gestaltete sich deshalb die Lage bis in den Spätsommer hinein dramatisch. Die Kombination aus großem Käferausgangsbestand mit stark geschwächten Fichtenwäldern führte teilweise zur Auflösung ganzer Waldbestände. Der Massenanfall von Schadholz ließ regional die Holzabfuhr stocken. Aus Waldschutzgründen wurden deshalb wieder größere Holzmengen in Nasslager und auf Zwischenlager mit Sicherheitsabstand zum Wald transportiert. Durch die geringeren Käferholzanfälle in den südlichen Teilen Bayerns konnten zum Jahresende hin die Holzlager in den Hauptschadensgebieten kontinuierlich abgebaut werden.

In Summe betrachtet waren die außerplanmäßigen Holzanfälle 2020 lediglich 2 % geringer als in 2019 und beliefen sich damit am Jahresende auf 59 % des Gesamteinschlags.

Holzeinschlagserhebung im Privatwald

Grundlage für die Frage nach dem Holzeinschlag ist das Agrarstatistikgesetz. Danach sind die Erzeugerbetriebe aller Besitzarten verpflichtet, jährlich Auskunft über die eingeschlagenen Holzmengen sowie über den Schadholzanteil und die Schadensursache zu geben. Seit 1999 führt die LWF im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten diese Erhebung durch. Dazu wurde ein mit dem Waldbesitzerverband und dem Bauernverband abgestimmtes Erhebungsverfahren mittels Fragebögen entwickelt. Grundlegender Unterschied zu den anderen Bundesländern ist, dass in Bayern die Teilnahme ausschließlich freiwillig erfolgt.
Das bedeutet: Kein Waldbesitzer ist verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen. Selbstverständlich werden die erhobenen Daten anonym behandelt, keinen Dritten zugänglich gemacht oder für andere Zwecke verwendet.
Im Januar jeden Jahres schicken Mitarbeiter der LWF die Fragebögen zum Holzeinschlag des Vorjahres an mehr als tausend Waldbesitzer. Der Teilnehmerkreis reicht dabei vom mehrjährig bei der Holznutzung aussetzenden Kleinprivatwald mit einer Eigentumsflächen von wenigen hundert Quadratmetern bis zum Großprivatwaldunternehmen mit über tausend Hektar.