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Borkenkäfer-Monitoring

Buchdrucker und Kupferstecher: Der Ausflug steht erst bevor

Borkenkaefer_B
Cornelia Triebenbacher, Karin Bork, Hannes Lemme, LWF
am Donnerstag, 05.05.2022 - 09:37

Die Fichtenborkenkäfer sind startbereit. Für den Hauptschwärmflug fehlte vielerorst bisher eine warme Schönwetterphase – aber nicht überall.

Das Borkenkäfermonitoring 2022 startete pünktlich zum 1. April. Bislang haben die Monitoringfallen aufgrund der eher kühlen und regnerischen Witterung aber nur vereinzelt Käfermengen über der Warnstufe von 1000 Käfern je Falle und Woche gefangen. Der Schwärmflug verzögert sich heuer – wie im letzten Jahr – stark in den Mai hinein. Wir rechnen mit dem Hauptschwärmflug der Fichtenborkenkäfer in den tiefen und mittleren Lagen bis 600 m üNN Bayerns in den kommenden Tagen.

Eine Ausnahme macht der Frankenwald als Hauptschadensgebiet der letzten beiden Jahre: Hier zeichnet sich aus den aktuellen Meldungen ein verstärktes Schwärmen bei Höhen bis 600 m bereits in diesen Tagen ab.

Damit ein Schwärmflug des Buchdruckers und Befall von Fichten erfolgen kann, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  • Für den Schwärmflug muss die Lufttemperatur über 16,5 °C liegen.
  • Die Summe der Tageshöchsttemperatur über 8,3 °C (Entwicklungsnullpunkt des Buchdruckers) ab 1. April muss 140 Tagesgrade überschreiten (bsp. Tageshöchsttemperatur 18,3 °C – 8,3 °C = 10 Tagesgrade).
  • Eine Tageslichtlänge, wie sie ab Mitte April vorliegt, sorgt für ein zeitgleiches Fliegen der Buchdrucker.

Die Temperaturen verschiedener Waldklimastationen der LWF bis Anfang Mai zeigen sehr deutlich, dass die benötigte Temperatursumme von 140 Tagesgraden in den tieferen Lagen bis 600 m ü. NN erreicht ist. Sobald es zu warm-trockener Witterung kommt, muss in tieferen Lagen mit einem ersten starken und anhaltenden Schwärmflug gerechnet werden. Über 600  m ü. NN werden die benötigten Summen in dieser Woche voraussichtlich noch nicht erzielt. Der erste Schwärmflug wird hier noch einige Zeit dauern.

Auch wenn sich der Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer gerade noch verzögert, sind die Käfer startbereit. Jeder Tag bei der Aufarbeitung und Verbringung von Borkenkäferholz zählt und hilft den Befallsdruck der ersten Schwärmwelle zu reduzieren! Daher gibt die LWF Waldbesitzern folgende Handlungsempfehlungen:

 

  1. Schnellstmögliche Aufarbeitung von letztjährigen Befallsbäumen – vorausgesetzt, dass die Rinde noch am Stamm ist – und Schadhölzern der Februarstürme!
  2. Abfuhr bzw. Weiterbehandlung des liegenden Käferholzes – ist eine Abfuhr in den kommenden zwei Wochen nicht möglich, dann ist befallenes Holz waldschutzwirksam zu behandeln:

 

  • Lagerung mindestens 500 m vom nächststehenden Nadelholzbestand,
  • gegebenenfalls Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als Vorausflugsbehandlung.

Die Bohrmehlsuche und die Suche nach frischem Stehendbefall macht erst nach Einsetzen des Hauptschwärmfluges Sinn. Sobald die Masse der Borkenkäfer schwärmt, informiert die LWF umgehend über den Blickpunkt Waldschutz – und natürlich hier im Wochenblatt.

Die tagesaktuelle und regionale Gefährdungseinschätzung zum Buchdrucker- und Kupferstecherbefall sowie die Daten der einzelnen Monitoringstandorte finden Sie unter www.borkenkaefer.org