Waldschutz

Borkenkäfermonitoring: Ausflug der zweiten Generation

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Karin Bork, Cornelia Triebenbacher, LWF Freising
am Donnerstag, 03.09.2020 - 14:48

Borkenkäfermonitoring: Die warmen Spätsommertage lassen den Ausflug der zweiten Buchdruckergeneration in tiefen und mittleren Lagen erwarten.

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In den tiefen und mittleren Lagen, vor allem nördlich der Donau, befinden sich in den Bruthölzern vermehrt fertige Jungkäfer der 2. Generation. Mit den derzeit warmen Spätsommertagen werden diese Jungkäfer ausschwärmen. Es ist also noch mit neuem Stehendbefall zu rechnen. Sollte es trocken und sehr warm bleiben, sind sie sogar in der Lage, eine 3. Generation anzulegen.

Aktuell zeigen Fichten mit Befall vom Juli und August Nadelverfärbungen und Nadelverlust, außerdem kommt es verstärkt zu Rindenabfall bei grüner und roter Krone. Die Bohrmehlsuche im Umfeld älterer befallener Fichten ist unerlässlich und ergibt meist ein Vielfaches an befallenen Bäumen. Die Aufarbeitungsdringlichkeit hängt vom Entwicklungsstadium der Käfer unter der Rinde ab – der Blick unter die Rinde ist also unerlässlich. Es gilt nach folgenden Kriterien zu priorisieren:

  • Stehendbefall mit Puppen und Jungkäfern muss vorrangig und umgehend aufgearbeitet werden, um einen Ausflug und Neubefall in den kommenden Tagen zu verhindern.
  • Bei ausschließlich weißen Stadien (Larven) besteht noch ein Zeitpuffer. Aufgrund der Brutentwicklung bei Temperaturen über 8 °C werden diese in spätestens zwei Wochen das Jungkäferstadium erreichen. Es besteht ein hohes Risiko, dass die Rinde mit den dann fertigen Käfern abfällt. Diese Käfer verbleiben über dem Winter in der abgefallenen Rinde bzw. ziehen sich in die Bodenstreu zurück.
Die LWF gibt allen Waldbesitzern folgende Handlungsempfehlungen:
  • Bohrmehlsuche und Befallskontrolle im Umgriff von Befallsherden und Käferholzpoltern, an Randbäumen und bis in das Bestandesinnere (1 bis 2 Baumlängen).
  • Einschlag und Abfuhr von befallenen Fichten in Rinde.
  • Lagerung befallener Fichten in Rinde in einem Abstand von mindestens 500 m zum nächsten Nadelholzbestand.
  • Die Entrindung älterer befallener Fichten ist nicht wirksam. Bei der Abfuhr auf herabfallende Rinde achten. Je nach Menge und Besatzdichte kann auch von dieser eine Befallsgefahr ausgehen (siehe Fotos).
  • Eine Behandlung von befallenen Poltern mit Pflanzenschutzmitteln als Vorausflugbehandlung ist im September noch wirksam, wenn Jungkäfer unter der Rinde gefunden werden, eine zügige Abfuhr nicht sichergestellt und die Rinde offensichtlich noch nicht locker ist.