Das Borkenkäferjahr ist noch nicht vorbei

Borkenkäfer
Christoph Sikora und Hannes Lemme, LWF Freising
am Mittwoch, 28.08.2019 - 17:06

Borkenkäfermonitoring: Intensive Käfersuche und schnelle Aufarbeitung sind auch jetzt noch unerlässlich – Versäumnisse stellen die Weichen für 2020.

Die Anflugzahlen des Buchdruckers in den Fallen gehen erfahrungsgemäß im August stark zurück. Heuer ist das nicht überall der Fall: Vor allem die Fallenstandorte in den östlichen Teilen Niederbayerns haben in den Kalenderwochen 33 und 34 noch Fangzahlen von über 1000 bzw. 3000 Käfern je Falle und Woche gemeldet.

Im Vergleich zu der sehr schnellen Entwicklung des Buchdruckers 2018, war die Entwicklung heuer wegen der niedrigen Temperaturen im Mai um mehrere Wochen verzögert. Die ersten Puppen der zweiten Generation wurden 2019 Anfang August in den Bruthölzern gefunden. Diese Käfer sind etwa 2 Wochen später ausgeflogen und können noch eine 3 Generation angelegt haben.

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In den mittleren und höheren Lagen befindet sich die zweite Generation jetzt überwiegend im Puppenstadium, teils mit fertigen Jungkäfern. Ob die fertigen Käfer dieser Generation noch zur Anlage einer 3. Generation ausfliegen, ist vom Witterungsverlauf in den kommenden 14 Tagen abhängig. Sollte es weiterhin trocken und sehr warm bleiben, kann es zu einem weiteren Schwärmflug und zur Anlage von Bruten bis in den September kommen. Somit ist noch mit neuem Stehendbefall zu rechnen.

Aktuell zeichnen Fichten mit Befall aus Juli und August. Dabei werden neben Fichten mit roter Krone auch Fichten mit grüner Krone und bereits abfallender Rinde beobachtet. Suchen Sie jetzt nach teilweise nackten Stämmen oder abfallender Rinde. Die Bohrmehlsuche im Umfeld ist unerlässlich und ergibt meist ein Vielfaches an befallenen Bäumen.

Aufarbeitung planen

Die Aufarbeitungsdringlichkeit hängt entscheidend vom Entwicklungsstadium der Käfer unter der Rinde ab. Das bedeutet:

  • Stehendbefall mit Puppen und bereits frischen Jungkäfern muss umgehend aufgearbeitet werden, um Ausflug und Neubefall in den kommenden Tagen zu verhindern.
  • Bei ausschließlich weißen Stadien besteht noch ein Zeitpuffer. Da jedoch die Brutentwicklung bei Temperaturen von über 8 °C weiter voranschreitet, wird auch hier in spätestens zwei Wochen das Jungkäferstadium erreicht sein. Es besteht das Risiko, dass die Rinde mit fertigen Käfern abfällt und dadurch eine zu späte Aufarbeitung unwirksam wird – diese Käfer bleiben über Winter im Bestand.

Handlungsempfehlungen

Waldbesitzer sollten Kontrollen im Umfeld von Befallsherden und Käferholzpoltern, an Randbäumen und bis in das Bestandesinnere (1-2 Baumlängen) hinein durchführen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen:

  1. Frischem Befall: Bohrmehl, Abschläge von Borkenschuppen, Harzfluss und/oder mit Harz verklebtes Bohrmehl. Im Umkreis befallener Bäume nach weiterem Stehendbefall suchen, raschen Einschlag und weitere Behandlung planen.
  2. Älterem Befall aus Frühjahr und Sommer: Nadelabfall, Verfärbung der Kronen, Rindenabfall bei grüner Krone. Hier muss der Brutfortschritt unter der Rinde kontrolliert und Bohrmehl in der näheren Umgebung gesucht werden.
Die LWF rät folgendes Vorgehen:
  • Einschlag und Abfuhr von befallenen Fichten in Rinde.
  • Lagerung befallener Fichten in einem Abstand von mindestens 500 m zum nächsten Nadelholzbestand.
  • Entrindung älterer Fichten ist nicht wirksam. Bei der Abfuhr auf herabfallende Rinde achten – auch von ihr kann eine Befallsgefahr ausgehen.
  • Eine Behandlung von Poltern mit Pflanzenschutzmitteln ist noch bis Anfang September wirksam, wenn Jungkäfer unter der Rinde gefunden werden und eine zügige Abfuhr nicht sichergestellt ist.

Neue Regelung zum Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel zur Borkenkäferbekämpfung dürfen nicht außerhalb des Waldes ausgebracht werden. Von zwischengelagertem Borkenkäferholz außerhalb des Waldes, geht somit eine große Gefahr für die angrenzenden Bestände aus, sofern der Sicherheitsabstand von 500 m nicht eingehalten werden kann. Darum gibt es seit 21.08.2019 die Möglichkeit – wenn andere Maßnahmen nicht mit zumutbarem Aufwand durchgeführt werden können – eine Ausnahmegenehmigung nach § 12 PflSchG zu beantragen. Damit ist es möglich, eine Behandlung von Holzpoltern auf Wiesen, Ackerland oder Ödland durchzuführen. Das Antragsformular steht unter www.waldbesitzer-portal.bayern.de zum Download zur Verfügung. Laut LfL fällt pro Antrag eine Gebühr von 30 € an.