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Waldschutz

Borkenkäfer sind im Turbogang unterwegs

Bohrmehl-Einbohrloch
Karin Bork, Dr. Hannes Lemme, LWF
am Donnerstag, 28.07.2022 - 17:08

Borkenkäfermonitoring: Hitze und Trockenheit beschleunigen die Entwicklung. Nur im Hitzejahr 2018 waren die Käfer noch schneller als heuer. Die Anlage einer dritten Generation ist sehr wahrscheinlich – jetzt muss schnell reagiert werden.

Die anhaltende Sommerhitze begünstigt die Entwicklung der Fichtenborkenkäfer in ganz Bayern. Die 1. Generation schloss ihre erste Brutanlage Mitte bis Ende Juni ab und schwärmte erneut aus, um Geschwisterbruten anzulegen. Vielfach findet man derzeit die Larven, zum Teil auch schon Puppen der 2. Generation unter der Rinde.

Bei anhaltenden Sommertemperaturen ist bis in mittlere Lagen mit dem Ausflug der 2. Jungkäfergeneration bis Mitte August zu rechnen. Die flächige Anlage einer 3. Buchdruckergeneration ist daher sehr wahrscheinlich. In der Rückschau konnten sich die Fichtenborkenkäfer nur im Hitzejahr 2018 schneller entwickeln als in diesem Jahr!

Der Befall ist in diesem Jahr bislang eher schrotschussartig über die Wälder verteilt. Die Käferlöcher erreichen aktuell zumeist nur eine Größe von bis zu einer Baumlänge – mit Ausnahme des Frankenwalds, denn dort frisst der Buchdrucker großflächig.

Trockenheit begünstigt die Entwicklung

Die Trockenheit – insbesondere nördlich der Donau – begünstigt die Entwicklung der Buchdrucker und Kupferstecher. Daher muss mit einer massiven Zunahme der Schäden gerechnet werden.

Die aktuelle Gefährdungseinschätzung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) finden Sie unter www.borkenkaefer.org.

Was bedeutet das nun konkret für das Vorgehen im Wald? Die LWF empfiehlt folgendes: Schauen Sie wöchentlich in Ihre gefährdeten Fichtenbestände und arbeiten Sie einen Befall umgehend auf. Den Ausflug der Elternkäfer und der jetzt bald heranreifenden Jungkäfer der 2. Generation gilt es unbedingt zu verhindern!

  1. Bohrmehlsuche im Umkreis bekannter Befallsherde: Weiterhin ist Bohrmehl gut sichtbar! Wenn sich die Käfer in die Rinde einbohren wollen, versucht der Baum durch verstärkten Harzfluss die Käfer abzuwehren. Viele Harztropfen, vor allem unterhalb der Krone, weisen auf einen Borkenkäferbefall hin. Mit Harz verklebtes Bohrmehl am Einbohrloch ist ein sicheres Kennzeichen für frischen Befall. Schauen Sie bei diesen Bäumen unter die Rinde, ob vitale Buchdrucker das Brutgeschäft beginnen.
  2. Befallssuche in bislang gesunden Fichtenwäldern: Bei Temperaturen über 30 °C ziehen sich die Käfer zur Brutanlage ins Bestandesinnere (mind. 1 Baumlänge vom Bestandsrand) oder an die kühleren Nordränder zurück. Suchen Sie auch hier nach frischem Bohrmehl und Harzfluss.
  3. Suche nach sich verfärbenden Fichten aus dem Frühjahrsbefall – Bohrmehlsuche im Umkreis: Frühjahrsbefall findet man v. a. an süd- bis südwestlichen Waldrändern, im Umkreis von Sturmschäden aus dem Winter und im Umkreis letztjähriger Käfernester. Nicht aufgearbeitete Borkenkäferfichten aus dem Frühjahr erkennt man jetzt sehr gut an rotbraun verfärbten Kronen, Rindenabfall am Kronenansatz, Spechtabschlägen und Nadelabfall („grüner Teppich“). Haben Sie die genannten Befallsmerkmale gefunden, suchen Sie die benachbarten Fichten (Umkreis von ca. 150 m) intensiv nach frischem Befall ab!
  4. Schnelle Aufarbeitung und rasche Abfuhr:
  • Frisch befallene Bäume müssen schnellstmöglich gefällt und abtransportiert werden.
  • Bäume, die vom Käfer bereits verlassen wurden, sollten im Bestand verbleiben. Ihr Einschlag ist aus Waldschutzaspekten unnötig.
  • Da zwischen der Befallssuche und der Aufarbeitung der befallenen Bäume in der Regel mehrere Tage liegen, kann sich der Befall bereits weiter ausgedehnt haben. Suchen Sie deshalb während der Aufarbeitung nach weiteren befallenen Bäumen.
  • Eine Entrindung befallener Fichten ist im Sommer zunehmend kritisch zu sehen, da durch die Geschwisterbruten unterschiedliche Entwicklungsstadien vorliegen können. Nur wenn sich die Brut noch vollständig im weißen Larvenstadium befindet, ist die Entrindung waldschutzwirksam!
  • Bei verzögertem Holzabfluss: Transport auf Zwischenlagerplätze mindestens 500 m außerhalb des nächsten Nadelholzbestandes. Sind Entrindung oder Abfuhr nicht möglich, können befallene Holzpolter mit zugelassenen Insektiziden behandelt werden! Zugelassene Mittel und Anwendungsbestimmungen finden Sie in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
  • Kronen, Rindenstücke und Resthölzer am besten mulchen oder einsammeln und hacken.
  • Aufgrund der aktuell hohen Waldbrandgefahr wird das Verbrennen von Resthölzern und Kronenmaterial nicht empfohlen!