Monitoring

Borkenkäfer: Suchen, suchen und noch mal suchen

Cornelia Triebenbacher,Karin Bork, LWF
am Donnerstag, 20.05.2021 - 11:14

Borkenkäfermonitoring: Jetzt, nämlich während der ersten Schwärmwelle, ist der Wirkungsgrad von Bohrmehlsuche und schneller Aufarbeitung besonders hoch.

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Die Fichtenborkenkäfer haben mit den sommerlichen Temperaturen der vor-/letzten Woche (7. bis 9. Mai 2021) zu schwärmen begonnen. Der Aktivität beim ersten Schwärmflug war so konzentriert, wie seit dem Jahr 2015 nicht mehr. Die Warnschwelle für Stehendbefall von 3000 Buchdruckern je Falle und Woche wurde an zahlreichen Monitoringstandorten in der letzten Woche überschritten.

Auch bei kühlen Temperaturen legen die ausgeflogenen Borkenkäfer derzeit ihre Bruten unter der Rinde an. Bisher nicht ausgeflogene Käfer nutzen die kurzen trockenen Stunden konzentriert für ihren Schwärmflug und bohren sich ein. Dabei wird viel Bohrmehl ausgeworfen, das in trockenen Witterungsphasen zu finden ist. Allerdings erschweren Schauer und Gewitter mit teils starkem Wind die Bohrmehlsuche erheblich.

In wärmeren Lagen wie in Unter- und Mittelfranken werden in der kommenden Woche (KW 21) bereits die ersten Buchdrucker mit der Brutanlage fertig sein und zur Anlage der Geschwisterbrut ausfliegen können.
Was bedeutet das nun konkret für die Maßnahmen im Wald? Es sollte jedem Waldbesitzer klar sein, dass der Einsatz für den Wald am wirkungsvollsten ist, wenn man jetzt in der ersten Schwärmwelle intensiv nach Bohrmehl sucht – und bei Bedarf entsprechend schnell handelt. Denn derzeit besteht die Chance, die Käferpopulation früh im Jahr abzuschöpfen und so die Ausbreitung des Befalls erfolgreich zu verhindern!
Kurzum: Die Bohrmehlsuche ist jetzt besonders wichtig – sie sollte in trockenen Witterungsphasen erfolgen. Bei Befall muss eine zügige Aufarbeitung erfolgen, bevor die Käfer zur Anlage der Geschwisterbrut ausfliegen. Dazu einige Hinweise zur Bohrmehlsuche:
  1. Wie? Bohrmehl sieht aus wie Schnupftabak und sammelt sich hinter Rindenschuppen, auf Ästen, in Astgabeln, im Moos am Stammfuß, auf Blättern der Pflanzen am Boden. Auch nach Regen ist Bohrmehl zu finden: Bricht man ein paar Rindenschuppen ab, findet sich dahinter oft noch Bohrmehl, das nicht von der Rinde abgewaschen wurde. Bei Unsicherheit kann man auch mit Hilfe eines Schäleisens oder Messers unter die Rinde schauen.
  2. Wo? Beginnend an sonnigen Südrändern, Ost- und Westrändern der Bestände, im Randbereich letztjähriger Käferlöcher, im Umkreis von im Wald lagernden Holzpoltern und ggf. einzelnen Windwürfen, konzentriert auf buchdruckertaugliche Fichtenbestände ab einem Alter von etwa 40 Jahren.
  3. Wann? Ab sofort regelmäßig während der gesamten Schwärmzeit.
  4. Was dann? Befallenes Holz muss unverzüglich aufgearbeitet und abgefahren werden – und zwar bevor die Käfer in 1 bis 2 Wochen erneut ausfliegen und neue Bruten (Geschwisterbrut) anlegen. Ist eine Lagerung im Abstand von mindestens 500 m zum nächsten Nadelholzbestand nicht möglich, kann ein Pflanzenschutzmitteleinsatz sinnvoll sein.
Vereinzelte Windwürfe von Sturmtief „Eugen“ vom 4. 5. 2021 sind besonders auf Befall zu kontrollieren und zügig aufzuarbeiten.