Waldschutz

Borkenkäfer: Spätestens jetzt die Suche beginnen

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Cornelia TriebenbacherKarin BorkLWF, Freising
am Donnerstag, 07.05.2020 - 12:07

Borkenkäfermonitoring: Mit dem Erreichen des Schwärmhöhepunktes muss auch die Bohrmehlsuche beginnen. Wo alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind, ist die Behandlung von Holzpoltern mit einem Insektizid möglich.

Seit der zweiten Aprilhälfte nehmen die Fangzahlen von Buchdrucker und Kupferstecher deutlich zu. Mit dem Erreichen des Schwärmhöhepunkts ist es unbedingt erforderlich, die Bohrmehlsuche bei trockener Witterung in den nächsten Tagen zu beginnen. In wärmeren Lagen bis 800 m ü. NN kann es bereits zum Ausflug für die Anlage der ersten Geschwisterbrut kommen. Dies betrifft v. a. Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie Niederbayern. Die LWF empfiehlt folgendes Vorgehen:

  • Kontrollieren Sie Windwürfe und Fangholzpolter auf Befalls- und Brutfortschritt (Abb.).
  • Aufarbeitung vor Ausflug der Altkäfer zur Anlage der Geschwisterbrut – um eine Ausweitung und Verzettelung des Befalls zu verhindern, ist das die schärfste Waffe.
  • Kontrollieren Sie den umstehenden Bestand von befallenen Fichtenstämmen auf Stehendbefall.

Bohrmehlsuche: Die wichtigsten Tipps

Die Bohrmehlsuche ist an trockenen, windstillen Tagen am erfolgreichsten – und besonders wichtig an vorjährigen Befallsherden, süd- und südwestlich exponierten Bestandsrändern und um Käfer- und Frischholzpolter sowie um unaufgearbeiteten Windwurf herum. Das Bohrmehl findet sich an den Rindenschuppen, auf Spinnweben und Bodenvegetation. Nach einem Regen ist die Suche schwieriger.

Schwärmverlauf

Nehmen Sie sich zur Suche genügend Zeit. Gehen Sie zu Fuß systematisch von Baum zu Baum an gefährdeten Stellen, nehmen Sie Farbe zum Markieren befallener Bäume mit und tragen Sie am besten den Befall in eine Karte mit Datum ein. Bewährt hat sich auch die Mitnahme von einem Beil oder Schepseisen, um unter die Rinde schauen zu können – und zu prüfen, wie weit die Brutentwicklung ist: Sind Altkäfer unter der Rinde zu finden, gilt es diese möglichst am Wiederausflug zu hindern. Sind die Käfer bereits ausgeflogen, bohren sie sich meist unmittelbar in umstehenden Fichten ein.

Polterbehandlungen als letztes Mittel

Eine Sammlung mit den häufigsten Fragen und Antworten zu den Fichtenborkenkäfern (FAQ) und deren Bekämpfung steht Ihnen ab sofort im Borkenkäfer-Infoportal der LWF zur Verfügung (s. Link). Als Ultima Ratio für die Borkenkäferbekämpfung können zugelassene Insektizide für eine Behandlung der waldlagernden Holzpolter eingesetzt werden, wenn es zu Engpässen bei der Holzaufarbeitung oder der Rundholzlogistik kommt. Zuvor müssen aber alle nicht-chemischen Verfahren gegen Borkenkäfer ausgeschöpft sein. Es ist auch zu prüfen, ob ggf. Lagerplätze in einem ausreichenden Abstand zum Wald genutzt werden können.

Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass auch eine Behandlung der Fichtenpolter keinen 100-prozentigen Schutz bietet. Denn auch bei großer Sorgfalt während der Behandlung werden nicht alle Stammteile gleichmäßig mit Spritzbrühe belegt, das gilt besonders für Stammunterseiten und untere Lagen der Fichtenholzpolter.

Wer zum Pflanzenschutzmittel greift, muss unbedingt sorgfältig arbeiten. Denn an unbehandelten Stellen können sich Borkenkäfer ein- bzw. ausbohren. Die sich ausbohrenden Käfer sind vital und können dann direkt die Fichten in der Nähe befallen.

Unbehandelte Bereiche können Befall erhöhen

Zudem verbreiten Käfer, die sich in unbehandelte Bereiche des Polters (z. B. Stammunterseiten) einbohren. Pheromone, die weitere Käfer anlocken. Die lokale Borkenkäferdichte im Umfeld des Polters ist dann so hoch, dass massiver Stehendbefall im Umkreis des Holzpolters entstehen kann. Daher sind Fichtenbestände im näheren Umkreis der Polter regelmäßig auf Befall mit Fichtenborkenkäfern zu kontrollieren. Behandelte Polter sollten daher auch nicht zu lange im Bestand verbleiben und sobald als möglich abtransportiert werden.

Fangzahlen-Buchdrucker

Um eine optimale Wirkung bei der Anwendung des jeweiligen Pflanzenschutzmittels zu erzielen, sind die Hinweise des Herstellers zu beachten, die in der jeweiligen Produktinformation oder Gebrauchsanweisung angegeben sind. Die Witterungsverhältnisse während der Anwendung, aber auch die Lagerungstemperatur, können die Wirksamkeit beeinflussen. Die Behandlung darf nur mit gültigem Sachkundenachweis durchgeführt werden. Bitte denken Sie auch an die vollständige persönliche Schutzausrüstung und die Dokumentationspflicht.

Keine Behandlung von Kronenholz

Im Zuge der Borkenkäferholzaufarbeitung fällt immer auch Gipfelholz samt Ästen an. Die aktuellen Zulassungen geben keine Möglichkeit, Gipfelholz und Äste mit einem Pflanzenschutzmittel zu behandeln. Im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes und um chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatz zu vermeiden, ist das Hacken von Gipfelmaterial eine gute Lösung.

LWF-Merkblatt „Borkenkäferbehandlung an Holzpoltern“: www.lwf.bayern.de/service/publikationen/lwf_merkblatt/244258/index.php

Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Borkenkäfer: www.lwf.bayern.de/waldschutz/ monitoring/065609/index.php