Waldschutz

Borkenkäfer: Der Schwärmflug hat schon begonnen

BLW_Borkenkaefer
Cornelia Triebenbacher, LWF, Freising
am Donnerstag, 23.04.2020 - 12:29

Start des Borkenkäfermonitorings: Die Aufarbeitung ist jetzt – während der ersten Schwärmwelle – am wirkungsvollsten. Denn das ist die Chance, die Käferpopulation abzuschöpfen und dem weiteren Befall entgegen zu wirken.

Das Borkenkäfermonitoring ist zum 1. April an bayernweit 123 Standorten gestartet. Anhand der Ergebnisse wird das Schwärmverhalten von Buchdrucker, Kupferstecher und Nordischem Fichtenborkenkäfer beobachtet – und das sind die bisherigen Auswertungen:

  • In wärmebegünstigten Lagen bis 800 m über NN hat der Schwärmflug seit Mitte April eingesetzt.
  • In Mittel- und Unterfranken sowie in Niederbayern lagen vereinzelt die Fallenfänge über der Warnschwelle für Stehendbefall von 3000 Buchdruckern je Falle und Woche.
  • In den höheren Lagen beginnen die Käfer ebenfalls zu schwärmen.

Angesichts der hohen Populationsdichten aus dem Vorjahr rechnen wir mit einem starken Ausflug der überwinternden Käfer. Der Hauptschwärmflug wird entsprechend der aktuellen Temperaturprognosen des Deutschen Wetterdienstes Ende April erwartet.

Trockenheit spielt den Käfern in die Karten

Derzeit ausfliegende Käfer befallen zunächst im Wald vornehmlich liegendes frisches Holz von Holzpoltern und unaufgearbeiteten Windwürfen. Ist das Holz durch anfliegende Käfer besetzt, kann es zu Stehendbefall im näheren Umkreis kommen.
Gegenwärtig ist es vor allem in Unterfranken, im Tertiär und Jura bereits wieder sehr trocken. Der Dürreindex des Helmholzinstitutes meldet in diesen Regionen bereits Trockenstress. Hält dieser Trend an, trifft der Hauptschwärmflug der Fichtenborkenkäfer auf abwehrgeschwächte Fichten. Die verminderte Harzproduktion erleichtert den Befall der Borkenkäfer.

Gerade jetzt ist gründliche Aufarbeitung wichtig

Die LWF empfiehlt den Waldbesitzern folgendes Vorgehen:
  • Sturmholz der Februarstürme konsequent aufarbeiten. Abgebrochene Gipfel müssen aus den Beständen entfernt werden. Sie sind noch nicht ausreichend abgetrocknet und stellen ideales Brutmaterial dar.
  • Frischholzpolter aus dem Wintereinschlag können als Fangholzpolter genutzt werden (regelmäßige Kontrolle auf Stehendbefall im näheren Umfeld und zeitnahe Abfuhrmöglichkeit nach Befall vorausgesetzt). Polter, die bereits mit Insektiziden z. B. gegen den Befall durch den Gestreiften Nadelnutzholzborkenkäfer (Lineatus) geschützt wurden, dienen automatisch auch der Bekämpfung der rindenbrütenden Arten und sollten verzögert abgefahren werden. Auch hier ist trotzdem eine regelmäßige Kontrolle im Umfeld auf Stehendbefall notwendig.
  • Stehendes und liegendes, befallenes Holz muss schnellstmöglich aufgearbeitet und aus dem Wald abgefahren werden – bevor die Käfer ausgeflogen sind. Gegebenenfalls kann auch eine kurzfristige Vorausflugbehandlung der Polter mit einem Pflanzenschutzmittel sinnvoll sein.
  • Die Suche nach frischem Stehendbefall ist erst mit Einsetzen des Hauptschwärmfluges sinnvoll.
Zum Schluss sei betont: Ihr Einsatz ist bei der gründlichen Aufarbeitung des Käferbefalls der ersten Schwärmwelle am wirkungsvollsten. Denn dann haben Sie eine Chance, die Käferpopulation abzuschöpfen – und so die Ausbreitung des Befalls erfolgreich zu verhindern.

Die regionale Gefährdungseinschätzung zum Buchdrucker- und Kupferstecherbefall kann tagesaktuell unter www.borkenkaefer.org abgerufen werden.