Waldschutz

Borkenkäfer schwärmen jetzt massiv

23-BoMo
Karin Bork
am Donnerstag, 10.06.2021 - 14:11

Monitoring: Fangzahlen von teils weit über 3000 Käfern je Woche und Falle zeigen hohe Schwärmtätigkeit.

Die Borkenkäfer nutzten das erste sommerliche Wetter zu einem zeitlich sehr konzentrierten und massiven Schwärmflug, um die erste Brut des Jahres anzulegen. In den Gebieten, in denen die Käfer bereits in der Schwärmwelle der KW 19 die Eiablage vollziehen konnten, schwärmen die Elternkäfer zur Anlage der ersten Geschwisterbrut aus: Vor der Verpuppung der Larven verlassen die Buchdrucker-Weibchen die Brutanlagen, führen einen Regenerationsfrass durch und schwärmen erneut aus. Im Anschluss befallen sie abermals Fichten und legen eine neue Brut an. Diese Brut wird als Geschwisterbrut bezeichnet.

Bohrmehlsuche jetzt!

Diese zweite Brutanlage erwarten wir insbesondere in den wärmebegünstigten, tieferen Lagen in Schwaben, Mittel- und Unterfranken sowie in Niederbayern und in den Schadschwerpunkten wie Frankenwald, östliches Niederbayern und an der Donau im Raum Ingolstadt und Regensburg.
Für Waldbesitzer lautet die klare Empfehlung: Suchen Sie jetzt Bohrmehl! Die Chancen sind jetzt günstig, Bohrmehl zu finden, da die konzentriert schwärmenden Käfer große Mengen und gut sichtbares Bohrmehl produzieren. Dazu folgende Hinweise:
  • Suchen Sie das Bohrmehl, das Schnupftabak ähnelt hinter Rindenschuppen, auf Ästen, in Zwieseln und Astgabeln, im Moos am Stammfuß und auf Blättern der Bodenpflanzen.
  • Konzentrieren Sie sich auf Randbäume letztjähriger Käferlöcher, südexponierte oder aufgerissene Waldränder und Windwürfe.
  • Buchdrucker werfen in den ersten zwei Wochen der Brutanlage viel Bohrmehl aus. Einzelne gewittrige Schauer können das Bohrmehl zwar abwaschen, es rieselt in diesen Tagen aber immer wieder nach.
  • Wenn Sie Bohrmehl finden, müssen Sie die befallenen Fichten einschlagen und aus dem Wald bringen.

Kupferstecher im Blick

Regional ist eine starke Beteiligung des Kupferstechers am Befallsgeschehen auffällig. Der Kupferstecher profitiert von zunehmender Trockenheit und anfallenden Resthölzern (Gipfel und Ästen), welche im Zuge der Käferholzaufarbeitung entstehen. Zeitlich analog zum Buchdrucker schwärmt der Kupferstecher heuer massiv im Tertiär. Auch im Allgäu, südlich von München und im Bayerischen Wald wurden schon sehr hohe Kupferstecherfänge dokumentiert.
Bei hohen Populationsdichten kann der Kupferstecher vitale Fichten in der Oberkrone befallen. Allerdings ist dieser Befall deutlich schwieriger als Befall mit dem Buchdrucker zu erkennen. Am liegenden Holz ist er am feinen Bohrmehl oder im weiter fortgeschrittenen Stadium am sternförmigen Brutbild erkennbar. Wie beim Buchdrucker müssen alle befallenen Hölzer zügig eingeschlagen werden. Weil der Kupferstecher bereits Äste ab 2 cm Durchmesser zur Brutanlage nutzt, sollten Waldbesitzer auch Gipfel, Äste und Resthölzer aus dem Wald verbringen oder hacken.