Waldschutz

Borkenkäfer: Noch keine Winterruhe zu erwarten

Waldschutz
Cornelia Triebenbacher, Karin Bork und Andreas Hahn, LWF Freising
am Mittwoch, 16.09.2020 - 16:22

Durch die hohen Temperaturen zeigt der Buchdrucker – zumindest in Lagen bis 600 m – noch kein Überwinterungsverhalten. Wer jetzt aktiv bleibt, kann die Weichen für das nächste Jahr positiv beeinflussen.

Die warmen Tagestemperaturen veranlassen die Fichtenborkenkäfer weiterhin, die Brutbäume zu verlassen. Bei starkem Aufkommen können sie sogar noch Stehendbefall verursachen – oder sie suchen schon befallenes Holz auf, um zu fressen oder um es als Winterquartier zu nutzen.

Hohe Temperaturen schalten Steuerung über Tageslänge ab

Schwärmverlauf

Das Schwärmende des Buchdruckers wird grundsätzlich durch die kritische Tageslänge von 14,7 Stunden gesteuert. In Mitteleuropa ist dies ab der 3. Augustwoche gegeben. Dauerhaft hohe Tagestemperaturen von 23°C und mehr schalten aber diese Abhängigkeit der Buchdrucker von der Tageslänge ab. Und somit wird aktuell – zumindest in Lagen bis 600 m ü. NN – noch kein Überwinterungsverhalten ausgelöst. Buchdrucker können sich also noch neu einbohren – sei es zur Überwinterung oder zur Anlage einer dritten Generation.

Zudem entwickeln sich bei Temperaturen von über 8,3 °C auch Larven und Puppen unter der Rinde weiter, sodass die Bruten bei einem langen warmen Herbst die Entwicklung bis zum fertigen Jungkäfer abschließen können.

Handlungsempfehlungen der LWF

  1. Älteren Befall sofort aufarbeiten! Es ist sehr wichtig, Fichten mit älterem Befall (aufplatzende Rinde am Kronenansatz, Gelb-/ Rotfärbung der Krone, Nadelabfall) zügig aufzuarbeiten, um ein weiteres Ausschwärmen fertiger Jungkäfer zu verhindern. Da durch den Reifungsfraß die Rinde der Befallsbäume jederzeit abfallen kann, ist zügiges Handeln erforderlich. Fällt die Rinde samt Jungkäfern ab, ziehen sich diese zur Überwinterung in den Boden zurück oder verbleiben in der abgefallenen Rinde – und somit in beiden Fällen im Bestand! Abfallende Rinde (an stehenden Bäumen und Holzpoltern sowie beim Rücken) sollte daher möglichst eingesammelt und unschädlich gemacht werden. Haben die Borkenkäfer die Bäume schon verlassen, kann die Fichte stehenbleiben.
  2. Frischen Befall suchen! Die Bohrmehlsuche ist nach wie vor wichtig und sollte regelmäßig vor allem in der Nähe bereits befallener Fichten und Holzpolter stattfinden. Frisch befallene Fichten sind zu markieren und möglichst in einer Karte zu dokumentieren. Die Aufarbeitung dieser Fichten kann im Laufe des Herbstes/Winters erfolgen, da von diesen keine weitere Befallsausbreitung in 2020 mehr zu erwarten ist.

Ziel muss es sein, die Borkenkäfer abzuschöpfen, die jetzt noch Ihre Entwicklung abschließen. So können die Weichen für das kommende Jahr positiv beeinflusst werden!