Waldbau

Borkenkäfer mit naturnahen Verfahren regulieren

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 23.06.2021 - 11:01

Was Vergrämungs- und Lockstoffpräparate für verschiedene Borkenkäferarten bzw. deren natürliche Gegenspieler leisten.

Borkenkäfer

Borkenkäferbefall kann ganze Waldbestände vernichten. Schutzmaßnahmen mit Hilfe von Insektiziden werden aus gesellschaftlichen Gründen aber immer schwieriger. In dem Verbundvorhaben „bioProtect“ entwickelten und testeten Forschende der Technischen Universität Dresden, der Georg-August-Universität Göttingen und der Ostdeutschen Gesellschaft für Forstplanung mbH biotechnische Verfahren der insektizidfreien Borkenkäferregulation.

Dabei wurden Vergrämungs- und Lockstoffpräparate für verschiedene Borkenkäferarten bzw. deren natürliche Gegenspieler in Freilandversuchen erprobt und deren Wirkungsgrad ermittelt: Lockstoffe, die anziehend auf Fressfeinde der Borkenkäfer wirken, die dann wiederum zur Eindämmung von Borkenkäferbesiedlung beitragen. Oder Vergrämungsstoffe, um anfliegende Borkenkäfer zu verwirren und so etwa Holzlager im Wald zu schützen.

Kommunikation per Botenstoff

Insekten kommunizieren und orientieren sich unter anderem über chemische Botenstoffe - seien es Pheromone, die innerartlich genutzt werden, oder auch flüchtige Pflanzenduftstoffe, die lockende Wirkung auf pflanzenfressende Insekten ausüben – aber eben auch auf deren Gegenspieler. (https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/waldschutz-borkenkaefer-mit-dueften-lenken-1)

Gegenspieler anlocken – mit art- und lebensraumfremden Lockstoffen, sogenannte Allochthone Kairomone, die wirkungsvoll natürliche Gegenspieler der Borkenkäfer heranführen, wie z. B. die Ameisenbuntkäfer, aber keine weitere lockende Wirkung auf Borkenkäfer ausüben.Über diese Gegenspieler-Steuerung lässt sich ein Borkenkäferbefalldezimieren.

Borkenkäfer vergrämensogenannte Nichtwirtsbaumvolatile und Antiaggregationspheromone verwirren die Duftstofforientierung der Borkenkäfer, täuschen ihnen einen ungeeignetenBrutraum vor und dienen damit zur Abwehr eines Borkenkäferanflugs.

Die Methode, potenzielle Baumschädlinge mittels Botenstoffen, den sogenannten Semiochemikalien, zu lenken, wurde bereits in einem Vorgängerprojekt an der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden entwickelt. Nun ist es den Projektpartnern gelungen, die Palette an Wirkstoffen zu erweitern, für einzelne Arten zu spezifizieren und deren Wirksamkeit im Praxiseinsatz zu erproben.

Dauert noch einige Jahre

Projektleiter Professor Dr. Michael Müller ist optimistisch, dass dank der Weiterentwicklung in „bioProtect“ einige umweltverträgliche Methoden zur Regulierung von potenziellen Schadinsekten in wenigen Jahren marktreif sein könnten. „Dann kaufen Waldbesitzer im Fachhandel keine Insektizide, sondern naturnahe Stoffe, die sie an Rohholzlagern im Wald anbringen“, so der Leiter der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden. Die Stoffe müssten nicht mehr aufwendig aufgesprüht werden, sondern könnten dann in Ampullen angebracht und nach dem Gebrauch wieder entnommen werden, zeigt Müller die Vorteile des neuen biotechnischen Verfahrens auf.