Waldschutz

Borkenkäfer: Kurz vor dem Abflug

WP_20190310_005_Trie
Ralf Petercord LWF
am Dienstag, 02.04.2019 - 17:20

Start des Borkenkäfermonitorings 2019: Voraussichtlich wird der Hauptschwärmflug Ende der Kalenderwoche 15 einsetzen – Sturm- und Schneebruchschäden müssen schnellstmöglich aufgearbeitet werden.

Alle Jahre wieder – naja, nicht ganz: Zwar startet auch heuer wieder das Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Forstverwaltung zum ersten April, zwei Besonderheiten gibt es dieses Jahr aber. Zum einen ist die Populationsdichte aus 2018 besonders hoch und zum anderen muss sich das Monitoring nun auf drei, statt auf zwei Arten konzentrieren.

Aber beginnen wir von vorne: Heuer wurden an insgesamt 133 Standorten Borkenkäferfallen aufgestellt. Mit ihrer Hilfe werden die Schwärmaktivitäten von Buchdrucker und Kupferstecher beobachtet. Erweitert wird das Borkenkäfermonitoring heuer um den Nordischen Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus). Dazu wurde an jedem Monitoringstandort eine zusätzliche Falle aufgestellt, die mit einem artspezifischen Pheromon bestückt ist. Diese erweiterte Überwachung soll schnelle Ergebnisse zur Verbreitung und zu Populationsdichte des Nordischen Fichtenborkenkäfers liefern. Komplettiert wird das Monitoring durch Bruthölzer, die in 10 Revieren ausliegen. Sie dienen zur Beobachtung der Brutentwicklung.

Ab sofort können im Internet wieder tagesaktuell die regionale Gefährdungseinschätzung zum Buchdrucker- und Kupferstecherbefall sowie die Daten der einzelnen Monitoringstandorte abgerufen werden. In den Kreisen Coburg und Lichtenfels war schon zu Beginn des Monitorings die Gefährdungsstufe mit akutem Befall bei Buchdrucker und Kupferstecher erreicht.

Besonders wichtig: Schadholz aufarbeiten

Sturm- und Schneebruchschäden aus dem Januar 2019 und den Stürmen „Bennet“ und „Eberhard“ (4. bzw. 10. März 2019), die noch nicht aufgearbeitet werden konnten, müssen schnellst möglich aufgearbeitet werden. Das Material ist fängisch und bietet den Borkenkäfern Brut- und Aggregationsraum. Im Umkreis dieser Schäden ist bereits in der ersten Schwärmphase mit Stehendbefall zu rechnen. Einzel- und Nesterwürfe sind besonders kritisch, da hier die Brutraumkapazität schnell überschritten und damit eine Fangschlagfunktion ausgeschlossen ist.
Angesichts der hohen Populationsdichten aus dem Vorjahr rechnen wir mit einem starken und vor allem zeitlich komprimierten Ausflug der überwinternden Käfer. In wärmebegünstigten Lagen und Situationen können schon erste Käfer fliegen. Der Hauptschwärmflug wird entsprechend der aktuellen Temperaturprognosen des Deutschen Wetterdienstes Ende der 15. Kalenderwoche einsetzen.

Fangsysteme: Nichts für die breite Masse

Und wie lassen sich die hohen Populationsdichten reduzieren? Pheromonbeköderte Schlitzfallen sind ausschließlich zum Monitoring des Schwärmverlaufs geeignet – eine effektive Absenkung der Populationsdichte ist mit ihnen nicht möglich. Lockstoff-Fangsysteme, die auf einer „Attract & Kill-Strategie“ beruhen, können im Zusammenhang mit einer integrierten Bekämpfungsstrategie dazu beitragen, hohe Käferdichten örtlich und zeitlich begrenzt soweit abzusenken, dass dadurch Schäden an stehenden Beständen vermieden oder reduziert werden. Dies gilt für kleinere und zerstreut liegende Befallsflächen (Objektschutz).
Bei Massenvermehrungen ist diese Methode jedoch nicht zielführend, da durch die Vielzahl der benötigten Fangsysteme und Pheromonquellen ein Vermischungseffekt eintritt, der den notwendigen, zielgerichteten Anflug an das einzelne System erschwert. Zudem ist zu beachten, dass Flächen, auf denen Fangsysteme installiert werden sollen, gründlichst geräumt sein müssen, Sicherheitsabstände zu benachbarten Beständen einzuhalten und im Umfeld trotzdem wöchentlich Kontrollen auf Stehendbefall durchzuführen sind. Fangsysteme ersetzen damit keines Falls die Notwendigkeit der terrestrischen Befallssuche und können das Befallsrisiko bei fehlerhafter Anwendung sogar erhöhen.

Was muss raus? Und was kann bleiben?

Die LWF empfiehlt den Waldbesitzern folgendes Vorgehen:
  • Schneebruch- und Sturmschäden konsequent aufarbeiten: Abgebrochene Gipfel müssen aus den Beständen entfernt werden, denn sie sind zu Beginn der Schwärmzeit noch nicht ausreichend abgetrocknet und stellen ideales Brutmaterial dar. Stämme, die noch mehr als 1/3 grüne Kronen haben, können im Bestand verbleiben, da mit einer erfolgreichen Revitalisierung gerechnet werden kann. Im Laufe der Vegetationszeit sollten solche Stämme aber regelmäßig auf Stehendbefall untersucht werden.
  • Falls im Winter Frischholz gemacht wurde, können die Polter als Fangpolter genutzt werden. Abfuhr des Waldlagers erst nach Befall. Polter, die bereits mit Insektiziden, z.B. gegen den Befall durch den Gestreiften Nadelnutzholzborkenkäfer (Lineatus), geschützt wurden, dienen automatisch auch der Bekämpfung der rindenbrütenden Arten und sollten verzögert abgefahren werden.
  • Die Suche nach frischem Stehendbefall macht erst nach Einsetzen des Hauptschwärmfluges Sinn.
  • Die gründliche Aufarbeitung des Käferbefalls aus der ersten Schwärmwelle ist besonders wirkungsvoll für die erfolgreiche Eindämmung der Befallsausbreitung und Abschöpfung der Käferpopulation und damit entscheidend für das weitere Schadgeschehen im Jahr 2019. Karin Bork,

Hier geht‘s zu den tagesaktuellen und regionalen Gefährdungseinstufungen: www.borkenkaefer.org