Waldschutz

Borkenkäfer: Die Jungkäfer fliegen aus

Cornelia TriebenbacherLWF, Freising
am Donnerstag, 02.07.2020 - 16:02

In Fichtenbeständen sollten Waldbesitzer weiter intensiv Bohrmehl suchen.

Anzahl Leerungen IT

Seit Mitte Juni steigen die Fangzahlen für Buchdrucker und Kupferstecher stark an. An zahlreichen Monitoringstandorten sind die Fänge dauerhaft hoch und liegen über der Buchdrucker-Gefährdungsschwelle von 3000 Käfern je Falle und Woche (siehe Grafik oben). Ab diesen Fangwerten muss mit einer schnellen Ausbreitung bestehender Befallsherde gerechnet werden.

Den größeren Anteil an den Fängen nehmen Altkäfer aus 2019 ein, die derzeit noch Geschwisterbruten anlegen. Es werden aber bereits Jungkäfer der 1. Generation aus der Schwärmwelle Mitte April gefangen; dies vor allem in Lagen bis 600 m Meereshöhe im südlichen Niederbayern, im westlichen Oberfranken sowie in Mittel- und Unterfranken. Die Entwicklung der 1. Generation ist etwa eine Woche früher als 2019 vollzogen. Es wird auch heuer die Anlage einer 3. Generation erwartet.

Der weitere Ausflug der 1. Generation inklusive der ersten Geschwisterbruten wird in den nächsten beiden Wochen bis Mitte Juli erwartet.

Gefährdungskarte IT_30062020

Die Gefährdungseinschätzung für Bayern ist bislang ebenfalls stark zweigeteilt (siehe Landkarte). Die Bohrmehlsuche kann nach Gewittern, Regenschauern und Wind erschwert sein. Harztrichter, Einbohrlöcher und v. a. Spechtabschläge sind oft gute Hinweise auf frischen Befall. Befallene Fichten aus dem Frühjahr zeichnen vermehrt mit sich rotfärbender Krone und Rindenabfall bei grüner Krone.

Befallene Fichten aus dem Frühjahr:

  • Zunehmend werden auch ältere Befallsmerkmale aus dem Frühjahrsbefall sichtbar: Nadelabfall, Grün- bis Gelbstichigkeit der Kronen bis hin zur Rotfärbung, zum Teil auch Rindenabfall bei grüner Krone
  • Kontrolle an aufgerissenen, süd- und südwestlichen Waldrändern und in der Umgebung von befallenem, liegenden Holz
  • Markieren, Dokumentieren, Brutfortschritt unter der Rinde kontrollieren (Schepseisen)
  • Im Umkreis befallener Fichten auf weiteren Stehendbefall achten (Bohrmehlsuche/ Harzfluss).

Neubefall zur Anlage der zweiten Generation:

  • Bohrmehlsuche und Befallskontrolle v. a. an Nordrändern von diesjährigen und letztjährigen Käferlöchern, an Südrändern 1-2 Baumlängen in den Bestand und mit zunehmender Hitze auch im Bestandesinneren
  • Markieren, Dokumentieren und im Umkreis nach Stehendbefall suchen.

Weitere Behandlung

Schwärmkurve 2019_2020

Älterer Befall: Sofortiger Holzeinschlag und Aufarbeitung, solange die Brut noch nicht ausgeflogen ist; Entrindung nur im weißen Larvenstadium wirksam; bei der Abfuhr älterer Polter auf abfallende Rinde achten, da von diesen Befallsgefahr ausgeht.

Frischer Befall: zügige Aufarbeitung, um Ausflug der Elternkäfer zur Anlage der Geschwisterbrut zu verhindern (Zeitraum max. 2 Wochen).

Bei stockendem Holzabfluss:

  • Transport auf Zwischenlagerplätze mindestens 500 m zum nächsten Nadelholzbestand,
  • Behandlung befallener Holzpolter mit Insektiziden möglich und wirksam, solange die Jungkäfer unter der Rinde sind. Zugelassene Mittel finden Sie in der Online-Datenbank unter www.bvl.bund.de in der Rubrik Pflanzenschutzmittel.