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Borkenkäfer: Jetzt die Gefahr für 2023 senken

Borkenkäfer
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Externer Autor
am Freitag, 28.10.2022 - 09:07

Nach einem späteren Start im Frühjahr fand der Buchdrucker im Sommer ideale Bedingungen vor. Hier die Bilanz für 2022 und die aktuellen Empfehlungen.

Gefährdung durch Buchdrucker: Einschätzungder Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zum Ende des Monitoringzeitraums (30.09.2022).

Für die Ausgangslage des Borkenkäferjahrs 2022 waren zwei Dinge wesentlich: Zum einen konnten die Fichtenborkenkäfer aufgrund der etwas kühleren und feuchteren Witterung im Sommer 2021 keine 3. Generation anlegen. Die Fichten waren – zumindest im Süden Bayerns – durch zum Teil ergiebige Regenfälle vielerorts auch gut mit Wasser versorgt und damit widerstandsfähiger.

Zum anderen verursachten die Winterstürme Ylenia, Zeynep, und Antonia im Februar 2022 leichte bis mittlere Schäden in allen Teilen Bayerns. Es wurden zahlreiche Bäume vor allem einzeln und mitunter nesterweise geworfen oder gebrochen. Schadensschwerpunkte lagen in der Rhön und in den Landkreisen Kronach, Wunsiedel, Hof und Tirschenreuth.

Die Schäden bedeuteten eine zusätzliche Gefährdung zum Schwärmbeginn der Fichtenborkenkäfer im Frühjahr, da nicht aufgearbeitete Einzelwürfe in der Fichte zu massiven Borkenkäferschäden im Nachgang führen können.

Konzentriertes Schwärmen im Frühjahr

Schwärmverlauf Buchdrucker 2022: Die Rahmen zeigen den Schwärmverlauf der Buchdrucker in den unteren bis mittleren Lagen bis 800 m über dem Meeresspiegel. Die roten Rahmen zeigen den Ausflug der Buchdrucker zur Anlage der verschiedenen Generationen im Jahresverlauf, die gelben Rahmen zeigen den Ausflug der Altkäfer zur Anlage der Geschwisterbruten.

Das kühle Aprilwetter 2022 verzögerte den ersten Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer bis Anfang Mai. Dies verschaffte den Waldbesitzern noch etwas Zeit bei der Aufarbeitung der Einzelwürfe des ausgehenden Winters. Mit den einsetzenden frühsommerlichen Temperaturen in der ersten und zweiten Maiwoche schwärmten die Fichtenborkenkäfer zur Anlage der 1. Generation aus. Unser Monitoring verzeichnete bayernweit ein sehr konzentriertes Schwärmen mit hohen Anflugzahlen oftmals über der Warnschwelle für Stehendbefall. Noch im Wald liegende Hölzer wurden massiv befallen. Die Einzelwürfe waren rasch besetzt und es kam zu Stehendbefall im näheren Umkreis.

Anfang Juni, also zwei bis drei Wochen später, schwärmten die Altkäfer erneut konzentriert aus, um die 1. Geschwisterbrut anzulegen. Im Bayerischen Wald verursachte ein Gewittersturm an Pfingsten zahlreiche Einzel- und Nesterbrüche, die in dieser Ausflugsphase rasch besiedelt waren und neuen Stehendbefall induzierten.

In den unteren bis mittleren Höhenlagen (bis 800 m) schwärmten die Jungkäfer der 1. Generation bereits in der zweiten Junihälfte (also nach nur etwa 8 Wochen) intensiv zur Anlage der 2. Generation aus. Damit erfolgte der Hauptschwärmflug der 1. Generation etwa zwei bis drei Wochen früher als 2021 und zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie 2019 und 2020.

Hitzesommer als Treibstoff

Regional zeichneten sich mehrere Befallsschwerpunkte in Bayern ab. Die mit Abstand höchsten Fangzahlen wurden im Frankenwald dokumentiert. Hohe Buchdruckerdichten wurden auch aus den Regionen um Aschaffenburg, Bayreuth, dem westlichen Mittelfranken und aus Niederbayern entlang von Inn und Donau gemeldet. Hier trafen die ausfliegenden Käfer auf bereits jetzt stark trockengestresste Fichten, da in weiten Teilen Nordbayerns, wenn überhaupt, nur ein Viertel des üblichen Juni-Niederschlags fiel.

Die teils unwetterartigen Gewitter im Juni in Südbayern erschwerten die Befallssuche erheblich. In manchen Regionen kam es zu Einzelwürfen, teils auch zu kleinflächigen Windwürfen in Fichtenbeständen. Für den Waldbesitzer waren sie Risiko und Chance zugleich. Denn die frisch gebrochenen oder geworfenen Fichten stellten für die schwärmenden Buchdrucker ideales Brutmaterial dar. Wurden die Windwürfe schnell gefunden und aufgearbeitet, konnten die frisch eingebohrten Käfer mit dem Schadholz aus dem Wald gebracht werden. Übersehene Schadhölzer hingegen induzierten weitere, noch größere Käferlöcher.

Die im Juli flächendeckend einsetzende trocken-heiße Witterung begünstigte die Entwicklung der Fichtenborkenkäfer in ganz Bayern. Nicht nur, dass die Brutentwicklung auf Hochtouren lief, sondern die Fichten wurden zunehmend auch in Südbayern durch die anhaltende Trockenheit und dauernden Schwärmattacken gestresst.

Nur sieben Wochen Entwicklungszeit

Ab Anfang August begannen befallene Fichten aus der ersten Schwärmwelle im Frühjahr durch Rotfärbung der Kronen zu zeichnen. Bayernweit, insbesondere aber in den Befallsschwerpunkten, leuchteten „plötzlich“ rote Kronen auf. Die 2. Generation schwärmte in den tieferen bis mittleren Lagen (bis 800 m über NN) nach nur sieben Wochen Entwicklungszeit bereits Mitte August zur Anlage einer 3. Generation aus. Im Vergleich konnten sich die Fichtenborkenkäfer nur im Hitzejahr 2018 schneller entwickeln als im Jahr 2022!

Besonders im Norden Bayerns traf der Ausflug der 2. Generation massiv auf Fichten mit geringer Widerstandskraft. Die Stehendbefallsmeldungen schnellten in die Höhe. Die Fangzahlen des Borkenkäfermonitorings spiegelten dieses akute Befallsgeschehen dagegen nicht wider.

Durch das warme Wetter Mitte August bis Anfang September erfolgten in dieser Zeit noch Eiablagen des Buchdruckers. Die kühle Entwicklung Ende September verzögert jedoch die weitere Entwicklung. Bei einer Eiablage Anfang August liegen die Buchdrucker bis 800 m bereits jetzt als Jungkäfer vor. Bei einer Ablage Mitte August haben die Käfer das Puppenstadium, unabhängig von der Höhe, noch nicht erreicht.

Entwicklung in den höheren Lagen

In den höheren Lagen oberhalb 800 m über NN begann der Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer ab Mitte Mai. Die Anlage der 1. Geschwisterbrut erfolgte Ende Juni. Auch in diesen Lagen kam es zu einer deutlichen Verkürzung der Entwicklungszeit. Ende Juli flogen die Jungkäfer der 1. Generation zur Anlage der 2. Generation. Gegen Ende August wurde noch eine 2. Geschwisterbrut angelegt. Zur Anlage einer 3. Generation kam es in diesen Höhenlagen nicht mehr.

Befallsschwerpunkte in Nordbayern

Die nordbayerischen Regionen sind auch in diesem Jahr Schwerpunkte des Befalls durch den Buchdrucker. Die bayernweite Trockenheit und Hitze verschärfte jedoch in allen Regionen die Situation, wie die Gefährdungseinschätzung Ende September eindrücklich zeigt. In Teilen Schwabens und Niederbayerns erhöhte sich der Befallsdruck stark. Das Nord-Süd-Gefälle der letzten Jahre ist zwar noch erkennbar, aber weniger intensiv.

Der Kupferstecher ist weiterhin am Befallsgeschehen beteiligt. Eine genaue Einschätzung des tatsächlichen Befalls ist aufgrund vertrockneter Fichtenkronen aber kaum möglich. Es wird sich im Laufe des Winters bei der Aufarbeitung zeigen, inwieweit er von der besonderen Witterungssituation dieses Jahr profitieren konnte.

Handlungsempfehlungen und Ausblick

  • Kontrolle der Bestände: Die Fichten aus dem Sommerbefall zeichnen in den letzten Wochen mit Nadelverfärbung und -verlusten sowie mit Rindenabfall bei grüner und roter Krone. Kontrollieren Sie jetzt zuerst diesjährige, dann letztjährige Befallsherde, danach übrige Bestände.

Nur ein Blick in die Rinde hilft bei der Entscheidung im Herbst und Winter, ob die Fichte noch waldschutzwirksam aufgearbeitet werden muss. Brechen Sie die Rinde zur Kontrolle auseinander und schauen Sie auch in tieferen Rindenschichten. Sind dort noch Borkenkäfer versteckt, ist eine rasche Aufarbeitung notwendig!

Erst wenn die Fichtenkrone kahl und die Rinde stark ausgetrocknet ist, haben die Käfer die Fichte sicher verlassen. Dann ist aber auch die Chance verspielt, das Ausgangsniveau der Borkenkäferpopulation für das kommende Jahr abzusenken. Borkenkäferaufarbeitung im Herbst und Winter verringert daher den Aufwand für die Käfersuche und Aufarbeitung im kommenden Frühjahr!

  • Zügige Aufarbeitung: Werden Fichten mit Borkenkäferbefall im Herbst nicht zügig aufgearbeitet, fällt die Rinde mit zunehmenden Frösten ab. Dies ist problematisch, da bei Rindenabfall die unter der Rinde sitzenden Käfer „gezwungen“ werden, die Rinde zu verlassen. Bei warmen Temperaturen fliegen sie ggf. noch im Oktober und suchen sich einen neuen Überwinterungsstamm. Bei kühlen Temperaturen verbleiben sie in den abgefallenen Rindenstücken oder ziehen sich in den Boden zurück. Dort sind sie für eine waldschutzwirksame Aufarbeitung unerreichbar!

Für die Ausgangslage 2023 ist es daher entscheidend, befallene Fichten schnellstmöglich aufzuarbeiten, um einen Rindenabfall zu verhindern!