Waldschutz

Borkenkäfer: Erheblicher Stehendbefall droht

Buchdrucker-Anlage-Muttergang
Karin BorkCornelia TriebenbacherLWF
am Donnerstag, 09.07.2020 - 14:58

Borkenkäfermonitoring: Bei mehr als der Hälfte der bayerischen Fallenstandorte liegt die Fangzahl über 3000 – und das bedeutet: Stehendbefallgefahr. Besonders wichtig ist es jetzt, die frisch befallenen Fichten zu finden und aufzuarbeiten.

In der ersten Juliwoche ist ein Großteil der Jungkäfer der ersten Generation ausgeflogen. Aktuell legen Buchdrucker die Bruten der zweiten Generation an – und die Fangzahlen liegen bei mehr als der Hälfte der Fallenstandorte bayernweit verteilt über 3000 Buchdrucker je Falle (hohe Stehendbefallgefahr). Daher muss mit hohem Stehendbefall gerechnet werden. Bei der andauernden Brutanlage wird viel frisches Bohrmehl ausgeworfen, das derzeit gut zu sehen ist. Kontrollieren Sie systematisch auf Befall:
  1. Bohrmehlsuche im Umkreis bekannter Befallsherde: Suchen Sie die Randbäume an bekannten Käfernestern vom Frühjahr und letztem Jahr, sowie im Umkreis befallener Holzpolter intensiv nach Bohrmehl ab. Auch Harztropfen und mit Harz verklebtes Bohrmehl sind Kennzeichen frischen Befalls. Achtung: Bei Temperaturen über 30 °C, ziehen sich die Käfer zur Brutanlage ins Bestandesinnere oder an die kühleren Nordränder zurück. Daher ist die Befallskontrolle in disponierten Beständen entsprechend auszuweiten.
  2. Suche nach sich verfärbenden, bisher nicht gefundener Fichten aus dem Frühjahrsbefall – und Bohrmehlsuche im Umkreis: Der Frühjahrsbefall lag vor allem an süd- bis südwestlichen Waldrändern, im Umkreis von Einzel- und Nesterwürfen aus dem Sturmtief Sabine und im Umkreis letztjähriger Käfernester. Diesen Frühjahrsbefall bemerkt man nun an sich sukzessiv ins rotbraun verfärbenden Kronen, Rindenabfall am Kronenansatz, Spechtabschlägen und Nadelabfall („grüner Teppich“).
    Aber Achtung: Viele Fichten weisen trotz eines starken Befalls noch immer eine grüne Krone auf – doch auch sie werden sich nicht mehr von dem Befall erholen und in der Folge absterben.
  3. Umkreissuche: Haben Sie die unter Punkt 1 und 2 genannten Befallsmerkmale gefunden, suchen Sie die benachbarten Fichten (Umkreis von ca. 150 m) intensiv nach Bohrmehl, Harztropfen und mit Harz verklebtem Bohrmehl ab – denn in diesen Fichten wird die 2. Generation angelegt.
Entscheidend für den Bekämpfungserfolg in den kommenden Wochen ist, die jetzt frisch befallenen Bäume zu finden und den Befall rasch zu sanieren – und zwar möglichst, bevor die Elternkäfer zur Anlage der Geschwisterbrut wieder ausfliegen. Schauen Sie auch unter die Rinde des Frühjahrsbefalls, ob noch Geschwisterbruten vorhanden sind. Je nach Entwicklungsstand ist die Aufarbeitung prioritär.