Waldschutz

Borkenkäfer bekämpfen: Was gefördert wird

Borkenkäfer
StMELF
am Mittwoch, 24.07.2019 - 11:20

Die staatliche Förderung der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung wurde kürzlich erweitert – bis zu 12 €/fm Stammholz sind möglich.

Vor über einem Jahr hat Bayern als erstes Bundesland mit der finanziellen Unterstützung insektizidfreier und waldschutzwirksamer Bekämpfungsmaßnahmen begonnen. Die Borkenkäferbekämpfung ist eine rechtlich verpflichtende Aufgabe der Waldbesitzer – und die Förderung zielt ausschließlich auf eine insektizidfreie Bekämpfung ab, weil hier erhebliche Mehrkosten entstehen. Im Juli diesen Jahres wurde die Förderung nochmals wesentlich erweitert. Hier ein Überblick:

  1. Was wird gefördert? Das Verbringen von Schadholz auf waldschutzwirksame Zwischenlager und das Entrinden von Schadholz bleiben förderfähig.

    o Die bisherige Förderung des Häckselns von nicht zur Vermarktung bestimmtem Material geht nun in der Maßnahme „Aufarbeitung Waldrestholz“ auf. Damit ist nun zusätzlich zum Häckseln auch das Verbrennen des Gipfelholzes, das Einarbeiten in Rückegassen durch Mulchen oder das waldschutzwirksame Zerstückeln der Gipfel mit der Motorsäge förderfähig. Falls keine gesonderte Holzmenge nachgewiesen wird, können 20 % des Stammholzes angesetzt werden.

    o Vollkommen neu ist die Fördermaßnahme „Vorbereitung der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung“. Sie soll einen Teil der Mehrkosten abdecken, die beim Aufsuchen, Kennzeichnen, Aufarbeiten und Bringen – insbesondere bei zerstreutem Befall – entstehen. Die Maßnahme dient zur Vorbereitung der anderen Maßnahmen und ist daher nur in Kombination mit diesen förderfähig.
     
  2. Wie hoch ist die Förderung?
    Fast alle Maßnahmen werden mit 5 €/fm Schadholz gefördert.

    Beispiel 1: Ein Waldbesitzer hat einen Stammholzanfall von 100 fm, die auf einen waldschutzwirksamen Lagerplatz gebracht werden (100 fm x 5 €/fm = 500 €). Das Gipfelholz wird waldschutzwirksam zerkleinert. Hierfür bekommt er pauschal 20 fm (= 20 % der 100 fm Stammholz) als förderfähig anerkannt. Für die Gesamtmenge von 120 fm bekommt er das „Vorbereiten der Aufarbeitung“ gefördert (120 fm x 5 €/fm = 600 €). Dazu kommen noch 100 € für die Aufarbeitung des Waldrestholzes (20 fm x 5 €/fm), so ergibt sich ein Gesamtförderbetrag von 1200 € bzw. 12 € je fm Stammholz.

    Beispiel 2: Wegen der fehlenden Vermarktungsmöglichkeiten wird das gesamte Schadholz gehäckselt. Die Menge des Holzes, das als „Aufarbeitung Waldrestholz“ gefördert wird, kann konkret in Schüttraummeter (srm) gemessen werden. Die srm müssen in fm umgerechnet werden, der Fördersatz beträgt dann – zusammen mit der „Vorbereitung der Aufarbeitung“ 10 €/fm.
     
  3. Bagatellgrenze: Erst ab einem Förderbetrag von mindestens 250 € kann ein Antrag bewilligt werden. Bei Inanspruchnahme aller Teilmaßnahmen reichen 21 fm Stammholz, wenn das Waldrestholz nicht aufgearbeitet wird braucht es 25 fm. Haben Sie weniger Schadholz, kann eine Förderung im Rahmen eines Sammelantrages erfolgen. Ansprechpartner wäre dann in der Regel die zuständige FBG/WBV.
     
  4. Waldschutzwirksame Lagerplätze: Bei einer Zwischenlagerung muss das Holz so weit vom nächsten Nadelholzbestand entfernt gelagert werden, dass ein Neueinbohren der ausfliegenden Käfer in gesunde Fichten verhindert wird. Dabei ist jedoch der allseits bekannte Abstand von 500 m zum nächsten Nadelholzbestand im Fördervollzug keine starre Grenze. Denn auch Faktoren wie Hauptwindrichtung oder Geländeausformung beeinflussen die Orientierung der Käfer. Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellen daher im Einzelfall fest, ob ein Lagerplatz als waldschutzwirksam anerkannt wird.
     
  5. Vermarktung des Holzes: Die Förderung soll keinen negativen Einfluss auf den ohnehin schon angespannten Holzmarkt haben. Daher werden nur Maßnahmen gefördert, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Holzvermarktung stehen. Bei der Aufarbeitung von Waldrestholz darf keine Vermarktung beabsichtigt sein! Lediglich eine Eigenverwertung des Waldrestholzes ist förderunschädlich. Da die Förderung nur die Mehrkosten der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung abmildert, muss ein Einbeziehen der Förderung bei der Holzpreisfindung klar zurückgewiesen werden.
     
  6. Die Antragstellung: Die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung ist eine zeitgebundene Maßnahme. Bitte stellen Sie möglichst vor der Schadholzaufarbeitung, spätestens jedoch kurz nach Beginn der Aufarbeitung Ihren Förderantrag, damit die Waldschutzwirksamkeit festgestellt werden kann. Bereits fertiggestellte Maßnahmen, die keine nachträgliche Bewertung der Waldschutzwirksamkeit ermöglichen, sind nicht mehr förderfähig.

Ein Merkblatt zum Thema sowie den „Försterfinder“ finden Sie unter www.waldbesitzer-portal.bayern.de

Eine Bildergalerie zur Befallseinschätzung aus der Luft finden Sie unter www.wochenblatt-dlv.de/borkenkaefer-flugzeug