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Wildverbiss

Bloß nicht nachlassen

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Karola Meeder
Karola Meeder
am Donnerstag, 13.12.2018 - 10:48

Forstliches Gutachten: Im letzten Jahrzehnt gab es deutliche Fortschritte – jetzt hat der Wildverbiss in Bayern leicht zugenommen, im Bergwald sogar deutlich.

Das Jahr 2018 hat  gezeigt, dass uns der Klimawandel noch viel stärker unter Druck setzt als gedacht“, sagt Forstministerin Michaela Kaniber rückblickend. Darum müsse alles getan werden, um den Waldumbau voran zu treiben. „Und dazu haben wir starke Werkzeuge“, sagt die Ministerin. Eines davon sei das Forstliche Gutachten, welches alle drei Jahre erstellt wird – und heuer war es wieder soweit: Die Bayerische Forstverwaltung hat für rund 750 bayerische Hegegemeinschaften Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung erstellt. Die Ergebnisse hat Michaela Kaniber vergangenen Mittwoch im Bayerischen Landtag vorgestellt.

Mehr Laubbäume in der Verjüngung

Die Forstlichen Gutachten sind einerseits ein Hilfsmittel bei der Planung der Abschusshöhe und zeigen andererseits wie es um den Waldumbau steht: So waren bei der Verjüngungsinventur 40 % der aufgenommenen Bäume Fichten, 5 % Tannen, 3 % Kiefern, 1 % sonstige Nadelbäume, 21 % Buchen, 4 % Eichen, 16 % Edellaubbäume und 10 % sonstige Laubbäume. Der Anteil der Laubbäume in der Verjüngung hat sich damit von rund 39 % im Jahr 1991 auf rund 51 % erhöht. Der Anteil der Nadelbäume ist entsprechend von 61 %
auf rund 49 % zurückgegangen.

Verjüngungssituation

Will man wissen, wie es um den Einfluss des Schalenwildes auf die Waldverjüngung steht, ist der wichtigste Indikator der Anteil der Pflanzen mit Leittriebverbiss. Das sind die aktuellen Ergebnisse: Bei 3 % der Fichten (2015: 2 %), 13 % der Tannen (2015: 12 %), 5 % der Kiefern (2015: 4 %), 13 % der Buchen (2015: 12 %), 26 % der Eichen (2015: 24 %) und 22 % der Edellaubbäume (2015: 21 %)
waren die Leittriebe vom Schalenwild frisch verbissen. Damit ist der Leittriebverbiss im Vergleich zu 2015 über alle Baumartengruppen hinweg leicht angestiegen.
Wesentlicher Maßstab der Beurteilung der Verjüngungssituation ist das im Bayerischen Jagdgesetz festgelegte Waldverjüngungsziel. Es lautet: „Die Bejagung soll insbesondere die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen“. Dieses Ziel kann in den sogenannten grünen Hegegemeinschaften erreicht werden – diese haben laut Forstlichem Gutachten eine tragbare oder günstige Verbisssituation. Ihr Anteil ist bei den Forstlichen Gutachten 2018 genauso hoch wie 2015 und liegt bei 53 %. In 49 % der Hegegemeinschaften wird die Verbisssituation als tragbar gewertet (2015: 48 %, 2012: 48 %), in 4 % als günstig (2015: 5 % und 2012: 6 %).
Entsprechend liegt der Anteil der sogenannten roten Hegegemeinschaften mit nicht tragbarer Verbisssituation im Jahr 2018 mit 47 % auf vergleichbarem Niveau wie 2015. Eine zu hohe Verbissbelastung weisen 43 % der Hegegemeinschaften auf (2015: 45 %) und bei 4 % ist die Verbissbelastung deutlich zu hoch (2015: 2 %).

 

61 Prozent können Abschuss beibehalten

Abgeleitet von diesen Werten zur Waldverjüng geben die Forstbehörden in den Forstlichen Gutachten Empfehlungen zur künftigen Abschusshöhe ab. Darüber hinaus fließen die Ergebnisse der ergänzenden Revierweisen Aussagen in die Gesamtschau der Hegegemeinschaft mit ein. Danach kann 2018 für deutlich mehr als die Hälfte, und zwar für 61 % der Hegegemeinschaften (2015: 61 %) eine Beibehaltung auf dem Niveau des bisherigen Abschusses und für 1 % der Hegegemeinschaften eine Senkung (2015: 1 %) empfohlen werden. Für 35 % der Hegegemeinschaften lautet die Abschussempfehlung erhöhen (2015: 35 %) und für 3 % deutlich erhöhen (2015: 3 %).

Sorgenkind Bergwald: Deutlich mehr Verbiss

Nachdem sich 2015 die Verbisssituation im Bergwald verbessert hatte, wurde 2018 im Bergwald der bayerischen Alpen eine teilweise erhebliche Verschlechterung der Verbisssituation festgestellt: 4 % der jungen Fichten (2015: 3 %), 21 % der Tannen (2015: 13 %), 17 % der Buchen (2015: 14 %) und 31 % der Edellaubbäume (2015: 24 %) wiesen an den Leittrieben frischen Schalenwildverbiss auf. Erfreulich ist die kontinuierliche Zunahme der Baumartenanteile wichtiger Mischbaumarten wie bei der Tanne oder den Edellaubhölzern. Insgesamt nahm der Laubbaumanteil von 44 % (1991) auf 58 % im Jahr 2018 zu. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Fichte von 52 % auf 32 %. Trotz der deutlichen Verschlechterung bei der Verbisssituation erreichte die für die Schutzfunktion der Bergwälder besonders wichtige Tanne 2018 mit 9 % (2015: 8 %) den höchsten Anteil in der Verjüngung seit Beginn der Inventuren, sie liegt aber auch aktuell immer noch deutlich unter den für einen stabilen Bergmischwald notwendigen Anteilen.
„Vielerorts in Bayern sind Wald und Wild miteinander im Einklang“, fasst Michaela Kaniber die Ergebnisse zusammen. Im Bergwald und in einigen anderen Regionen seien aber verstärkte Anstrengungen nötig. Auch die Zunahme der Verbissbelastung über alle Baumarten hinweg sollte für alle Beteiligten „ein Warnsignal sein, nicht nachzulassen“, gab Kaniber zu bedenken.

 

Das gesamte Forstliche Gutachten samt Grafiken finden Sie unter http://www.stmelf.bayern.de/wald/jagd/forstliches-gutachten/

Mit Material von StMELF