Biodiversität

Biotop Wald - von Lurch, Laich und Artenschutz

Thumbnail
LWF Freising
am Freitag, 30.11.2018 - 08:48

Wie Waldbesitzer mit wenig Aufwand zum Schutz der Lurche beitragen können

Thumbnail

Kammmolch, Gelbbauchunke und Springfrosch – das sind drei von insgesamt 21 heimischen Lurcharten. Alle haben eines gemeinsam: Ihre Population ist rückläufig. Woran das liegt? In erster Linie daran, dass in Deutschland vielerorts ihre typischen Lebensräume entweder verkleinert oder ganz zerstört wurden. Und hier kommt der Wald ins Spiel, denn für die meisten Arten spielt der Lebensraum Wald – zumindest für einen bestimmten Abschnitt ihres Lebenszyklus – eine wichtige Rolle.

Thumbnail

Unter den Begriffen Lurche oder Amphibien werden alle Landwirbeltiere zusammengefasst, die sich nur in Gewässern fortpflanzen können. Darum sind Lurche vom Vorhandensein geeigneter Laichgewässer abhängig – auch wenn sie die meiste Zeit ihres Lebens an Land verbringen.

Die Haut feucht halten

Geeignete Gewässer können Lurche auch im Wald finden. Dort fühlen sie sich auch sonst recht wohl – und das hat auch mit ihrer Haut zu tun: Denn die Lurchhaut ist nicht mit Schuppen, Federn oder Fell bedeckt, sondern nackt und somit den Umwelteinflüssen weitestgehend schutzlos ausgesetzt. Über Schleimdrüsen wird die Haut dauerhaft benetzt, was eine Sauerstoffaufnahme über die Körperoberfläche ermöglicht sowie den körpereigenen Wasserhaushalt reguliert. Zudem hilft der dünne glitschige Film auf der Haut bei der Flucht vor Fressfeinden.
Auf der anderen Seite sorgen direkte Sonneneinstrahlung und Trockenperioden aber für ein rasches Austrocknen der empfindlichen Amphibienhaut. Daher sind Amphibien überwiegend nachtaktiv, stark an Feuchtbiotope gebunden und suchen vor allem in feuchten, schattigen Lebensräumen wie dem Wald nach Rückzugsmöglichkeiten.

Die Waldbewohner

Und welche Arten sind in unseren Wäldern zu finden? Zu den typischen Waldbewohnern zählt der Feuersalamander. Er lebt überwiegend in feuchten Laubmischwäldern, besonders in denen, die reich an Buche sind. Hier nutzt er dickeres Totholz als Tageseinstand und begibt sich nachts auf die Jagd. Eine Besonderheit ist die Paarung der Feuersalamander, denn diese findet ausschließlich an Land statt. Nach einer gewissen Entwicklungsphase von mehreren Monaten legen die Weibchen keine Eier ab, sondern setzen bereits weit entwickelte Larven in flache, schattige Gewässer mit Ruhigwasserzonen ab.
Die Gelbbauchunke ist häufig in Süd- und Westdeutschland anzutreffen. Ihre überwiegend gelbe Unterseite ist mit schwarzen Flecken durchzogen. Sie ist optimal an dynamische – also sich stetig verändernde – Lebensräume wie Bach- und Fluss- auen angepasst. Heute besiedelt sie als wärmeliebende Art vor allem sekundäre Lebensräume wie temporär wasserführende, vegetationslose und sonnenexponierte Klein- und Kleinstgewässer wie Fahr- und Holzrückespuren, Waldtümpel und Wildschweinsuhlen.
Der Springfrosch mit einer Körpergröße von rund 6 bis 8 cm gehört neben dem Gras- und Moorfrosch (mit denen man ihn häufig verwechseln kann) zu unseren heimischen „Braunfröschen“. Er gilt als klassischer Waldbewohner, der Wälder und waldnahe Offenlandlebensräume bewohnt. Hierbei bevorzugt der Lurch Biotope mit hoher Krautschichtdeckung sowie ausreichend Totholz. Er nutzt eine Vielzahl von Laichgewässern, die vorzugsweise sonnenexponiert und stark bewachsen sind, zur Fortpflanzung.
Auch der Kammmolch ist in unseren Wäldern zu finden. Mit 16 cm ist er unser größter und gleichzeitig auch unser gefährdetster Molch. Seinen Namen verdankt er seinem tief gezackten Rückenkamm, welchen ausschließlich die Männchen in Wassertracht tragen. Er bewohnt neben dem Offenland auch Auwälder, dort vor allem besonnte, fischfreie Gewässer, die eine ausreichende Tiefe (über 1 m) aufweisen. Seine Landlebensräume liegen zumeist in unmittelbarer Gewässernähe. Hier findet man ihn unter Holz- und Steinhaufen, in Kleinsäugerbauten sowie im Wurzelbereich von Bäumen.

Lebensraum Wald

Für Lurche ist der Wald häufig für einen bestimmten Entwicklungsabschnitt (Fortpflanzung, Sommerlebensraum oder Winterquartier) von großer Bedeutung. Während der Paarungszeit im Frühjahr kommen mit Wasser gefüllte Fahrspuren auf Rückegassen, staunasse Senken, kleinere Tümpel und Waldweiher sowie Fließgewässer wie Waldbäche als Laich- und Aufenthaltsgewässer infrage. Daneben bieten vor allem naturnah bewirtschaftete Wälder für Lurche vielfältige Unterschlüpfe in Form von Kleinstrukturen wie Erdhöhlen und Kleinsäugerbauten, Ast- und Steinhaufen, mit Laub und Moos bedeckte Waldböden und faule Baumstämme. In den Sommermonaten finden Amphibien hier ihre Nahrung, die überwiegend aus Asseln, Mücken, Käfern, Schnecken und Würmern besteht.
Daneben sind solche Strukturen vergleichsweise feucht und bewahren in Verbindung mit dem schattenspendenden Kronendach die empfindliche Amphibienhaut in den Trockenperioden der Sommermonate vor dem Austrocknen. In den Wintermonaten fungieren diese Unterschlüpfe dank eines in der Regel stabilen Mikroklimas zusätzlich als frostsichere Überwinterungsquartiere.
Es zeigt sich also, dass den wichtigsten Beitrag zum Schutz von Amphibienpopulationen im Wald vor allem Waldgewässer in Verbindung mit nahe gelegenen Kleinstrukturen an Land leisten – denn die Arten weisen häufig nur eine eingeschränkte Mobilität von wenigen Hundert Metern auf. Der Besiedlungsschwerpunkt liegt überwiegend bei stehenden und langsam fließenden Gewässern.

Maßnahmen im Wald

Daraus lassen sich folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Lurchschutz ableiten:
  • Vorsicht bei Gewässern: Entlang stehender und langsam fließender Gewässer ist auf Unterhaltungsmaßnahmen möglichst zu verzichten.
  • Totholz belassen: Totholz im Wasser und am Uferbereich führt zum Entstehen von Ruhigwasserzonen, die etwa Feuersalamanderlarven vor dem Abdriften bewahren und ihnen gleichzeitig als Nahrungsquelle dienen – denn dort finden sie unter anderem Bachflohkrebse. Waldbäche und Entwässerungsgräben sind häufig sehr flach, somit sind sie weitestgehend fischfrei und arm an natürlichen Fressfeinden von Laich und Kaulquappen.
  • Neuanlage von Gewässern: Gewässer sollten dort angelegt werden, wo ein natürliches Gewässerpotenzial besteht. Dies ist häufig an grundwassernahen Standorten der Fall. Auch im Rahmen von Wegebau und Wegeinstandsetzungsmaßnahmen ist ein aktiver Lurchschutz möglich: Punktuelle Bodenverdichtungen an Wasserdurchlässen erzeugen. Das lässt Tümpel und flache Kleinstgewässer entstehen.
  • Fahrspuren und Schleifspuren erhalten: Wagenspuren sind für die Forstwirtschaft häufig ein Hindernis, jedoch für Lurche meist die einzigen Laichgewässer im Wald. Es sollte also versucht werden, zumindest einen Teil der Fahrspuren zu erhalten – idealerweise auf weniger stark befahrenden Wegen und Rückegassen. Um die Bodenverdichtung zur Wasserhaltung aufrechtzuerhalten und um zu vermeiden, dass die Fahrspuren zuwachsen, muss von Zeit zu Zeit eine Befahrung erfolgen.
Solche Befahrungen sollten aber ausschließlich im Herbst/Winter stattfinden ,um die Tiere während der Paarungs- und Laichzeit im Frühjahr nicht zu gefährden. Neben den Fahrspuren sollten auch Schleifspuren durch das Holzrücken nicht wieder mit Material verfüllt werden. Falls ein Verfüllen der Fahr- und Rückespuren unumgänglich ist, sollte dies ebenfalls erst in den Wintermonaten stattfinden.
  • Für Landlebensräume sorgen: Neben Laichgewässern bedarf es auch der Aufwertung nahe gelegener Landlebensräume. Förderlich ist hierbei eine naturnahe Waldbewirtschaftung: Laub- und Laubmischwälder mit einer gras- und krautartigen Bodenvegetation bieten ein ideales Nahrungs- und Versteckangebot. Hingegen ist das Insektenvorkommen auf vegetationsarmen Böden unter Nadelwäldern eher gering. Totholz bietet sichere Tageseinstände und Überwinterungsquartiere. Daher sollten im Wald Wurzelstöcke, Asthaufen oder auch stärkere Stämme von abgestorbenen Bäumen zu finden sein. Patrick Bilan

Wanderschaft der Lurche

Neben der besonders auffälligen Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern gibt es noch weitere Gründe für einen Ortswechsel. So führt die unterschiedlich stark ausgeprägte Mobilität der einzelnen Lurche zu erstaunlichen Wanderleistungen nicht nur zum Laichgewässer, sondern auch im Anschluss an die Fortpflanzung bei der Abwanderung in geeignete Sommerlebensräume, beim Umherstreifen innerhalb des Sommerlebensraumes zur Nahrungsaufnahme sowie im Herbst zur Aufsuche von passenden Überwinterungsquartieren.

Lurche im Jahresverlauf

Die Lebensweise der Lurche äußert sich entsprechend der Jahreszeiten in einer charakteristischen Art und Weise. Während der Wintermonate (November bis Februar) herrscht für Amphibien die denkbar ungünstigste Zeit im Jahr. Als wechselwarme Wirbeltiere bestimmt die Außentemperatur ganz maßgeblich die Körpertemperatur. Deshalb suchen sie frostfreie Winterquartiere auf, um vor der herannahenden Winterkälte sicher zu sein.

Nach der Überwinterung bricht für die geschlechtsreifen Tiere die Paarungs- und Fortpflanzungszeit an. Hierbei suchen sie für Ihren Nachwuchs geeignete Lebensräume auf. Spätestens dann treten sie für uns Menschen über die massenhaften Wanderungen zu ihren Laichgewässern in Erscheinung. Dabei werden von den Tieren oft mehrere hundert Meter zurückgelegt.

Nach der Fortpflanzung findet eine Abwanderung in geeignete Sommerlebensräume statt. Aufgrund von Trockenheit und den steigenden Temperaturen verbergen sich die Amphibien tagsüber in ihren Verstecken und gehen erst nachts auf Beutefang. Der Sommer dient auch der Anlage eines Fettdepots für den bevorstehenden Winter.

Info und Beratung

In Kürze erscheint ein Merkblatt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) über Amphibien im Wald – zu finden unter: www.lwf.bayern.de/service/publikationen. Auch beim Landesamt für Umwelt gibt es weitere Informationen.