Unfallverhütung

Baumfällung: Gefahr durch Kastenschnitt

Kastenschnitt
Wolfgang Brosche, SVLFG
am Donnerstag, 12.12.2019 - 16:44

Warum faule Bäume und der Kastenschnitt auf keinen Fall zusammenpassen.

Bei absterbenden Bäumen erzeugen Pilze im Bereich des Wurzelstockes Fäulnis. Aber: Ein vollkommen gesunder Erdstamm ist unbedingte Voraussetzung für einen Kastenschnitt. In der Praxis ist das aber leider noch nicht überall angekommen.

Als Teil der Ausbildung von Forstwirten trifft man auf das Thema Kastenschnitt gelegentlich auch bei Motorsägenschulungen. Ziel des Kastenschnittes soll sein, dass durch die Anlage der Kastenform, die Proportionen von Fallkerb, Bruchleiste und Fällschnitt für Ungeübte besser erkennbar werden und die geplante Fällrichtung genauer eingehalten werden kann.

Beim Kastenschnitt erfolgt der erste Schnitt in Fällrichtung rechts am Stamm, sodass die rechte Seite des Kastens entsteht – dabei wird der Wurzelanlauf bis zur Stammwalze entfernt. Anschließend wird der vordere Wurzelanlauf entfernt und dann auch der linke Wurzelanlauf. So wird der für diese Schnitttechnik namensgebende „Kasten“ hergestellt. In diesem Kasten wird nun der eigentliche Fallkerb eingesägt und hier entsteht auch die Bruchleiste. Die Stammgesundheit soll ein senkrechter Stechschnitt im Bereich des späteren Fallkerbes überprüfbar machen.

Wie aber können Schulungsteilnehmer zweifelsfrei erkennen, ob ein Stamm gesund ist oder nicht? Ausgeprägte Kernfäule wird für jeden beim Sägen spür- und sichtbar. Landet der Stechschnitt aber bei teilweiser Fäule im gesunden Holz, so führt dies zu einer falschen Beurteilung.

Wird aber die Fäulnis erst beim Einsägen des Fallkerbes erkannt, sind die Wurzelanläufe und das Splintholz im Bereich der Bruchleiste schon beigesägt. Die Bruchleiste ist so stark geschwächt, dass sie nicht mehr in der Lage ist, den Baum sicher zu führen. Hier sei an eine alte, aber natürlich immer noch geltende Regel erinnert: Faule Stämme niemals beischneiden und keine Splintschnitte anlegen.

Verursacht durch die Fehleinschätzung der Stammgesundheit können trotz perfekter Schnittführung schwere Unfälle die Folgen sein. Für wenig erfahrene Waldarbeiter erhöht daher die Anwendung dieser Schnitttechnik das Risikopotenzial. Erfahrene Waldarbeiter dagegen sind auch ohne Kastenschnitt in der Lage, Baumfällungen ordnungsgemäß durchzuführen. Zudem erzeugt der Kastenschnitt erhöhten Säge- und Zeitaufwand. Diese Technik sollte bei Motorsägenkurse nicht mehr gelehrt werden.