Aufräumen mit der Fräse

Wilhelm Kolb
am Dienstag, 16.02.2021 - 13:38

Eine Forstfräse kann bei der Waldpflege Hilfe leisten. Das Verfahren hat aber auch Nachteile.

Maier

Es scheppert und staubt im Wald bei Beutelsbach. Der Grund dafür ist Karl Maier – genauer gesagt seine Fräse. Hier standen einmal Fichten, jetzt findet man hier nur noch ihre Wurzelstöcke und Reste vom Schlagabraum – allerdings mittlerweile nur dort, wo die Fräse noch nicht gearbeitet hat.

Maier arbeitet hier in der Nähe von Passau im Auftrag des Waldbesitzers. Gemeinsam mit seinem Bruder Johann hat Karl Maier das Lohnunternehmen vom Vater übernommen.

Im Sommer 2020 haben sich die Brüder für die Anschaffung der Fräse entschieden. Denn aus ihrer Sicht eignet sie sich optimal zur Vorbereitung der Wiederaufforstung von Käfer- und Windbruchflächen. „Man kann solche Flächen nicht einfach brach liegen lassen, sondern muss die Hölzer wieder gepflegt in die Höhe bringen und so einen sinnvollen Waldumbau voran treiben“, erklärt Johann Maier.

Keine Zeit zum Ausmähen

Forst

Johann Maiers Erfahrung nach würden viele Waldbesitzer aufforsten wollen – wenn da nur nicht die Probleme mit dem Ausmähen wären. Meist habe man dafür weder Zeit noch Leute.

„Also zerkleinern wir mit unserer Fräse herumliegendes Holz und die Wurzelstöcke.“ Das zerstückelte Holz wird dann als Auswurf auf der Fläche gleichmäßig verteilt.

„So entsteht eine Humusauflage. Insgesamt ergeben sich optimale Bedingungen für die folgende Aufforstung, denn die Mulchauflage bildet einen Verdunstungsschutz, hemmt den Grasaufwuchs und verbessert auch noch die Fruchtbarkeit des Bodens“, ist Karl Maier überzeugt. Je größer die Fläche, desto größer sei auch der Nutzwert für den Waldbauern.

Zweimal wird über die Fläche gefahren

Forstfräse

Die Brüder arbeiten mit der Mulchfräse Prinoth-AHWI M 700, sie hat eine Arbeitsbreite von 2,30 m und ein Fräswerk (Rotorwirkdurchmesser 70 cm, 1200 U/Min.) mit 56 Meißeln.

Mit ihr wird zweimal über die Fläche gefahren: Die Zerkleinerung liegengebliebener Äste, Baumreste und der Wurzelstöcke erfolgt im ersten Schritt in Schubfahrt. Anschließend wird im zweiten Schritt in Zugfahrt das zerstückelte Holzmaterial nachzerkleinert und in die obere Bodenschicht eingearbeitet.

Dass der Einsatz der Fräse nicht nur Vorteile hat, wissen die Brüder aber auch. Zum einen „finde“ die Fräse eben alles – vom Draht über Pflöcke bis zu Betonklötzen. Das bedeutet zusätzlichen Arbeitsaufwand und kaputte Fräsmeißel. Etwa alle 50 Betriebsstunden müssen die Meißel aus gehärtetem und vergütetem Stahl erneuert werden – bei 30 € pro Stück mal 56 ist das ein erheblicher Kostenfaktor.

Zum anderen beeinträchtigt der großflächige Einsatz einer solchen Forstfräse die Bodenflora und -fauna, das ist auch Johann Maier bewusst: „Das ist für jeden Waldbesitzer eine Abwägung. Er muss entscheiden, ob die Vor- oder die Nachteile schwerer wiegen“, sagt er. Zu den Vorteilen des Fräseneinsatzes zählen die Brüder ganz klar die Erleichterungen bei der Pflege.

Fräsen dank Förderung machbar

Maier

Und wie die Pflege nach dem Einsatz der Fräse aussehen kann, zeigt Johann in einem Wald bei Haarbach mit einem Hochgrasmäher. Auch nach länger ausgesetzter Pflege sei damit ein zügiges Ausmähen möglich. Werde das zwei- bis dreimal im Jahr durchgeführt, könne das der Besitzer auch selbst mit dem Mähbulldog erledigen.

Für den Einsatz der Fräse im eigenen Wald hat sich auch Klaus Eder aus Martinstödling entschieden – und zwar auf einer 1,3 ha großen ehemaligen Käfer-Windwurffläche. Sie wurde im Sommer 2020 vorbereitet und im November bepflanzt. Nun stehen dort Ahorn, Buche, Douglasie, Lärche und Tanne.

Für Land- und Forstwirt Eder waren die beworbenen Vorteile verlockend – und der Einsatz der Fräse ein Test: „Ich bin bisher sehr positiv überrascht“, berichtet er. Ob er mehr seiner Flächen mit der Forstfräse bearbeiten lassen wird, hängt für ihn von der Käferentwicklung ab. Das Preis-Leistungsverhältnis sei jedenfalls in Ordnung. „Aufgrund der Förderung, die es für eine Wiederaufforstung gibt, ist das mit der Fräsmethode machbar“, sagt Eder.

Was genau kostet das Fräsen?

Aber was genau kostet das Fräsen eigentlich? Laut Johann Maier schlägt der Einsatz der Forstfräse mit etwa 35-45 ct/m² zu Buche – je nach den örtlichen Gegebenheiten. Die Berechnung erfolgt nach Stundensatz, an einem Tag kann eine Fläche von etwa 0,6 ha bearbeitet werden.

Pflegemaßnahmen empfiehlt Maier zwei- bis dreimal jährlich (Mai bis September) über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Pflege mit dem Hochgrasmäher kommt bei rund zwei angesetzten Stunden pro Hektar auf jeweils 100 € – Auftraggeber von Fräsarbeiten können den Mäher auch für etwa 25 €/Stunde bei den Brüdern ausleihen. Oder man macht es wie Eder. Er übernimmt die Pflege mit dem Aufsitzmäher selber – und kann sich hoffentlich dabei jedes Mal an seinem jungen Bestand erfreuen.

----------------