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Klimatoleranter Wald

Alte Wälder stehen unter Stress

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Externer Autor
am Mittwoch, 20.04.2022 - 07:56

Dass Wälder umgebaut werden müssen, um den Klimawandel ertragen zu können, ist unbestritten. Aber es dauert, bis Ergebnisse sichtbar werden. Die Richtung, in die es geht, wurde aber beim LWF-Statusseminar ein wenig klarer.

Alte Wälder müssen heute Standortbedingungen meistern, die sie nie zuvor erlebt haben.“ Das stellte Hans-Peter Dietrich von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beim 26. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung am Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan heraus. Bereits seit mehr als 30 Jahren werden laut Dietrich mit den bayerischen Waldklimastationen Klimadaten gesammelt und so die Veränderungen dokumentiert.

So ist ein Temperaturanstieg im Sommer von bis zu 2 °C im Verlauf der letzten 70 Jahre an allen Messstationen zu beobachten, was bei vielen Waldbäumen enormen Stress verursacht. Der Waldumbau hin zu klimastabileren Mischbeständen ist also auf großen Flächen dringend notwendig.

Nach Ansicht von Hubertus Wörner, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, zeigen diese Daten, wie wichtig die Forschung für die forstliche Praxis ist. Auch weil die Auswirkungen im Umgang mit dem Wald oft erst nach Jahrzehnten sichtbar werden. „Seit den Trockensommern 2018 bis 2020 zeigt sich im Wald eine bislang unbekannte und besorgniserregende Dynamik“, betonte Wörner vor rund 300 Forstpraktikern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an der online durchgeführten Tagung teilnahmen.

Waldumbau und Biodiversität

Ziel des ökologischen Waldumbaus ist neben einer besseren Klimaresilienz auch der Erhalt und wo möglich die Verbesserung der Biodiversität. Dr. Bastian Schauer und Dr. Thomas Kudernatsch, LWF, erwarten, dass durch den ökologischen Umbau von Fichtenwäldern in Mischwälder mit Buchen die Vielfalt an Tieren, Pflanzen, und Pilzen zunimmt. Dazu wurden 54 Flächen im Ebersberger Forst untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass im Untersuchungsgebiet die Kombination verschiedener Waldtypen mit unterschiedlich hohen Buchen- und Fichtenanteilen die höchste Gesamtdiversität mit sich bringt.

Libanonzeder und Stieleiche trotzen Dürre

Wie empfindlich die Jungpflanzen nicht heimischer Baumarten auf Trockenheit reagieren, haben Dr. Markus Schmidt und Viviana Horna von der Universität Bayreuth untersucht. Zwei Versuchsstandorte in Unter- und Oberfranken lieferten die Daten. Während sich Libanonzeder und die heimische Referenz-Baumart Stieleiche als eher trockentolerant erwiesen, reagierten die Westliche Hemlocktanne, die Orientbuche und die Silberlinde eher empfindlich. Bornmüller-Tanne und Riesenlebensbaum liegen im Mittelfeld. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Baumarten, die aus südlicheren Regionen stammen, nicht automatisch bei uns für den Anbau im Klimawandel empfohlen werden können. Vielmehr müssen zunächst vielversprechende Arten weiterhin intensiv erprobt und untersucht werden.

Einige seltene heimische Baumarten ertragen die Veränderungen durch den Klimawandel bislang anscheinend noch unbeschadet. Dazu zählen der Feldahorn, die Flatterulme, der Speierling und die Eibe. Im Zukunftswald könnten sie also eine größere Rolle spielen. Dr. Alwin Janßen und Dr. Muhidin Šeho vom Bayerischen Amt für Waldgenetik wollen die Versorgung mit qualitativ hochwertigem und herkunftssicherem Saat- und Pflanzgut für diese Arten sichern.

So konnten zum Beispiel ausgewählte Saatguternte- und Erhaltungsbestände in das bayerische Erntezulassungsregister aufgenommen werden. Damit wird eine langfristige Nutzung dieser wertvollen Bestände gewährleistet. Daneben ist geplant, Erhaltungsplantagen dieser vier Projektbaumarten aufzubauen.

Die Gefahrenschnell erkennen

Große Schadereignisse in den Wäldern werden häufiger. Dr. Christoph Straub und Rudolf Seitz, LWF, stellten die Möglichkeiten und Grenzen von Fernerkundungsdaten bei der Bewältigung von Schadereignissen im Wald vor.

Finanziert wurden die Forschungsprojekte vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Kuratorium für Forstliche Forschung berät über die Förderung der eingereichten Projektanträge. Die vorgestellten Projekte wurden überwiegend bei den drei Partnern im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan durchgeführt, der Technischen Universität München, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.