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Eine App zur Rinderzucht

Zuchtprogramm OptiBull: Elite-Partnerbörse für Kühe

Die Einstufungen aus der Exterieurbewertung fließen in die gezielte Anpaarung ebenso mit ein wie die Zuchtwerte. Feinjustierungen für die nächste Generation können somit vorgenommen werden.
Elisabeth Vogl, Dr. Sonja Hartwig-Kuhn - LKV Bayern & Bernhard Luntz - LfL Tierzucht, Grub
am Donnerstag, 01.12.2022 - 11:00

Zehn Jahre erfolgreiche Praxis mit dem Zuchtprogramm OptiBull: Nun soll das Update "OptiBull GzP" den Zuchterfolg nochmal steigern, denn damit wird die gezielte Anpaarung von Bullenmüttern noch besser abgestimmt.

Die Online-Anwendung OptiBull haben Fachleute vom Institut für Tierzucht in Grub und vom LKV Bayern für die züchterische Verbesserung in den MLP-Betrieben entwickelt. Das Programm wurde nun für die Anpaarung von Bullenmüttern erweitert. Potenzielle Bullenmütter werden über ein LKV-Programm aus der Population aller MLP-Kühe der Rassen Fleckvieh, Braunvieh, Gelbvieh und Pinzgauer an Hand ihrer Zuchtwerte vorselektiert. Dabei gibt es drei Tierkategorien:

  • Bullenmütter mit abgeschlossener erster Laktation,
  • Kalbinnen, die ihre erste Laktation noch nicht abgeschlossen haben und
  • Jungrinder.

Es gelten die Vorgaben der Zuchtverbände

Für eine optimale Anpaarung werden nach jeder Zuchtwertschätzung die besten Bullen als Bullenväter ausgewählt. Die Auswahl erfolgt durch die Kommissionen der Zuchtorganisationen. Die ausgewählten Tiere stellen somit die Elite ihrer Population dar.

Es gelten die Vorgaben der jeweiligen Zuchtverbände, da sie auch für das Zuchtprogramm die Verantwortung tragen. Hier lassen sich spezielle Einstellungen vornehmen. So werden Vorgaben zur Inzucht, Berücksichtigung von Erbfehlern und Gewichtung von Zuchtwerten bei der Berechnung voreingestellt.

Die hinterlegten Einstellungen im neuen OptiBull-Programm und das geübte Züchterauge der Fachberater ergänzen sich optimal. Ausschlaggebend dafür sind die Informationen aus der Milchleistungsprüfung, der Zuchtwertschätzung, der Abstammung und aus der Exterieurbeurteilung. Die selektierten Bullenmütter werden dafür vom Fachberater oder aber auch von den Nachzuchtbewertern in ihrem Exterieur beurteilt. Werden bei dieser Bewertung Schwächen im Exterieur dokumentiert, sucht das Programm nach einem geeigneten Bullen, der in der nächsten Rindergeneration eine entsprechende Verbesserung erwarten lässt.

Programm ermittelt optimalen Anpaarungswert

Kuhschwerpunkte-Optibull-Zuchtprogramm

Ausschlaggebend für die Bullenvorschläge ist der optimale Anpaarungswert. Dieser wird über den anteiligen Gesamtzuchtwert (Voreinstellung über Zuchtverband), den Schwerpunkten der Leistungszuchtwerte und den Exterieurmängeln aufsummiert. Zeigt ein selektiertes weibliches Tier Mängel, müssen Bullen Mindestanforderungen bei den Zuchtwerten erfüllen. Das kann dazu führen, dass nicht geeignete Bullen ausgeschlossen werden. Bei der Bullenauswahl zur Anpaarung an Jungrindern wird automatisch der paternale Kalbeverlauf berücksichtigt. Ebenso lässt sich in den Voreinstellungen die Auswahl natürlich hornloser Bullen festlegen.

Sind für das weibliche Tier die Schwachpunkte eingegeben, werden fünf Bullenvorschläge angezeigt. Je höher der Anpaarungswert eines Bullen, desto weiter vorne rangiert er.

Die Merkmale der Bullen auf einen Blick sichtbar

Vergleich_nach_Merkmalen-Optibull-Zuchtprogramm

In einer speziellen Grafik ist für den Fachberater schnell ersichtlich, in welchen Merkmalen der einzelne Bulle am besten passen würde. Ebenso zeigt das Programm an, wie häufig ein GzP-Bulle vom jeweiligen Zuchtverband bzw. in ganz Bayern bereits vorgeschlagen und eingesetzt wurde. Gleiches gilt auch für bereits typisierte männliche Kandidaten. Damit wird verhindert, dass ein Bulle zu häufig zum Einsatz kommt und eine ausgewogene Verteilung der Bullenväter wird unterstützt.

Bullen-Sperma wird auf Knopfdruck bereitgestellt

Darüber hinaus werden die Besamungsstationen und Zuchtbetriebe über den Bedarf an Samenportionen informiert. Somit ist OptiBull GzP auch für die effiziente Logistik von Samenportionen hilfreich. Die Vorschläge werden so generiert, dass Tierhalter bzw. Besamungsstationen ausreichend Zeit haben, um Sperma bereit zu stellen. Der Fachberater hat die Möglichkeit, sich diejenigen Tiere anzeigen zu lassen, die im gegebenen Zeitraum zur Besamung anstehen. Bei Jungrindern wird dazu das durchschnittliche betriebliche Erstbesamungsalter genutzt. Paarungsempfehlungen werden rechtzeitig ausgesprochen.

Landwirte werden per Brief, App oder E-Mail informiert

Hat der Fachberater alle nötigen Eingaben gemacht und sind die Bullenvorschläge berechnet, wird der Tierhalter informiert. Dazu schicken die staatlichen Mitarbeiter bisher noch Briefe an die Landwirte. Wie so oft ist auch hier die Zukunft digital. Künftig sollen Landwirte wählen können zwischen dem postalischen Versand und der Zustellung der Briefe per E-Mail. Zusätzlich werden die Vorschläge im LKV-Herdenmanager bzw. der LKV-Rind App erscheinen. Außerdem erhält der Tierhalter kostenlos über die LKV-Info App eine Push-Nachricht.

Dieser Gewinn an Effizienz in der Rinderzucht ist nur dank des intensiven und sicheren Datenaustauschs zwischen der Landesanstalt für Landwirtschaft, den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den Zuchtverbänden und Besamungsorganisationen und schließlich auch dem LKV Bayern möglich.

Die Organisationen machen den bayerischen Zuchtbetrieben damit ein ressourcenschonendes und nutzbringendes Angebot. Denn bei über 50 Zuchtmerkmalen und einem sich ständig ändernden Bullenangebot ist es auch dem besten Experten nicht möglich, alle Bullen mit ihren Stärken und Schwächen immer für die passenden Bullenmutter parat zu haben. Zukünftig werden die bayerischen Rinderrassen dadurch weiter gestärkt.