Biosicherheit

Zäune schützen die eigenen Tiere

ASP-Einzäunungen-Ruppert_B2_CDL
Dr. Konstanze Ruppert, LWK Niedersachsen
am Donnerstag, 19.11.2020 - 16:50

Derzeit ist beim Thema Afrikanische Schweinepest oft die Rede von Zaunbau. Dabei geht es um Zäune an der polnischen Grenze und um die ASP-Kernzone. Aber auch im eigenen Betrieb sorgen Einfriedungen für mehr Sicherheit.

Auf einen Blick

  • Eine Einfriedung der Schweinehaltung ist für größere Betriebe vorgeschrieben, aber auch für kleinere Betriebe sinnvoll.
  • Ein ca. 1,50 m hoher, engmaschiger Drahtzaun kann ausreichend sein, wenn keine Tiere in den Betrieb gelangen können.
  • Ställe sollten konsequent nur über eine Hygieneschleuse betreten werden.

Einfriedung der Schweinehaltung

ASP-Einzäunungen-Ruppert_B5_CDL

Schweinehalter sind dringend aufgefordert, ihren Betrieb gegen eine Einschleppung des ASP-Virus zu schützen und ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Ein wichtiger Punkt dabei ist eine Einfriedung der Schweinehaltung. Eine solche Einfriedung ist für größere schweinehaltende Betriebe vorgeschrieben, sie ist aber auch für kleinere Betriebe sinnvoll. Gesetzliche Grundlage ist die Schweinehaltungshygiene-Verordnung.

Danach sind reine Zuchtbetriebe mit mehr als 150 Sauen verpflichtet, ihren Betrieb einzuzäunen. Das Gleiche gilt für Mastbetriebe mit mehr als 700 Mastschweineplätzen und für gemischte Betriebe (Zucht und Mast) mit mehr als 100 Sauen. Bei Letzteren können die Mastschweine in Sauen umgerechnet werden, sieben Mastschweine entsprechen einer Sau.

ASP-Einzäunungen-Ruppert_B3_CDL

Für die Einfriedung gilt das Standortprinzip: Alle Schweineställe auf einer Hofstelle gehören zu einer seuchenhygienischen Einheit. Weiter entfernt liegende Ställe des Bestandes gelten als eigene Einheit. Eingezäunt werden muss alles was mit der Schweinehaltung zu tun hat. Dazu gehören die Schweineställe und deren Gebäudeteile, aber auch Rampen, Futtersilos, CCM-Silos, Einstreulager, Mistlagerstätten sowie die Wege und Flächen zwischen den Ställen.

Die Stallaußenmauern können Teil der Einfriedung sein, wenn sie geschlossen sind. Ausnahmen von der Einfriedungspflicht gibt es nur, wenn eine öffentliche Straße durch das Betriebsgelände führt. Dann muss jeder Teil separat eingezäunt werden und gilt als eigener Betrieb, mit allen Konsequenzen der Schweinehaltungshygiene-Verordnung. So muss jeder Teil eine Hygieneschleuse vorweisen, es muss jedes Mal vor dem Betreten bzw. dem Verlassen die Kleidung gewechselt werden. Diese Regelung zu „Spezialfällen“ bezüglich der Lage der Ställe muss mit dem Veterinäramt abgesprochen werden.

Die Tore stets schließen

ASP-Einzäunungen-Ruppert_B4_CDL

Nach den Ausführungsvorschriften zur Schweinehaltungshygiene-Verordnung kann ein rund 150 cm hoher, engmaschiger Drahtzaun als ausreichend angesehen werden, wenn keine Tiere in den Betrieb gelangen können. Diese Kriterien müssen auch die Tore erfüllen. Sie müssen geschlossen sein und dürfen nur bei Bedarf geöffnet werden. Es darf kein unbefugter Personen- und Fahrzeugverkehr möglich sein und das Eindringen von Wildschweinen muss verhindert werden.

Ein guter Zaun besteht zum Beispiel aus Doppelstabmatten oder Maschendraht, auch ein Wildzaun ist geeignet, wenn er unten engmaschig ist. Diese Zäune müssen stabil errichtet sein und sollten zum Beispiel durch Bodenanker oder Eingraben gegen Unterwühlen geschützt sein. Baustahlmatten haben eine zu große Maschenweite und sind nicht geeignet. Wenn diese Matten zudem noch flexibel auf Betonfüßen stehen, ist der Bodenabstand zu groß oder der Zaun könnte leicht weggedrückt werden.

Für eine Freilandhaltung ist ein doppelter Zaun im Abstand von 2 m vorgeschrieben, wobei der innere Zaun aus mehreren stromführenden Litzen bestehen kann. Der äußere Zaun muss mindestens ein 1,50 m hoher Wildzaun sein. Da die Freilandhaltung von Schweinen genehmigungspflichtig ist, sollte man sich schon im Vorfeld absprechen, zumal es regionale Unterschiede geben kann. Für die Auslaufhaltung ist ebenfalls eine doppelte Einzäunung vorgeschrieben. Es ist davon auszugehen, dass die Genehmigungen für die Freilandhaltung in Bayern in gefährdeten Gebieten widerrufen werden, wie es jetzt schon in Brandenburg der Fall ist. Betroffene Schweinehalter sollten sich deshalb rechtzeitig um Stallplätze für ihre Tiere bemühen. Die Auslaufhaltung wird im ASP-Fall auch nicht mehr erlaubt sein.

Die Kleidung wechseln

Der beste Zaun nützt nichts, wenn der betreuende Landwirt oder seine Mitarbeiter das Virus durch kontaminierte Kleidung oder Gegenstände in den Bestand bringen. Der beste Schutz für den Betrieb ist eine Hygieneschleuse oder eine Umkleidemöglichkeit – die auch benutzt werden muss! Die Ställe sollten also konsequent über eine Hygieneschleuse und nur nach Wechsel zu bestandseigener Schutzkleidung betreten werden. Diese muss beim Verlassen des Stalles wieder abgelegt werden. Es macht auch Sinn, bei mehreren Gebäuden oder Produktionseinheiten im Betrieb (beispielsweise Sauenstall und Flatdeck), vor jedem Stall zusätzlich die Kleidung oder wenigstens die Stiefel zu wechseln. Desinfektionswannen oder Ähnliches sind an jedem Stalleingang vorgeschrieben!

Kadaverlagerung

Eine weitere Gefahrenquelle bezüglich eines ASP-Eintrags ist die Kadaverlagerung. An der Übergabestelle treffen sich die Wege der im Stall tätigen Personen aus dem Betrieb und in den Betrieb zurück mit denen des Fahrzeugs/Fahrers des zuständigen Verarbeitungsbetriebes für tierische Nebenprodukte, VTN. Das stellt immer eine Gefahr für Ansteckung dar, da viele Betriebe nacheinander angefahren werden und auch an Infektionen verendete Tiere abgeholt werden. Der Standort für die Kadaverlagerung bzw. der Übergabestelle sollte deshalb stallfern, aber noch auf dem Betriebsgrundstück liegen. Ideal ist es, wenn sich die Kadaverlagerung in die Einzäunung integrieren lässt. Man kann sie dann von der Betriebsseite befüllen, die Abholung erfolgt von der Außenseite. Der Container kann auch auf der Innenseite der Einzäunung stehen und mit dem Kran des VTN-Fahrzeugs über den Zaun gehoben und entleert werden.
Dass keine Essensreste verfüttert werden und jagdlich aktive Personen die nötige Vorsicht walten lassen müssen, versteht sich von selbst. Schweinehalter sollten darüber hinaus andere Haustiere aus den Ställen fernhalten. Wichtig ist die konsequente Reinigung und Desinfektion aller Betriebsbereiche. Mit dem konsequenten Einhalten und Beachten der Biosicherheitsmaßnahmen sollte es möglich sein, ASP zumindest aus Hausschweinebeständen fernzuhalten.