Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Nutzierhaltung

Wolle und Zucht: Ein regelrechter Boom mit Alpakas

Alpaka-Weinfurter
Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Mittwoch, 07.12.2022 - 15:10

Alpakas erfreuen sich guter Nachfrage, egal ob für Wanderungen, als Haustier im Garten oder zur Wollproduktion. Familie Weinfurter züchtet die Tiere in Bayern und gewährt uns einen Einblick in ihren international, erfolgreichen Betrieb.

Zu den erfolgreichsten Alpakazüchtern Deutschlands zählen Cornelia und Daniel Weinfurter aus Trefling, Lks. Cham. Vor elf Jahren zogen die ersten Huacaya-Alpakas auf dem Betrieb im Bayerischen Wald ein. „Meine Frau wollte Schafe oder Ziegen, mein Vater hatte zu diesem Zeitpunkt eine Mutterkuhhaltung. Ich konnte aber beide überzeugen, dass unser Hof nur mit Alpakas eine Zukunft hat“, berichtet Daniel Weinfurter. Zu den Vorteilen dieser Tierart zählt, dass die Haltung wirtschaftlich ist, weil es viele Möglichkeiten gibt Geld zu verdienen: vom Woll- und Produkteverkauf über den Verkauf von Tieren an Hobbyhalter über Alpakawanderungen bis zu hochwertigen Zuchttieren. Wer Alpakas gewerblich hält, muss einen Sachkundenachweis ablegen (siehe Kasten).

Alpaka-Profis aus Neuseeland helfen beim Scheren

Wer einen Lehrgang zum Sachkundenachweis absolviert, erfährt einiges über die Besonderheiten von Alpakas, z.B. dass die Tiere ca. alle vier Monate Nagelpflege brauchen und jährlich geschoren werden müssen. Zum Scheren der Alpakas ist eine eigene Technik notwendig, weil man die Tiere nicht einfach wie Schafe hinlegen kann. Hierfür ließen Weinfurters schon mal Scherer aus Neuseeland einfliegen, denn das sind beim Thema Scheren die Profis. Mittlerweile haben Cornelia und Daniel Weinfurter es aber selbst gelernt. Dennoch kommen am großen Schertag immer noch Profis zur Unterstützung, damit das ganze schneller geht. Pro Tier werden ca. 2 – 5 kg Vlies gewonnen. Als landwirtschaftliches Nutztier anerkannt wird das Alpaka in Europa ausschließlich zur Fasergewinnung und nicht zur Fleischerzeugung.

Hobbyhalter sollten mindestens zwei Alpakas gemeinsam halten

Alpakas-Haltung-Weinfurter

Auch wenn sie recht einfach zu halten sind haben Alpakas – ihr Stockmaß liegt bei einem Gewicht von 50 bis 80 kg zwischen 80 und 100 cm – schon so ihre Besonderheiten: Sie haben einen Magen mit drei Kammern, sind aber keine klassischen Wiederkäuer wie wir sie hier kennen. Sie pflanzen sich in Sitzposition fort. Der Hengst ist mit zwei bis drei, die Stute schon nach 1,5 Jahren geschlechtsreif. Die Tragezeit dauert 11,5 bis 12 Monate. Und sie sind sogenannte Schwielensohler ähnlich einem Kamel. Ähnlich wie Lamas spucken die Alpakas zur Abwehr sowie bei Futterneid einen Magensaft. Zweimal pro Jahr müssen die Tiere entwurmt werden und einmal geimpft. Die Lebenserwartung der Alpakas beträgt 20 Jahre. Selbst nicht zur Zucht eingesetzte Tiere lassen sich gut an Hobbyhalter verkaufen. Dann sollten aber immer mindestens zwei Tiere zusammenstehen.

Mit Alpaka-Produkten auf dem Weihnachtsmarkt

Weinfurters haben sich verschiedene Wege aufgebaut, über die sie die Produkte der Tiere vermarkten. Für die Wolle bekommt man je nach Qualität bis zu 70 Euro/kg. „Manche Leute setzen dafür sogar wieder selbst ans Spinnradl und spinnen kleine Mengen. Große Mengen verkaufen wir nach Österreich zur Firma Grüne Erde“, erzählt Daniel Weinfurter, der bis auf die Coronazeit seinen gesamten Urlaub mit seiner Frau auf dem eigenen Stand auf dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis verbracht hatte. Nach zwei Jahren Pause sind sie heuer wieder dabei. „Hier nehmen wir immer zwei Tiere mit, die ein größeres Gehege mit Rückzugsmöglichkeit bekommen“, ergänzt Cornelia Weinfurter.

„Die Zucht war anfangs ein Hobby, das uns Spaß gemacht hat. Dann haben wir gemerkt, dass sowas Potenzial hat, und haben es intensiver betrieben“, erzählt Daniel Weinfurter. Mittlerweile sind die beiden mit ihren Tieren international bekannt und sehr erfolgreich. Außerdem haben sich Freundschaften mit Züchtern aus Amerika, Neuseeland und Australien ergeben.

Gesunde, gut erzogene Alpakas mit Wollqualität

„Wir legen Wert auf gesunde, hochwertige Zuchttiere, die eine gute Abstammung aufweisen“, betont der 37-Jährige. Dabei arbeiten sie mit australischer, neuseeländischer und amerikanischer Genetik und legen viel Wert auf Körperbau und Vlies. „Unser Ziel ist es gesunde, gut erzogene, anatomisch korrekte Alpakas mit toller Wollqualität zu züchten“, erklärt Weinfurter. Auf einer Show treten die Alpakas zunächst geschlechtermäßig und farblich getrennt in Altersgruppen gegeneinander an. So wird zuerst z.B. die beste braune Stute im Alter sechs bis zwölf Monaten gesucht, dann die im Alter von zwölf bis 24 Monaten und anschließend die älteren. Als nächstes treten dann nur noch alle Erst- und Zweitplatzierten über alle Altersgruppen in Braun an. Hier wird dann der Color Champion Titel vergeben, das heißt die beste braune Stute über alle Altersklassen. Dies wird so über alle gut sechs verschiedene Farbklassen gemacht. Danach wird der Grand Champion Stuten ermittelt. Hierfür treten alle Colorchampions in den unterschiedlichen Farben gegeneinander an. Dasselbe wird natürlich auch bei den Hengsten gemacht und am Ende tritt die beste Stute gegen den besten Hengst an und dann wird das Best of Show-Alpaka gekürt.

Auf einer Show können schon mal mehrere hundert Alpakas sein. Die „Sun Star Alpacas“-Zucht, wie sich die Weinfurters nennen, konnte diesen Best of Show-Titel in den letzten Jahren bereits fünfmal gewinnen. Besonders hervorzuheben ist hier Sun Star Domingo, der sich diesen Titel im Showjahr 2021/2022 gleich dreimal sicherte. Für diesen Ausnahmehengst gibt es nach seinen unglaublichen Showerfolgen zahlreiche Deckanfragen. Dennoch haben Weinfurters beschlossen, ihn nur für die eigene Zucht einzusetzen. Lediglich eine einzige frei käufliche Deckung auf einer Versteigerung auf der Alpakashow in Alsfeld haben sie angeboten. Diese ging für einen Rekordpreis von 4700 € weg und dieser Betrag wurde für den Showveranstalter gespendet.

Farbe des Alpaka-Fleece bestimmt den Preis der Wolle und Zuchttiere

Alpaka-Vlies-Fell

Für ihre Alpakas bewirtschaften sie derzeit eine Fläche von 4 ha von dem insgesamt 7 ha großen Betrieb. Entscheidend für die Zucht und den Wert der Tiere sind der Mikrowert und die Dichte des Fleece sowie der sogenannte Crimp, mit dem man die Wellung der einzelnen Fasern bezeichnet. Die durchschnittliche Faserstärke liegt zwischen 14 und 30 Mikron (tausendstel Millimeter). Zudem bestimmt die Farbe des Tieres – es gibt insgesamt 22 verschiedene Farbschläge – den Wert des Wollpreises und den für die Zuchttiere.

Die Farbpalette reicht von weiß über verschiedene Brauntöne bis hin zu grau und tiefschwarz. Dadurch bietet sich die Wolle besonders für naturbelassene Produkte an. Besonders rein schwarz und weiß sind begehrt. „Weiße Tiere sind gigantisch gut, weil gerade fast nur Alpakas diese Farbe in Peru im Ursprungsland der Alpakas gezüchtet werden“, berichtet Daniel Weinfurter. Bemerkenswert ist auch der natürliche Glanz der Faser.

Alpakawolle ist gut für Allergiker geeignet

Alpakawolle hat andere Eigenschaften als Schafwolle. Da sie kein Lanolin enthält, schmiert sie nicht und ist antiallergisch. Ihre guten Eigenschaften hat sich die Wolle der besonderen Lage der Alpakas in Südamerika angeeignet. Denn dort leben die Tiere in extremer Höhe mit tagsüber heißem und trockenem Klima und abends klirrender Kälte. Dadurch isoliert die Alpakawolle extrem gut bei Kälte aber auch bei Hitze und ist somit temperaturausgleichend. Da die Alpakawolle extrem fein ist, kratzt sie nicht und ist fünfmal wärmer als Schafwolle. Weil sie aufgrund dieser Eigenschaften so begehrt ist, wird Alpakawolle auch als Gold der Inkas bezeichnet. Da sie ihre Zuchttiere auch nach der Wollqualität auswählen, lassen Weinfurters die Wolle jedes einzelnen Alpakas auf die Qualität hin untersuchen. Dafür senden sie Faserproben nach Irland. Nach dem Scheren und der Aufteilung der Wolle in die verschiedenen Fraktionen wird diese von speziellen Betrieben aufbereitet und gereinigt.

Weinfurters vermarkten die Produkte aus der Wolle ihrer Tiere von den Socken bis zur modischen Winterjacke, die federleicht ist und doch pudelwarm macht, in ihrem kleinen Hofladen sowie online. Dabei kann man sich im Internet sogar die regional handgestrickte Wollmütze mittels eines Konfigurators selbst zusammenstellen. Außerdem gibt es Naturseifen, gewebte Teppiche, Betten sowie Roh- und Strickwolle.

Für jede Nutzung gibt es spezielle Alpakas

Weinfurters verkaufen ihre Tiere an Züchter und an Hobbyhalter. Diesen raten sie, sich vorher zu überlegen, was man mit den Alpakas vorhat: vom Rasenmäher, Wanderbegleiter, Therapietier, Helfer bei Kindergeburtstagen oder der Gründung einer eigenen Alpakazucht. „Für jeden Fall sind verschiedene Alpakas geeignet und solche Alpakas sollte man dann kaufen“, erklärt Cornelia Weinfurter. „Für die Hobbyhaltung, sprich Rasenmäher, wenn man Alpakawanderungen, Kindergeburtstage oder Alpakatherapie anbieten will, sind am besten Hengste geeignet. Solche Hengste geben wir ab ca. sieben Monate ab. Dann sind sie geimpft und am Halfter trainiert.“ Ab 1 ½ bis 2 Jahre schlagen Weinfurters vor, die Hengste kastrieren zu lassen. So geht man dem Risiko weitgehend aus dem Weg, dass es Probleme in der Gruppe gibt. „Wir raten beim Alpakas kaufen ab, wenn man diese nur als Hobbyhaltung halten will, sich für günstige Stuten zu entscheiden. Diese Stuten sind nicht umsonst so günstig. Meistens haben sie irgendwelche Defekte. Viele Defekte sind auf dem ersten Blick nicht zu sehen, sie sind von der Wollqualität sehr schlecht und haben keinen genetischen Hintergrund“, erklärt Weinfurter.

Wer eine Alpakazucht beginnen möchte, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies die aufwendigste Variante der Alpakahaltung ist. Man sollte hier mindestens 1,5 ha Fläche zur Verfügung haben, mehrere Weiden und Ställe, damit man wechseln kann und die Anfangsinvestition ist hoch. Die Zucht sollte man mit mindestens zwei bis drei Stuten beginnen.

Das Deckgeschäft läuft von April bis September

Die Stute legt sich zum Decken hin, nach zehn Tagen spuckt sie den Hengst an, wenn der Deckackt geklappt hat. Weinfurters haben extra Boxen für fremde Stuten, da sie viel Wert auf Hygiene legen. Nach jeder Stute wird der Stall abgeflammt, um mögliche Parasiten und Würmer zu bekämpfen. Bei Stuten fordern Weinfurters einen Clamydienabstrich.

Zwei Hengste oder zwei Stuten bilden jeweils eine Gruppe. Von einer Haltung von Hengsten und Stuten zusammen ist abzuraten. Die Wiederkäuer benötigen strukturreiches Futter: Gras, Heu und Wasser sind ausreichend. Zur Mineralversorgung bekommen sie spezielles Mineralfutter. Da Alpakas sehr gute Futterverwerter sind, dürfen keine weiteren Futtermittel wie z.B. Äpfel, Karotten, Getreide usw. gefüttert werden.

Weinfurters halten mittlerweile über 100 Alpakas und verkaufen die Tiere europaweit. Vor allem in Österreich und Polen gibt es einen guten Markt. Seit drei Jahren bieten sie in Österreich einen mobilen Deckservice an. „Die letzten Jahre sind wir selbst in Österreich als mobiler Deckservice gefahren, mittlerweile haben wir einen Partnerbetrieb gefunden, der das für uns übernimmt. Somit können wir nun ab 2023 einen mobilen Deckservice in Deutschland anbieten“, berichtet Daniel Weinfurter.

Die qualitativen Unterschiede bei der Alpaka-Zucht sind enorm

Alpaka-Seminarhaus-Weinfurter

Nur wer gut züchtet, kommt auch voran, aber: Alpakas haben derzeit einen Boom wie kein anderes Tier. Dennoch planen Weinfurters bereits weiter: Sie richten einen Seminarraum ein, in dem Daniel Weinfurter Kurse z.B. über Haltung, Pflege etc. geben wird. Später sollen z. B. professionelle Alpakaexperten aus der gesamten Welt darüber referieren, worauf es in der Zucht ankommt.

Wer bei Familie Weinfurter Alpakas kaufen will, bekommt eine umfangreiche Betreuung. So werden Interessenten z.B. darin geschult, wie man Nägel schneidet, Kotproben nimmt und welches Mittel bei welchem Wurm wirkt. Bei Alpakas gibt es bei manchen gängigen Entwurmungsmittel Resistenzen. Das kann mitunter tödlich ausgehen. „Es ist extrem wichtig, die Kunden zu beraten. Denn Tierärzte haben oft noch nicht den tiefen Einblick bei den Alpakas“, meint Daniel Weinfurter.

Großer Betriebserfolg mit Alpakas

„Die Alpakazucht hat uns ermöglicht, unseren landwirtschaftlichen Betrieb mit wenig maschinellen Aufwand weiterzuführen“, erzählt Cornelia Weinfurter, die vor gut vier Jahren ihren Beruf aufgegeben hat und sich nun ganz der Arbeit auf dem Betrieb widmet. „Wir sind breit aufgestellt, suchen unseren Endkunden selbst und sind somit preislich unabhängig. Vom kleinsten landwirtschaftlichen Betrieb im Dorf haben wir uns in wenigen Jahren zu einem finanziell soliden entwickelt, der weit über die Landesgrenzen für seine Qualität bekannt ist“, berichtet die 35-Jährige stolz. Dazu gehören auch die Ferienwohnungen im Blockhaus mit Alpakaerlebnis. Hier kann man sogar von der Badewanne aus den Alpakas zuschauen. Ganz neu soll es 2023 eine Ferienwohnung mit Baumhaus inmitten der Alpakaweide geben.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt