Artenschutz

Wölfe breiten sich immer mehr aus

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 30.10.2020 - 12:41

Innerhalb eines Jahres haben die Wolfsrudel in Deutschland um knapp 22 Prozent zugenommen. Die Jäger rechnen mit deutlich mehr.

Wolfsrudel

In Deutschland leben immer mehr Wölfe. Im Monitoringjahr 2019/2020 gab es 128 Wolfsrudel in Deutschland. Das geht aus den amtlichen Erhebungen der Bundesländer hervor. Im Jahr zuvor waren es noch 105 Rudel, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mitteilt. Das sind knapp 22 Prozent mehr.

Das Wolfsvorkommen konzentriert sich wie in den Vorjahren auf das Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen nachgewiesen.

Laut BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel konnte erstmals seit zehn Jahren wieder ein sesshafter Wolf in den bayerischen Alpen bestätigt werden.“

Brandenburg an der Spitze

Die meisten Wolfsrudel leben im Wolfsjahr 2019/2020, das vom 1. Mai bis 30. April reicht, in Brandenburg (47), gefolgt von Sachsen (28) und Niedersachsen (23).

Neben den 128 Rudeln sind 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzelwölfe für 2019/20 bestätigt. Im vorhergehenden Monitoringjahr 2018/19 wurden lediglich 105 Rudel, 41 Paare und zwölf Einzelwölfe nachgewiesen.

Die meisten Wölfe sterben durch Verkehrsunfälle

Die Anzahl aufgefundener toter Wölfe (Totfunde) hat sich im Vergleich zum Monitoringjahr 2017/18 verdoppelt. Waren es im Monitoringjahr 2017/2018 noch 61 tote Tiere, waren es im Monitoringjahr 2018/2019 100 und 2019/2020 bereits 126 Totfunde.

„Nach Verkehrsunfällen ist die illegale Tötung die zweithäufigste Todesursache. Auch die absoluten Zahlen sprechen bei den Ursachen eine deutliche Sprache: Von den insgesamt 126 tot aufgefundenen Tieren sind 98 im Verkehr gestorben. Elf Wölfe wurden illegal getötet; darüber hinaus wurde bei weiteren sieben verunfallten Tieren bei den Untersuchungen illegaler Beschuss festgestellt.

Die BfN-Präsidentin weist daher nochmals darauf hin, dass der Wolf eine streng geschützte Art sei. Das illegale Nachstellen und das Töten von Wölfen sind strafbar.

Jagdverband: Zahlen klein gerechnet

Nach Ansicht des Deutschen Jagdverband (DJV) rechnet das BfN den Bestand weiterhin klein. Die Zahlen sind laut DJV bereits über ein halbes Jahr alt und berücksichtigen den Nachwuchs vom Frühjahr 2020 nicht. Auf Basis von Literaturwerten für Europa leben pro Rudel etwa 8 bis 10 Tiere. Nach DJV Hochrechnungen lebten bereits im Frühjahr 2020 rund 1.800 Wölfe in Deutschland.

Nach Angaben der offiziellen Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) liegt die Vermehrungsrate des Wolfs seit einigen Jahren bei über 35 Prozent jährlich.

"Wir fordern künftig eine zeitnahe und an der realen Situation ausgerichtete Informationspolitik", sagte DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Im Extremfall anderthalb Jahre alte Zahlen seien nicht nachvollziehbar, die Bevölkerung im ländlichen Raum habe kein Vertrauen mehr.

Rukwied fordert Bestandsbegrenzung

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, äußert sich auf Grund der amtlich bestätigten Zahlen sehr besorgt über die stark zunehmende Ausbreitung des Wolfes in Deutschland. Die Zahl der Wölfe in Deutschland ist laut DBV-Präsident inzwischen deutlich zu hoch. Der Wolfsbestand müsse begrenzt werden.

Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz dürften nicht länger die Augen vor den Existenzsorgen der Weidetierhalter und den Ängsten der Menschen im ländlichen Raum verschließen. "Jetzt nicht regulierend einzugreifen, ist fahrlässig. Die Zunahme an Rissen lassen eine Weidetierhaltung bald nicht mehr zu,“ warnt Rukwied.