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Grünland

Das Wetter macht Tempo

Gras häckseln
Barbara Misthilger, LfL Tierernährung, Grub
am Mittwoch, 11.05.2022 - 08:57

LfL-Grünlandmonitoring: Fast in ganz Bayern werden die Wiesen silierreif

Vieles können wir in der heutigen Zeit frühzeitig planen und gut organisieren, aber beim Wetter sind uns die Hände gebunden. Es kommt, wie es kommt – so auch dieses Jahr. Im April herrschten statt frühlingshaften eher herbstliche Temperaturen. Im Mai kommt dann gleich der Hochsommer mit Sonne und Temperaturen von fast 30 °C. Auch die Mengen an Niederschlägen können nicht unterschiedlicher sein. Sowohl der März als auch der April waren in ganz Bayern zu trocken. Dann kam der ersehnte Regen mit sehr unterschiedlich verteilten Mengen.

Die Niederschläge und wärmeren Temperaturen treiben das Wachstum deutlich an. Folglich nimmt die Verholzung der Gräser zu. Das zeigen die ADFom-Gehalte, die jetzt in den südlichen Agrargebieten im Mittel bei 237 g/kg TM liegen und innerhalb einer Woche um 25 g/kg TM zunahmen. Um den gewünschten Energiegehalt von 6,6 MJ NEL/kg TM im Siliergut zu erhalten, sollten die ADFom-Gehalte nicht oberhalb von 260 g/kg TM liegen, da sonst der Energiegehalt rasch absinkt.

Auch der Alterungsprozess schreitet jetzt zügig voran. Mit dem zunehmenden Strukturanteil in der Pflanze sinkt der Anteil an Eiweiß. In den Agrargebieten Voralpines Hügelland und Tertiärhügelland sind die Gehalte mit 141 bzw. 150 g/kg TM deutlich abgesunken. Auch im Agrargebiet Alpenvorland hat sich der Gehalt an Eiweiß deutlich auf 163 g/kg TM reduziert. In den Agrargebieten Jura, Keuper und Nordbayerisches Hügelland sowie Ostbayerisches Mittelgebirge Süd liegen die Gehalte bei 177 g/kg TM. Die Wiesen in den Agrargebieten Ostbayerisches Mittelgebirge Nord sind mit 186 g/kg TM noch deutlich eiweißreicher.

Die Entwicklung der ADFom- und Eiweißgehalte zeigt, dass in den Agrargebieten Jura, Keuper und Nordbayerisches Hügelland bzw. Alpenvorland in der kommenden Woche die Silierreife bzw. der Bereich des optimalen Schnittzeitpunkts erreicht ist. Im Agrargebiet Ostbayerisches Mittelgebirge Süd ist die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. In den Gunstlagen sind dort die Grasbestände in der kommenden Woche ebenfalls silierreif, wohingegen in den höheren Lagen (Bayerischer Wald) noch abgewartet werden kann. Das gilt auch im Agrargebiet Ostbayerisches Mittelgebirge Nord.

Die Inhaltsstoffe der beprobten Wiesenbestände zeigen, dass in allen Agrargebieten die Qualitäten im Siliergut für den 1. Schnitt im gewünschten Bereich liegen und – anders als letztes Jahr – auch optimal ins Silo gebracht werden können. Denn die Klasse ist am wichtigsten, die Menge steht an zweiter Stelle.

Durchschnittlich liegt bei einem 1. Schnitt der Trockenmasseertrag (TM-Ertrag) bei ca. 30 dt/ha. In den südlichen Agrargebieten wird dies heuer erreicht werden, wobei die TM-Erträge regional sehr stark streuen. Besonders in den nördlichen Agrargebieten sind die mittleren TM-Erträge mit 21 dt/ha bis jetzt deutlich niedriger. Die Erträge werden dort durch die wüchsigen Bedingungen zwar steigen, dadurch verholzen die Gräser aber schneller.

Bei knappen Flächenerträgen ist es wichtig, frühzeitig zu planen, wie lange der Schnitt in der Fütterung ausreicht. Anhand der Abmessungen des Silostocks kann das Volumen abgeschätzt werden und daraus über die durchschnittliche Dichte von 600 kg FM bzw. 200 kg TM (bei 30 – 35 % TM) pro m3 die vorhandene Masse. Über die verfütterte Menge pro Tier und Tag lässt sich daraus berechnen, wie lange das Futter reicht.