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Methan-Emissionen

Wertvolle Gülle mit Hilfsstoff emissonsarm lagern

Gülleausbringung
Andreas Franzl, Landesarbeitskreis der Berater der Düngerindustrie/LAD Bayern
am Donnerstag, 27.10.2022 - 11:59

Methan in den Güllegruben ist ein Klimaproblem. Wenn Landwirte verpflichtet werden, das Gas baulich zurückzuhalten, wird es teuer. Besser könnte es sein, das Gas in der Gülle zu binden. Ein Aufbereitungsmittel steht in der Testphase.

Eminex-Versuch_B1-2

Methan entsteht in der Tierhaltung, das lässt sich nicht vermeiden. Die Ausnahme gibt es in jenem Methan-Anteil, der erst in den Güllekanälen und in der Güllegrube entsteht – hier gibt es Potenzial, Methanemissionen zu reduzieren. Und dieser Anteil könnte bei weitem höher sein, als bisher angenommen. Das lässt das kürzlich vorgestellte Emidat-Projekt vermuten.

Bislang wurde davon ausgegangen, dass 20 % der „Methanemissionen Landwirtschaft“ während der Lagerung und 80 % bei der Verdauung der Tiere entstehen. Die Erkenntnisse aus dem Emidat-Projekt deuten eher auf ein Verhältnis von 50 zu 50 hin. Grund hierfür sind beispielsweise die mittlerweile vorgeschriebenen, deutlich längeren Lagerzeiten von flüssigen Wirtschaftsdüngern.

Gülle mit Mittel aufbereiten

Der Blick auf die Oberfläche offenbart bereits Unterschiede: Die Rohgülle mit Güllezusatz (l.) bedeckt lediglich eine weiche, ledrige Haut und die Rohgülle ohne Güllezusatz bildet eine Schwimmdecke.

Einen neuen Lösungsansatz könnte das Gülle-Aufbereitungshilfsmittel Eminex bieten. Es macht die Güllelagerung umweltfreundlicher, hilft gleichzeitig Probleme wie Schaum- und Schwimmschichtbildung zu vermeiden und verbessert die N-Effizienz. Forschungseinrichtungen wie das Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökologie, die Universität Bonn, die HBLFA Raumberg-Gumpenstein und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, bestätigten die methanreduzierende Wirkung.

  • Untersuchungen in Raumberg-Gumpenstein:Über drei Monate hinweg wurden die Auswirkungen auf Emissionen von Rindergülle in der Lagerphase beobachtet und analysiert. Die Messungen während des Versuchs ergaben einen höchst signifikanten Unterschied von behandelter zu unbehandelter Gülle: Die behandelte Gülle emittierte 89 % weniger Methan, sowie weniger CO2 und Lachgas. Die Lachgasfreisetzung wurde von 5,3 l auf 1,4 l reduziert. Diese Wert ist zwar gering, jedoch ist Lachgas aufgrund seines hohen Treibhausfaktors von 310 nicht zu unterschätzen.
    Im Versuch zeigte sich, dass die Gülle im behandelten Behälter keine Schwimmdecke bildete. Die Gülle zeigte lediglich eine dünne, ledrige Haut, welche aber durch die Umwälzung der Rührintervalle einfach aufgebrochen werden konnte. Im Gegensatz zum anderen Güllebehälter bildete die Rohgülle ohne Behandlung eine deutlich mächtigere Schwimmdecke aus, welche auch durch die kurzen Rührintervalle im letzten Drittel der Messperiode nicht mehr vollständig durchbrochen werden konnte.
  • Die Ergebnisse aus Weihenstephan-Triesdorf: In einem Gefäßversuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wurde die ammoniumstabilisierende Wirkung des Güllezusatzstoffes unter standardisierten Bedingungen (150 g Bodden PP-Gefäß, Güllemenge entsprechend 20 m3/ha und Klimaschrank 15 °C) im Vergleich zur unbehandelten Gülle geprüft. Der Ammonium- und Nitratgehalt des Bodens wurde über einen Zeitraum von 70 Tagen an neun Terminen gemessen.
    Die Ergebnisse zeigen eine eindeutige ammoniumstabilisierende Wirkung der behandelten Gülle. Bei der unbehandelten Gülle ist nach ungefähr 15 Tagen in dem Versuch kein Ammonium-Stickstoff mehr vorhanden. Anders verhält es sich bei der Gülle mit Zusatz. Nach ungefähr 40 Tagen konnte fast noch die Hälfte des Ammonium-Stickstoffs gemessen werden. Die Ergebnisse zeigen, eine stärkere Ammoniumstabilisierung in der behandelten Gülle, wodurch auch von einer Steigerung der N-Effizienz ausgegangen werden kann.

Fazit und Ausblick in die Zukunft

Neben den agronomischen Wirkungen, welche die Landwirte mit Erfolg nutzen, treten nun doch die Klimaaspekte mehr und mehr in den Vordergrund. Erste Landkreise und Modellregionen wie Freyung-Grafenau oder Chiemgau wollen einen Klimapakt im Umfeld Landwirt/Tierhaltung, Verbraucher, örtlicher Unternehmer, Kommunen und Verbände schließen. Hier sieht man im begleiteten Einsatz von Eminex eine wirksame und sinnvolle Maßnahme, um eine klimaschonende und zukunftsorientierte Tierhaltung zu sichern.

Sollten sich zusätzlich die wissenschaftlichen Ergebnisse an der Hochschule Weihenstephan bestätigen und sich somit bei praxisüblichem Einsatz des Produkts auch eine ausreichende stickstoffstabilisierende Wirkung in Bezug auf Ammonium im Boden zeigen, wäre das ein wichtiger Zusatznutzen in Hinblick auf die Stickstoffeffizienz und Umweltschonung von Gülle.

„Die Gülle war den ganzen Sommer über homogen“

Betrieb Feicht, Brannenburg/Obb.: „Wir riechen unsere Tiere wieder.“ In absolut idyllischer Lage steht der neue Laufstall für 50 Kühe mit Nachzucht der Familie Feicht. Die Güllelagerung erfolgt im Keller unter den Tieren. Starke Schaumbildung in der Gülle veranlasste den Betrieb das Gülleaufbereitungs-Hilfsmittel Eminex einzusetzen. Am 3. Dezember wurde durch Umpumpen 1 kg pro m³ der Gülle hinzu dosiert. Der Schaum ist innerhalb von Minuten in sich zusammengefallen und hat sich während der gesamten Lagerzeit nicht erneut gebildet. „Die Gülle blieb den ganzen Winter flüssig, es gab keine Schaumprobleme mehr und ich rieche unsere Tiere wieder, sogar beim Aufrühren und Umpumpen. Zudem überraschte uns die Düngewirkung. Unsere Wiesen zeigten sich durchwegs sehr gleichmäßig und frohwüchsig und hoben sich von Vergleichsflächen ab“, berichtet Florian Feicht.

Betrieb Aigner, Wurmannsquick/Ndb.: „Ob Stall oder Grube, die Gülle war den ganzen Sommer über homogen.“ Familie Aigner mästet Charolais-Bullen und ist ein mittleres Lohnunternehmen mit Häckselkette für Mais und Grünland. Der Betrieb bewirtschaftet 7 ha Grünland und 26 ha Ackerbau im niederbayerischen tertiären Hügelland. Eine gute Bodenstruktur und ein effizienter Einsatz von Gülle ist Peter Aigner sehr wichtig. Homogenere Gülle, sowohl im Stall als auch in der Grube und bei der Ausbringung, war das Ziel der Anwendung. Das Produkt wurde zweimal wöchentlich am Beginn der Spaltenkanäle mit 1 kg pro m³ Neuanfall von Gülle eingebracht und mit etwas Wasser nachgespült. Es zeigte sich sehr schnell, dass sich im Stall und in der Güllegrube keine Schwimmschicht bildete und die Gülle teilweise sogar ohne Aufrühren ausgebracht werden konnte.