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Herdenschutz per App

Weidezäune per App überwachen

Der Weidezaun ist eine wichtige Einrichtung, um Weidetiere zu schützen. Überwachungssysteme können helfen, die Funktion zu kontrollieren.
Helga Gebendorfer
am Freitag, 25.11.2022 - 08:04

Praktiker berichten über ihre Erfahrungen mit Systemen zur Zaunüberwachung

Weidetierhaltern bietet der Einsatz automatischer Zaunüberwachungssysteme mit wenigen Klicks auf dem PC oder Benachrichtigungen aufs Handy die Möglichkeit, die Spannung der Zäune überprüfen zu können. Auf diese Weise werden sie bei Spannungsabfall sofort informiert und können rasch Maßnahmen ergreifen – sowohl bei Ausbrüchen als auch Übergriffen durch Raubtiere. In einem Online-Seminar des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) gaben drei Praktiker ihre Erfahrungen mit Zaunüberwachungssystemen zur Weidesicherheit weiter.

Jens Cordes bewirtschaftet im niedersächsischen Stuckenborstel einen biologisch-dynamischen, gut 120 ha großen Betrieb. Die LN teilt sich auf in 40 % Ackerland mit Schwerpunkt Futtergetreideerzeugung, 45 % Grünland mit Schwerpunkt Rinderweiden und Silageerzeugung für die eigenen Mastrinder sowie 15 % Hecken und Naturschutzgebiete, wo Heu für die Mastrinder und lokale Pferdehaltung erzeugt wird. Die Demeter-Weiderinder werden von Frühjahr bis Herbst auf der Weide gehalten. Die Rinderweiden sind eingefasst mit einem Herdenschutzzaun mit fünfreihigem Draht auf 20, 40, 60, 90 und 120 cm Höhe. Alle Elektrozaungeräte sind solarbetrieben sowie digital überwacht.

Mindestens 4000 Volt für optimale Wolfsabwehr

„Sichere Weidetierhaltung ist gelebter Herdenschutz“, stellte Cordes fest. Für eine optimale Wolfsabwehr sollte an jeder Stelle des Zaunes eine Spannung von mindestens 4000 Volt (bei sehr trockenen Bodenverhältnissen 5000 Volt) vorhanden sein. Dadurch soll gewährleistet werden, dass auch unter sich schnell ändernden Bedingungen (z. B. Regenschauer oder falls ein Baum auf den Zaun fällt), eine sichere Zaunspannung von 2000 Volt aufrechterhalten wird. „Dies ist durch tägliche Kontrolle mittels Zaunprüfer sicherzustellen. Ein geeignetes Messgerät muss vorhanden sein“, fügte der Landwirt hinzu.

In Cordes Betrieb ist an allen Weidestandorten der Zaunmonitor von der Firma Erntewerk im Einsatz. Das Gerät wird einfach an den Zaun gehängt, ein kleiner unabhängiger Sensor misst permanent die Zaunspannung und schlägt im Fehlerfall in Echtzeit Alarm – entweder über E-Mail oder die Smartphone-App. Das Gerät arbeitet vollkommen autonom ohne Stromversorgung und kann daher auch an abgelegenen Orten eingesetzt werden.

Die Hütesicherheit des Zauns wird mit dem Zaunmonitor rund um die Uhr kontrolliert und pulsgenau protokolliert. So wird automatisch ein Weidetagebuch geführt und ein Nachweis der Hütesicherheit des Zauns erstellt. Der Tierhalter erhält so automatische eine Dokumentation über seinen Zaunzustand. Die Bewertung von Cordes: „Die Zaunüberwachung ist problemlos und lässt mehr Flexibilität im Sommerbetrieb und der Zaunkontrolle zu.“ Das Gerät ist kompakt verarbeitet, leicht zu installieren und der Alarm funktioniert. Das Weidetagebuch ist gut nachvollziehbar. Allerdings fehlt eine Möglichkeit zur aktiven Dokumentation der durchgeführten Weidekontrolle.

Weidezaun-Alarm mit Smartphone-App

Beim Start in die Weidesaison im letzten Jahr probierte der Rinderhalter probeweise zusätzlich ein GSM-Weidezaun-Alarm-Gerät von Patura. Es schickt die Zaunspannungswerte via kostenloser App „Patura.Luda.Farm“ auf das Smartphone. Der GSM-Weidezaun-Alarm kann überall am Zaun angeschlossen werden. Tipp: Den GSM-Weidezaunalarm am Ende des Zaunes oder Zaunabschnittes platzieren, um eine lückenlose Überwachung der gesamten Zaunanlage zu gewährleisten. Das System ermöglicht den Zugang zu einem Zauntagebuch, in welchem die Zaunspannung chronologisch aufgezeichnet wird.

Der Patura-GSM-Weidezaun-Alarm kann überall dort eingesetzt werden, wo Mobilfunk Netzabdeckung gewährleistet ist. Eine SIM-Karte ist fest verbaut und es wird automatisch das stärkste verfügbare Mobilfunknetz ausgewählt. Als Zubehör ist ein Solarmodul zur dauerhaften, wartungsfreien Stromversorgung weitab von jeder Steckdose erhältlich.

„Alarmierung und Überwachung sind einwandfrei und das System lässt sich leicht für mehrere Anwender nutzen. Außerdem ist die Installation aufwendiger und teurer im laufenden Betrieb“, schilderte Cordes seine Erfahrungen merkte an, dass auch hier die Möglichkeit zur aktiven Dokumentation der durchgeführten Weidekontrolle fehlt. Alles in allem wünschte er sich für die Zukunft automatische Systeme, die die Wirkung der Zaunspannung auf das Tier erfassen und übermitteln, nicht nur die am Zaun anliegende Leistung messen.

Nachts beruhigt schlafen

Auch Günther Czerkus, Schafhalter aus dem rheinland-pfälzischen Wallendorf und ehemaliger Bundesvorsitzender der Berufsschäfer, bestätigte, dass es beruhigt, wenn man weiß, dass der Zaun in Ordnung ist. „Solange ich Zaunwächter einsetze, war ich nachts immer schon bei einer Störung vor Ort, bevor die Schafe wussten, dass keine Spannung mehr auf dem Zaun war“, erzählte er gleich zu Beginn. Er stellte einen Vergleich an zwischen MatrixxEvo von Weidewaechter und Luda Fence des schwedischen Herstellers Luda.Farm mit Erfahrungen in der Praxis.

Der MatrixxEvo ist ein Allrounder: Zaunwächter und starkes Weidezaungerät sowie komplexes Benachrichtigungs- und Steuerungsgerät und Ortungsgerät (Diebstahlschutz). Es ist sehr sparsam im Stromverbrauch. Seine Vorteile: Es hat eine kurze Reaktionszeit, der Alarm wird schnell ausgelöst, es kontrolliert die gesamte Zaunlänge und kann als Weidetagebuch genutzt werden. Der Beleg im Schadensfall erfolgt durch externe Messung, und das Gerät kann bei der Fehlersuche per Handy ein- bzw. ausgeschaltet werden.

Nachteilig ist die fehlende Archivierung. Viele Funktionen bedeuten auch mehr Einstellungen und eine höhere Anfälligkeit. Die hohe Empfindlichkeit bringt viele Warnungen mit sich, wobei oft kurz drauf die Entwarnung kommt. „Dann ist man aber trotzdem wach mitten in der Nacht“, schilderte der Schafhalter seine Erfahrungen.

Leistungsstark bei geringem Stromverbrauch

Die Bewertung von Günther Czerkus fiel positiv aus. Alle Module hat man in nur einem Gerät. Es ist leistungsstark bei geringen Stromverbrauch – auch bei relativ schlechter Erdung. Das erste Einrichten erfordert freilich eine gewisse Zeit. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut: etwa 500 Euro ist vergleichsweise günstig für dieses Gesamtpaket.

Der LudaFence ist dagegen „nur“ ein Zaunwächter und ein Sechs-Wochen-Datenarchiv. Es ist unabhängig von anderen Stromquellen und einfach in der Bedienung. Als Vorteile führte der Referent an: relativ einfache Installation nach Herunterladen der App, simple Montage am Zaun, Akku hält bis zu zwei Monate, Zaunspannung wird sechs Wochen gespeichert.

Es gibt aber auch ein paar Nachteile: längere Reaktionszeit und kurze Unterbrechungen werden nicht immer angezeigt. Die Batteriekabel sind sehr dünn und der Service erfolgt auf Englisch oder per E-Mail auch auf Deutsch. Das Gerät misst die Spannung nur an einer Stelle.

Einfache Handhabung

Insgesamt fiel die Bewertung von Czerkus folgendermaßen aus: Das Gerät ist robust und einfach zu bedienen. Die Speicherung der Spannung ist im Schadensfall hilfreich. Die Handhabung ist relativ einfach. „Für etwa 250 € bekommt man lediglich den Zaunwächter“, meinte er abschließend.

Nach Auskunft des Schafhalters bilden die beiden vorgestellten Geräte in etwa die beiden Enden der Geräteskala ab. Beide Geräte setzen eine Netzverfügbarkeit voraus und brauchen eine kostenpflichtige Sim-Karte. Eins ist aber klar: „Je größer die Entfernung zwischen Herde und Wohnort ist, desto mehr lohnt sich so eine technische Lösung“, lautete seine Bilanz.

Michael Thum, Betriebsleiter des Thumhofes im sächsischen Auerbach, verwendet für seine Gatterhaltung von Rotwild einen Signaldraht von Patura außen am Gatter, um Versuche von den Tieren oder auch Menschen, den Zaun zu überwinden, zeitnah zu bemerken. Thum arbeitet mit einer Kombination aus Patura 6000 Weidezaungerät mit Patura Alarmanlage, mit der bei einem Abfall der Zaunspannung und bei Drahtunterbrechung ein optisches und akustisches Signal ausgelöst wird. Die Auslösespannung ist einstellbar. Der Betrieb ist möglich mit 12 Volt oder Netzteil.

Weitere Informationen und Grundlagen zum Aufbau von Elektrozäunen: www.herdenschutz.dvl.org/fachinformationen