Demonstration

Weidetierhalter fordern mehr Schutz

Cornelius Mohr
am Donnerstag, 04.11.2021 - 10:04

Unter dem Motto „Wir für unsere Tiere“ zogen Weidetierhalter auf einer Demonstration durch Gießen und wiesen auf die Gefahren durch Wölfe hin.

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Mehr Schutz der Weidetiere vor dem Wolf hat das Bündnis der Weidetierhalter im Rahmen einer Demonstration gefordert, die am 25. 10. unter dem Motto „Wir für unsere Tiere“ durch Gießen zog. Der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Volker Lein, betonte, dass sich die Schaf-, Ziegen-, Rinder- und Pferdehalter angesichts der unregulierten Ausbreitung des Wolfes in Deutschland zunehmend um die Sicherheit ihrer Weidetiere sorgten.

Im Fokus der Kritik der Demonstranten, die sich anlässlich der Auftaktveranstaltung der vom Wiesbadener Landwirtschaftsministerium eingesetzten Arbeitsgruppe „Wolf in Hessen“ in Gießen versammelten, stand der im April veröffentlichte Wolfsmanagementplan des Bundeslandes. Mit diesem werde dem Schutz des Wolfes ein weitaus höherer Stellenwert als dem Schutz der Weidetiere eingeräumt, erläuterte der HBV. Herdenschutzmaßnahmen in Form von Zäunen oder Herdenschutzhunden lösten das Problem nicht. Die Maßnahmen seien nicht überall anwendbar und böten in der Praxis keinen ausreichenden Schutz. Im Übrigen werde das Landschaftsbild durch hohe Zäune verunstaltet. Dem Wolfsmanagementplan fehle ein konkreter Rahmen für Präventionsmaßnahmen wie Vergrämung, für schnelle Entnahmen und zügigen Schadensausgleich sowie für eine Bestandsregulierung.

Frühes und konsequentes Eingreifen

„Wir brauchen vor allem ein möglichst frühzeitiges und konsequentes Eingreifen gegen den Wolf“, unterstrich Lein. Dazu bedürfe es klarer Regelungen. Unter anderem sei der Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Sollte es zu Wolfsrissen kommen, seien diese schnell und in vollem Umfang zu entschädigen. Gleiches gelte für Verdachtsfälle. Schließlich müssten Gebiete ausgewiesen werden, in denen wolfsabweisende Maßnahmen nicht möglich seien.

Thorsten Schmale, Schäfer aus Hohenahr und Initiator der Demonstration, forderte Staatssekretär Oliver Conz vom hessischen Landwirtschaftsministerium auf, den nach seinen Worten „unmöglichen“ Wolfsmanagementplan zurückzunehmen und endlich mit den Weidetierhaltern zu reden. BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler plädierte dafür, den strengen Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene zu lockern und eine Initiative zur Umstufung des Wolfes von Anhang IV in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zu starten. Laut Dr. Michael Weiler, Wolfsbeauftragter des Pferdesportverbandes Hessen, muss das unsägliche Leid gerissener Nutztiere in den Blick genommen werden. Im Übrigen sei der eurasische Wolf nicht gefährdet, so Weiler.