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Rinderhaltung

Wasser: Einfach unverzichtbar

Wasserversorgung optimieren: Nicht nur die Höhe der Tränke hat einen Einfluss auf die ausreichende Versorgung der Kühe mit Wasser, sondern auch deren Platzierung im Stall sowie die Durch- bzw. Nachflussgeschwindigkeit. Verschmutzungen sind zu vermeiden.
BaySG
am Mittwoch, 21.09.2022 - 07:17

Die Wasserversorgung ist das A und O für eine gute Leistung. Doch ist diese im Stall für alle Tiere vollumfänglich sichergestellt? Es lohnt sich, genau hinzusehen, denn es gibt kein günstigeres und effektiveres Futtermittel als das Wasser.

Was und wie viel die Kühe fressen, hat jeder Milchviehhalter genau im Blick. Futteraufnahme bedeutet Leistung und die ist gefragt. Die genauso wichtige Wasserversorgung wird dabei leider oft übersehen. Aber von der Wasseraufnahme hängt es ab, wie viel die Kühe fressen.

Ein Optimieren der Wasserversorgung rentiert sich allemal, da es als das „billigste Kraftfutter“ für die Tiere sinnvoll eingesetzt werden kann. Kühe saufen je nach Lebendgewicht, Fütterung, Umgebungstemperatur und Leistung 10 bis 15 Mal am Tag jeweils ca. 10 Liter. Jeder Trinkvorgang dauert etwa 30 Sekunden. Das heißt, dass die tägliche Wasseraufnahme einer Kuh nur 5 bis 8 Minuten beansprucht und die Verfügbarkeit von Wasser rund um die Uhr somit höchsten Vorrang hat.

Damit die Rinder ihren täglichen Wasserbedarf optimal decken können, sind mehrere Faktoren von entscheidender Bedeutung.

Anzahl der Tränken

Im Laufstall verlangen je 20 Kühe nach einer Tränke. Die Anzahl der Tränken lässt sich aber noch treffsicherer mit folgender Formel errechnen: Anzahl Tränken in einer Gruppe mit mehr als 20 Kühen = Anzahl Tiere/Gruppe geteilt durch 20 plus 1. Für eine Herde mit 80 Kühen bedeutet dies fünf Tränken. Mindestens 10 cm Troglänge pro Kuh lautet darüber hinaus eine wichtige Kalkulationsgröße für die Wasserversorgung. In einem Bestand mit 80 Kühen müssen also mindestens 8 m Tränketroglänge zur Verfügung stehen.

In gut geführten Milchviehherden sind die Routineabläufe Melken, Saufen, Fressen und Liegen aufeinander abgestimmt. Unmittelbar nach dem Melken deckt die Kuh knapp die Hälfte ihres täglichen Wasserbedarfs. Diesem Phänomen kann man – falls es der Melkstand ermöglicht – durch eine Wassergabe während des Melkens Rechnung tragen. In einem Fischgräten-Melkstand, der an die Wand ausgerichtet ist, lassen sich dafür halbierte PVC-Rohre verwenden. Eine zusätzliche Aufnahme von 3 bis 4 l Wasser am Tag scheint realistisch und deckt immerhin 1 l Milch ab.

Im Ausgangsbereich vom Melkstand darf es keine Tränken geben, da sonst Staugefahr im Tierverkehr besteht. Die Tränken sollten im Stall verteilt und idealerweise von drei Seiten her zugänglich sein, damit auch rangniedrige Kühe stets an Wasser gelangen. Die Distanz zwischen den einzelnen Tränken sollte 20 m nicht überschreiten, denn lange Wege sind nichts für durstige Kühe.

Auch in engen Durchgängen oder gar Sackgassen sind Tränken fehl am Platz. Um die Tränken muss Ausweichraum gegeben sein, sodass die Tiere einander aus dem Weg gehen können. Da die Tiere an den Tränken die Rangordnung in der Herde immer wieder neu klären, sind mehrere kleine Tränken zu empfehlen. Die Gesamtlänge der Tränken ist nicht unbedingt der beste Parameter zur Beurteilung der Wasserversorgung, denn nur selten saufen mehrere Kühe gleichzeitig aus einer Tränke.

Sollen die Übergänge zwischen den Liegeboxenreihen oder auch die Verkehrsflächen am Futtertisch mit Tränken ausgestattet werden, so sind Doppeltränken anzuraten, mit denen die Kühe die eng begrenzten Örtlichkeiten nicht in voller Körperlänge blockieren. Die Doppeltränken werden parallel zum Gang montiert und stellen eine gute Alternative für alle Engstellen im Stall dar.

Art der Tränke

Die Kuh genießt es, das Wasser in lang anhaltenden Zügen von der freien Wasseroberfläche zu schlürfen. Dazu braucht sie mindestens 600 cm2 Wasserfläche. Eine Eintauchtiefe von 3 bis 4 cm und ein Kopfwinkel von 60° sind dabei beim „Saugtrinker“ Rind zu beobachten. Die Nasenlöcher bleiben frei, damit die Luftzufuhr nicht unterbrochen wird.

Da Kühe bis zu 25 l/Minute saufen, sind Zulaufgeschwindigkeiten von 30 l/Minute einzukalkulieren. Bei Tränken, die mehreren Tieren gleichzeitig das Saufen ermöglichen, sind 60 l/Minute gefragt. Andernfalls ist eine zu geringe Wasseraufnahme die unausweichliche Folge.

Mit Blick auf das natürliche Trinkverhalten von Rindern sind Zungentränken alles andere als ideal. Ihr einziger Vorteil ist, dass sie nicht so anfällig für Verschmutzungen sind. Die Zungentränken, die in etwa 10 l/Minute Zulaufgeschwindigkeit aufweisen, sind oft in Abkalbebuchten zu finden, obwohl in der Zeit um die Geburt eine bestmögliche Wasserversorgung Garant für eine hohe Futteraufnahme am Beginn der Laktation sein soll.

Bei Durst im Abkalbezeitraum besetzt das Hormon ADH Rezeptoren für das Oxytocin. Folglich wird der Durst weniger und die Gebärmutterkontraktionen nehmen ab. Das bedeutet die Gefahr von Wehenschwäche und Nachgeburtsverhaltungen sowie einer sinkenden Milchleistung.

Nach wie vor sind viele Tränken in Milchviehställen deutlich zu hoch angebracht, und die Kühe müssen unter erschwerten Bedingungen ihren täglichen Bedarf decken. Der Druck auf den Kehlkopf behindert die Wasseraufnahme. Immer noch wird in Beratungsempfehlungen über eine Wasserstandshöhe von 80 cm über dem Boden gesprochen.

Jedoch kann das Argument, dass die Kühe bei niedriger installierten Tränken in diese koten, entkräftet werden. Eine Wasserstandshöhe von 60 cm über dem Boden ist für Kühe optimal. Für Jungrinder im ersten Aufzuchtjahr empfehlen sich 50 cm.

Tränkwasserqualität

In Neu- und Umbauten sollten ausschließlich Trogtränken Eingang finden. Diese müssen eine flache Bauart aufweisen und zu Reinigungszwecken entweder leicht zu kippen oder durch einen Stöpsel zügig zu entleeren sein. Neben der tiergerechten Wasseraufnahme sollte also die unkomplizierte Reinigung an vorderster Stelle stehen.

Werden Tränken am Futtertisch, neben der Kraftfutterabrufstation oder der Kuhbürste installiert, ist das Risiko einer schnellen Verschmutzung groß. Nur Kippen oder Stöpselziehen ist dann zu wenig. Im Nu bildet sich auf den Oberflächen ein sogenannter negativer Biofilm: ein schmieriger, glitschiger Belag auf allen mit dem Wasser in Berührung kommenden Teilen. Die Keimflora des Biofilms besteht zu 80 % aus gramnegativen Bakterien. Das bedeutet das Vorhandensein von Endotoxinen, die die Immunabwehr der Tiere schwächen.

Werden die Tränken nicht täglich mindestens einmal mit einer Bürste kräftig gereinigt, besteht sogar die Gefahr, dass dieser Biofilm zurück ins Rohrleitungssystem „wächst“. Wasser, das mit Fäkalkeimen, Algen und Futterresten verunreinigt ist, schmeckt zudem einfach nicht. Dabei sollte man bedenken, dass Rinder einen 15-mal besseren Geruchssinn als wir Menschen besitzen.

Die Tränken sollten deshalb ganzjährig so gepflegt werden, dass der durstige Tierhalter ohne Bedenken zusammen mit seinen Rindern aus der gleichen Tränke trinkt würde. Gefordert ist Trinkwasserqualität! Ein kleiner Test ist da hilfreich: Befüllen Sie ein sauberes Schraubglas zu 2/3 mit Tränkwasser und lassen Sie es 24 Stunden verschlossen stehen. Dann öffnen Sie das Glas vorsichtig. Riecht das Wasser muffig oder modrig, brauchen Sie die Meinung Ihrer Kühe nicht mehr abzufragen.