Tierseuche +++update 20.11.2020+++

Vogelgrippe: Erster Fall in Nordrhein-Westfalen

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 20.11.2020 - 08:00

Nordrhein-Westfalen meldet seinen ersten Vogelgrippefund bei einer Wildgans. Die Seuche kommt Bayern immer näher.

Wildgans-Graugans

Gestern (19.11.) hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI; Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) auch den ersten Ausbruch der Geflügelpest in Nordrhein-Westfalen bei einer Wildgans im Kreis Kleve festgestellt. Die verendete Wildgans war in den Rheinauen aufgefunden worden.

In Deutschland sind seit Ende Oktober zahlreiche Geflügelpestfälle bei Wildvögeln an der Nord- und Ostseeküste sowie in Hamburg aufgetreten. Auch in den benachbarten Niederlanden wurde die Erkrankung bei Wildvögeln und auch bereits in Nutzgeflügelbeständen nachgewiesen.

Wie das zuständige Agrarministerium mitteilt werden in den bereits eingerichteten Risikogebieten in Nordrhein-Westfalen, in denen bekanntermaßen zahlreiche Wildvögel überwintern, gezielt Kotproben und Tierkadaver eingesammelt und untersucht. Am 6. November hatte das Ministerium Kreise und Städte aufgefordert, eine Risikobewertung nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung durchzuführen. Die Risikobewertung ist eine wesentliche Voraussetzung für weitergehende Anordnungen wie einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch das Veterinäramt.

17.11.2020: Auch Frankreich betroffen

Geflügelpest-Sperrbezirk-Schild

Die Vogelgrippe hat nun auch Frankreich erreicht. Wie das Landwirtschaftsministerium in Paris gestern (16.11.) mitteilte, wurde der Virus-Subtyp H5N8 in einem Gartencenter in der Nähe von Bastia auf Korsika nachgewiesen. Der gesamte Bestand sei vorsorglich getötet worden; Medienberichten zufolge waren etwa 200 bis 300 Hühner betroffen.

Auf Korsika wurden den Ressortangaben zufolge weitergehende Überwachungs- und Transportbeschränkungen eingeführt, um den Ausbruch einzudämmen. Derzeit werde noch untersucht, ob die Verbreitung über Wildvögel oder Nutztiere erfolgt sei. In einer ersten Analyse seien bei dem nachgewiesenen Erreger Ähnlichkeiten zu den derzeit in den Niederlanden grassierenden Varianten aufgefallen.

Mecklenburg-Vorpommern: Schon fast 100.000 Tiere gekeult

Mecklenburg-Vorpommern verschärft ab Mittwoch die Aufstallungspflicht. Dort wurden bisher schon fast 100.000 Tiere gekeult. Dort wo es aufgrund des jahreszeitlichen Vogelzuges sehr viele Wildvögel gibt, die sogenannten Risikogebiete der Winterkulisse, soll ab Mittwoch (18.11.) ein Aufstallungsgebot in Kraft treten. Außerhalb dieser Gebiete gilt das Aufstallungsgebot vorerst nur für gewerbliche Betriebe.

Laut Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) habe man es  mit einem äußerst aggressiven Virusgeschehen zu tun. Der zuständige Agrarminister Till Backhaus schließt daher nicht aus, weitere Schritte unternehmen zu müssen.

Schleswig-Holstein: Dritter Nutztierbestand betroffen

Ebenfalls gestern Abend (16.11.) hat das Friedrich-Loeffler-Institut in einer zweiten Geflügelhaltung im Kreis Nordfriesland die Geflügelpest des Subtyps H5N8 bestätigt. Bei dem aktuellen Fall handelt es sich um den insgesamt dritten Geflügelpestausbruch bei Hausgeflügel in Schleswig-Holstein, in Nordfriesland war die Geflügelpest zuvor bereits auf einer Hallig festgestellt worden.

In dem aktuell betroffenen Betrieb werden an verschiedenen Standorten nach Angaben des Kreises insgesamt über 1.000 Enten, Gänse und Masthähnchen gehalten.

Der Kreis Nordfriesland ist seit Beginn des Geflügelpestgeschehens Ende Oktober der am stärksten betroffene Kreis in Schleswig-Holstein. Von den knapp 6.000 verendeten Wildvögeln, die der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz entlang der Westküste gezählt hat, wurden über 5.000 im Kreis Nordfriesland aufgefunden. 

15.11.2020: Erneut Nutztierbestand betroffen

Legehennen-Freilandhaltung

In einem Legehennenbetrieb bei Neubukow im Landkreis Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, ist das Geflügelpestvirus H5N8 festgestellt worden. Amtsveterinäre des Landkreises Rostock und die Tierärztin des Betriebes hatten dort Proben entnommen, nachdem der Geflügelhalter in den zurückliegenden Tagen Krankheitssymptome bei den Tieren, Legedepression und schließlich hohe Tierverluste beobachtet hatte.Das ist der dritte Fall in einem Nutztierbestand in Mecklenburg-Vorpommern, einer war bereits Anfang November in Schleswig-Holstein.

 Rund um den Betrieb im Landkreis Rostock mit ursprünglich 3000 Tieren sind ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet verfügt worden. Dort gelten strenge Regeln für Geflügelhalter und die Geflügelverarbeitung.

Anfang dieser Woche will sich Agrarminister Till Backhaus mich mit den Landräten über das weitere Vorgehen beraten. Er appelliert an die Geflügelhalter im Land, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

13.11.2020: Dritter Nutztierbestand im Norden befallen

Trotz des zweiten Vogelgrippefalls in einem Nutztierbestand ordnet Mecklenburgs-Vorppommerns Agrarminister Till Backhaus keine landesweite Aufstallpflicht an. Man werde aber die Entwicklung weiter beobachten, kündigte er an. Betroffen sind 200 Tiere auf einem Hof in Rambin auf Rügen. Zahlreiche Hühner sowie Enten und Gänse seien in kurzer Zeit verendet, die noch lebenden Tiere seien schwer krank vorgefunden worden, teilte der Landkreis Vorpommern-Rügen mit.

Die Geflügelpest breitet sich somit in Norddeutschland aus. In Schleswig-Holstein herrscht seit gestern eine landesweite Aufstallpflicht für Geflügel. In Niedersachsen gibt es die Pflicht zur Aufstallung in 15 von 43 Landkreisen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald das Vorkommen der hochpathogenen aviären Influenza-A-Viren des Subtyps H5, die Erreger der Geflügelpest, bestätigt.

11.11.2020: Aufstallpflicht in einigen Kreisen Niedersachsens

Legehennen-Stall

Niedersachsen erlässt in einigen Landkreisen Stallpflicht für Freilandgeflügel wegen des hochansteckenden Geflügelpest-Virus. Betroffen sind die wichtigsten Regionen mit Geflügelhaltung und wo der Vogelzug stark ist. Bisher verzichtet das Land im Gegensatz zu Schleswig-Holstein auf eine landesweite Anordnung. 

Darüber hinaus sind die übrigen Veterinärämter aufgefordert, ihre Risikobewertungen fortlaufend zu aktualisieren und eine Teil-Aufstallung in avifaunistisch wertvollen Gebieten zu prüfen. Die Zuständigkeit der für eine Aufstallung notwendige Risikobewertung liegt bei den Landkreisen. Die Notwendigkeit der Aufstallungsverfügungen wird regelmäßig überprüft, um deren Dauer auf das seuchenhygienisch unbedingt erforderliche Maß zu begrenzen.

Bislang wurde in Niedersachsen bei drei Wildvögeln (zwei Enten im Landkreis Cuxhaven und eine Nonnengans im Landkreis Wesermarsch) durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor der Geflügelpesterreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Es bestehen derzeit keine Hinweise, dass dieser Subtyp des Geflügelpest-Virus auf den Menschen übertragen wird.

Die Geflügelpest breitet sich in Schleswig-Holstein weiter aus, als Konsequenz daraus soll jetzt eine landesweite Aufstallung sämtlichen Freilandgeflügels eine Weiterverbreitung auf weitere Nutztierbestände verhindern. Das hat Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht am 9.11. in Kiel nach der Kabinettsberatung bekannt gegeben.

Mit den Veterinärbehörden der Kreise und kreisfreien Städte ist vereinbart worden, dass landesweit alle Kreise und kreisfreien Städte die Aufstallung sämtlichen Geflügels, unabhängig von Betriebsart oder -größe, in den nächsten Tagen verfügen werden. Einen entsprechenden Erlass hat das Landwirtschaftsministerium an die kreisfreien Städte und Kreise gesendet. Die Verfügungen der Kreise und kreisfreien Städte zur Aufstallung des Geflügels werden in den kommenden Tagen in Kraft treten.

Seit der letzten Bestätigung von Fällen bei Wildvögeln durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am vergangenen Freitag hat sich so die Zahl der Nachweise um weitere 40 auf 115 bestätigte Fälle erhöht. Inzwischen liegen Nachweise von Wildvögeln aus sieben Kreisen und einer kreisfreien Stadt vor. Der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz hat seit dem Beginn des Geschehens bereits mehr als 3.000 verendete Wildvögel gezählt.

Damit hat sich auch das Spektrum der betroffenen Vogelarten erweitert. Darunter sind auch Arten, die sich wie beispielsweise Möwen nicht nur in Wassernähe aufhalten oder größere Verbreitungsgebiete haben. Zudem wurde am vergangenen Sonntag (8.11.) im Kreis Segeberg der zweite Fall der Geflügelpest in einer kleinen Geflügelhaltung amtlich festgestellt.  

7.11.2020: Vogelgrippe rückt gen Süden vor

Kranich-Feld

Die Vogelgrippe wandert langsam südwärts. Am Wochenende ist in Brandenburg ein Fall bestätigt worden. Bei einem verendeten Wildvogel (Kranich) ist der Geflügelpest-Erreger H5N8 nachgewiesen worden. Der Fundort befindet sich im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. „Wir wissen, dass die Geflügelpest seit Ende Oktober wieder verstärkt auch in Deutschland auftritt. Jetzt gilt es, eine Übertragung auf Hausgeflügel zu verhindern“, so Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher.

Mit dem einsetzenden Zug der Wildvögel wurden seit dem 30. Oktober wieder Fälle der hochpathogenen aviären Influenza, Subtyp H5N8 („Vogelgrippe“), vor allem an Nord- und Ostseeküste nachgewiesen. Der jetzige Fund war der erste Verdachtsfall in Brandenburg in diesem Herbst. Heute hat das Friedrich-Loeffler-Institut den Verdacht bestätigt.

Das Land intensiviert seit Anfang November das Geflügelpest-Monitoring. Außerdem sind alle Geflügelhalter aufgefordert, die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu verstärken unter anderem durch Kontaktvermeidung zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel. Wildvögel dürfen keinen Zugang zu Futtereinstreu und sonstigen Gegenständen haben.
 

Appelle an Hobbyhalter

Darüber hinaus sollten Hobbyhalter sicherstellen, dass die Ein- und Ausgänge zu den Ställen gegen unbefugten Zutritt gesichert sind, die Ställe oder sonstigen Standorte des Geflügels von fremden Personen nur mit betriebseigener Schutz- oder Einwegkleidung betreten werden und eine betriebsbereite Einrichtung zum Waschen der Hände sowie eine Einrichtung zur Desinfektion der Schuhe vorgehalten wird.

Infektionen des Menschen mit H5N8 sind bisher nicht bekannt. Eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel sind laut einer Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung unwahrscheinlich.

In Deutschland sind seit dem 30.10.2020 mehrere HPAI H5-Fälle bei Wildvögeln nahezu zeitgleich an der Nord- und Ostseeküste sowie in Hamburg aufgetreten. Im Küstenbereich des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres werden derzeit vermehrt tote Wasservögel gefunden. Außerdem meldeten das Vereinigte Königreich, die Niederlande und auch Deutschland Ausbrüche von HPAIV H5 in Nutzgeflügelbeständen.

5.11.2020: Erstmals Geflügelhalter betroffen

Freiland-Legehennen-Freilandeier

Nachdem seit Tagen die Geflügelpest in der Wildvogelpopulation an der Westküste Schleswig-Holsteins grassiert, ist heute (5. 11.) in einer Geflügelhaltung im Kreis Nordfriesland die anzeigepflichtige Tierseuche des Subtyp H5N8 amtlich festgestellt worden. Ende Oktober gab es bereits einen Fall in den Niederlanden. 

Darüber hinaus erfolgten 27 neue Nachweise in der schleswig-holsteinischen Wildvogelpopulation. Dabei ist laut Agrarminnisterium in Schleswig-Holstein erstmals auch eine Wildgans aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde betroffen ist. Eine entsprechende Bestätigung kam vom  Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza.

Die betroffene Haltung auf der Hallig Oland besteht aus 57 Hühnern, von denen innerhalb kurzer Zeit acht Tiere verstarben. Alle Tiere der Geflügelhaltung werden gemäß Geflügelpest-Verordnung getötet und fachgerecht entsorgt. Um den Ausbruchsbetrieb sind gemäß Geflügelpest-Verordnung Restriktionszonen einzurichten, welche aus einem Sperrbezirk von mindestens drei und einem Beobachtungsgebiet von mindestens zehn Kilometern um den Ausbruchsbetrieb bestehen.

Vorsichtmaßnahmen auf Betrieben erhöhen

Der letzte Geflügelpestausbruch in einer Hausgeflügelhaltung in Schleswig-Holstein wurde im März 2018 in einer kleinen Geflügelhaltung auf der Hallig Süderoog festgestellt.

Der zuständige Agrarminister, Jan Philipp Albrecht, appelliert dringend an alle Geflügelhalterinnen und -halter in Schleswig-Holstein, ihre Tiere vor dem Virus zu schützen und die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten. Allein innerhalb der letzten 24 Stunden hat der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz insgesamt 590 neue verendete Wildvögel an der Westküste gezählt. Der Minister wird mit den bislang von der Geflügelpest betroffenen Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde jetzt zeitnah das weitere Vorgehen beraten.

Niedersachsen auch betroffen

Bei einer Stockente, die im Landkreis Cuxhaven geschossen wurde, konnte das hochansteckende Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5 nachgewiesen werden. Eine entsprechende Bestätigung erhielt das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) aus dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor.

Außerdem wurde bei einer weiteren Wildente (Pfeifente) aus dem Landkreis Cuxhaven im Lebensmittel-und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg der Virus vom Subtyp H5 nachgewiesen. Die Proben befinden sich bereits zur Feststellung der Pathogenität beim FLI.

Das Landwirtschaftsministerium hat aufgrund der Häufungen und des andauernden Vogelzuges und unter Berücksichtigung der aktuellen Risikobewertung des FLI die niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte mit Erlass vom 3. November 2020 aufgefordert, eine Risikobewertung nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung durchzuführen. Die Risikobewertung ist wesentliche Voraussetzung für die Anordnung einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch den zuständigen Landkreis bzw. die zuständige kreisfreie Stadt.