Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderzucht

Viele Golden Girls

ErnoDora, eine der 100000-l-Kühe von Christian Konzett aus Vorarlberg
Josef Berchtold
Josef Berchtold
am Montag, 27.12.2021 - 10:02

Familie Konzett vom Schloßhof in Vorarlberg stellte ihren Braunviehbetrieb vor 26 Jahren auf biologische Wirtschaftsweise um. Seitdem haben neun Kühe 100 000 kg Lebensleistung erreicht.

BLW_3_8008_Weideochsen
Die 1988 geborene Babaray-Tochter Dora war die erste 100 000-kg-Kuh bei Christian Konzett. Sie wurde 22 Jahre alt und brachte 163 770 kg Lebensleistung. Als neunte und jüngste 100 000er steht derzeit ebenfalls eine Dora im Stall. Sie stammt vom Deckstier Erno (Eros × Stardust) ab und geht über Jolt Dyill auf Requirement Denise zurück, eine Kuh mit 125 000 kg. Die hohe Zahl an Dauerleistungskühen ist auch deshalb beachtlich, weil Familie Konzett die Intensität und damit auch die Leistungen in ihrem Betrieb stark zurückgeschraubt hat.
BLW_2_8145_Gassneralpe
Wir blicken zurück in die 1990er Jahre. Damals führte Christians Bruder Norbert den Betrieb, ein leidenschaftlicher Brown-Swiss-Züchter, der nebenbei noch als Bewerter beim Zuchtverband arbeitete. Bereits 1982 machte Norbert eine Brown-Swiss-Reise in die USA, er arbeitete mit ET und die Herdenleistung lag bei knapp 10 000 kg.
BLW_5_2926_BurgruineBlumegg
Unterstützt wurde Norbert von seinem Bruder Christian, einem gelernten Tischler. Bereits 1995 stellten die Brüder den Hof auf biologische Wirtschaftsweise um, hatten Anfangs aber noch sehr hohe Leistungen. Nach dem plötzlichen Tod Norberts im Jahr 1999 führte Christian den Betrieb fort. Er baute 2002 einen Laufstall für 32 Kühe und ging mit der Intensität zurück. Seit 2008 hält er auch Original Braunvieh, aktuell sind es acht Kühe. In Kürze steht der Generationswechsel an: Lukas (25), der Sohn von Christian und Ingrid, ist bereits seit ein paar Jahren in die Betriebsgemeinschaft integriert und wird den Schloßhof zum Jahresende übernehmen.

Ein Stier im Wiedereinsatz

BLW_4_8126_ChristianKonzett
Der größte Schauerfolg des Betriebes war das erste Vorarlberger Championat in Brand im Jahr 2001. Konzett gewann mit seiner Jetway-Tochter Lada vor der bekannten Starbuck-Tochter Bibi vom Betrieb Borg. Noch etwas früher, in den 1990er Jahren, erzielte der Betrieb einen Sieg auf der Landesschau. Aus Jade-Tochter Lene stammt der KB-Stier Collection Carambo, der sogar in Wiedereinsatz kam und bei 617 Töchtern in Milch immer noch einen Exterieurwert von 118 aufweist. Das Besondere aber ist die sehr hohe Zahl 100 000 kg-Kühen. Bei der Anpaarung achtet Konzett stark auf Fundament und Euter. Die meisten Trächtigkeiten gibt es derzeit von Antonov und Barca.

Extensiver wegen Alpung

BLW_7_Jetway_LADA_Konzett Chr Thüringerberg
„Am Anfang haben wir auch biologisch noch recht intensiv gewirtschaftet und hatten bis 2015 noch über 8000 kg Leistung. In den letzten Jahren haben wir die Intensität weiter zurückgeschraubt“, sagt Christian. Heute werden alle Kälber, männlich wie weiblich, selbst aufgezogen und das meiste Fleisch direkt vermarktet. Im Sommer sind fast das gesamte Jungvieh und etwa die Hälfte der laktierenden Kühe sowie ein Teil der Mastochsen und Mastfärsen auf der Gassneralpe, etwa eine halbe Autostunde vom Betrieb entfernt im Gemeindegebiet St. Gerold. Es ist eine Gemeinschaftsalpe auf 1562 m mit 73 Kühen, 70 Stück Jungvieh/Mastvieh sowie 180 Ziegen.
Dort kümmern sich zwei Hirten um das Vieh und ein Senn verarbeitet die ermolkene Milch auf der Alpe zu Käse und Butter. „Auf der Alpe wird nicht viel zugefüttert, höchstens 1 kg Heu und 1 kg Kraftfutter pro Kuh“, sagt Christian. Die Alpwirtschaft war letztlich auch der Grund, die Intensität des Betriebes zurückzufahren.
„Die Tierarztkosten pro Jahr liegen heute bei unter 4000 Euro im Jahr“, sagt Christian. Zudem sagt ihm die extensivere Wirtschaftsweise auch von seiner Einstellung mehr zu und trotz des geringeren Ertrages glaubt er, damit nicht schlechter zu fahren.
Vor allem die Direktvermarktung des Fleisches hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Durchschnitt lässt die Familie jeden Monat etwa drei Stück Vieh schlachten, Stiere, Ochsen, Färsen oder Vollmilchkälber. Das Fleisch wird vakuumiert in Paketen von 5 oder 10 kg vermarktet. Bei Preisen von durchschnittlich etwa 15 €/kg bei den Stieren und Ochsen sowie 18 €/kg beim Kalbfleisch, erzielen sie eine bessere Wertschöpfung, als wenn sie das Schlachtvieh an den Handel abgeben.
Aus den Brown Swiss-Stierkälbern machen sie Vollmilchkälber oder Mastbullen und aus den OB-Stierkälbern sowie den Kreuzungskälbern BS × Limousin, WBB oder Blond d‘Aquitaine werden Ochsen, die – wie auch die Kreuzungsfärsen – mit etwa zweieinhalb Jahren geschlachtet und direkt vermarktet werden.
„Die Nachfrage ist groß und wir möchten künftig auch die Altkühe noch mehr selber vermarkten“, sagt Christian. Lukas möchte diesen Weg fortsetzen und ausbauen. Dazu will er einen kleinen Hofladen bauen und dort neben dem Fleisch und dem Alpkäse noch mehr Wurstwaren, Eier und andere Produkte anbieten. Die Produkte werden alle unter dem Hofnamen Schloßhof vermarktet.

Der Hofname Schloßhof

Uns interessiert, woher der Hofname Schloßhof kommt. Zum Betrieb gehört die Ruine Blumenegg, nur wenige hundert Meter vom Hof entfernt. Die Burg Blumenegg wurde um 1260 errichtet und brannte 1650 und 1774 ab, seitdem blieb sie als Ruine stehen. Seit einigen Jahren wird die Burgruine von einem Verein, den Burgfreunden Blumenegg restauriert. Infos unter www.dk-rb.at/burgruine-blumenegg.
Die Marke Schloßhof dürfte man künftig im Großen Walsertal noch häufiger antreffen als bisher: Zum einen bei den Produkten, die von Familie Konzett direkt vermarktet werden, und zum anderen vermutlich noch bei der ein oder anderen 100 000-Liter-Kuh aus dem Betrieb.
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt