Legehennen

Viele Eier oder stabile Knochen?

Legehennen
Jürgen Leykamm
am Donnerstag, 02.01.2020 - 10:08

Auch in der Hühnerzucht muss man sorgsam zwischen den Zielen Tierwohl und Produktivität abwägen.

Hühnern soll es gut gehen, das wollen die Verbraucher ebenso wie die Legehennenhalter. Die wiederum hoffen natürlich ebenso auf eine gute Eierleistung. Ob diese bei der Zucht im Widerspruch zum Tierwohl stehen muss, dieser Frage ging nun eine Vortragstagung im Bad Windsheimer Kur- und Kongress-Center nach. Züchter wie auch Halter können hier an wichtigen Stellschrauben selbst drehen, so die Botschaft.

Die LSL Rhein-Main Geflügelvermehrungsbetriebe GmbH als Veranstalter konnte für den Tag mit Prof. Dr. Rudolf Preisinger aus den Reihen der EW-Group einen bedeutenden Geflügelgenetiker als Vortragsredner gewinnen. Der Geschäftsführer der Lohmann Tierzucht GmbH betonte, dass hiesige Halter langfristig auf dem Markt nur mit einer Eiererzeugung punkten könnten, „die vom Verbraucher auch akzeptiert wird.“ Der akzeptiere aber leider aber auch das Billigei.

Keinen Preiskampf nach unten aufnehmen

Doch den Preiskampf nach unten aufnehmen zu wollen, sei sinnlos. „Da gibt es immer andere, die billiger produzieren“, gab der Experte zu bedenken. In Brasilien etwa brauche es nur einen Maschinendrahtzaun und ein paar Eternitplatten – fertig ist das Hennenhaus. Also müsse man hierzulande auf Qualität setzen. Die Frage sei: welcher Art? Die Legeleistung etwa sei schon auf einem hohen Niveau, das entsprechende Zuchtziel werde aber in der Gesellschaft immer stärker als zu einseitig empfunden. Es solle stärker auf die Gesundheit geachtet werden.

Deswegen „züchten wir jetzt Hühner, die keinen Tierarzt mehr brauchen“, so Preisinger. Doch so einfach sei das leider nicht, wie er einräumte. Da gäbe es beispielsweise Hennen mit besten Leberwerten. Das seien aber oft jene Tiere, „die vergessen, Eier zu legen.“ Hohe Leistung brächten hingegen jene Geflügeldamen mit Leberproblemen.

Die Hennen werden weiter mehr Eier legen

Einfach das Ruder in Richtung Tiergesundheit herumzureißen, gestalte sich schwierig, seien die Hühner doch lange Zeit „auf Eierlegen programmiert worden.“ Daran werde das aktuelle Bestreben in Gesellschaft und Politik nicht so schnell etwas ändern. „Egal, was die in Berlin sagen: Die Hennen werden in den kommenden Jahren immer noch mehr Eier legen!“ Auch wenn die Schwerpunkte sich geändert hätten: weg von der Leistung, hin zum Tierwohl und damit längerer Lebensdauer. Hier sei man zwar auf einem guten Weg, doch müsse man eben abwägen.

Hennen mit stabilen Knochen seien eben in der Regel unzuverlässigere Eierlieferanten als jene mit schwächerem Knochengerüst. Verantwortung aber haben nicht nur die Züchter, sondern ebenso die Halter selbst, die mit den Ergebnissen der Zucht arbeiten müssen. Darauf machte Erich Seltsam aufmerksam, der als Berater für die LSL tätig ist. Er verwies auf die verschiedenen Einstellungen des Lichtprogramms, die das Legeverhalten stark beeinflussen könnten.

Wichtig seien zudem richtig abgestimmte Fütterungsintervalle, damit „auch die schwachen Hennen zum Zug kommen.“ Gut sei es, Magensteine anzubieten. Aber nicht in zu großer Menge, um die Messer der Schlachter zu schonen, wie ein Tagungsgast anmerkte. Einen Vorteil habe es, über Grascobs für genügend Rohfaser in den Därmen zu sorgen, damit die Nährstoffe gut aufgenommen würden.

Tote Hühner sofort sicher entsorgen

Bei der Betriebsorganisation gelte es darauf zu achten, dass tote Hühner so entsorgt werden, dass niemand mehr Zugriff darauf hat. Nicht dass sie „zurück in den Stall wandern und für schöne Bilder sorgen“, so die Anspielung auf ähnliche Geschehnisse in letzter Zeit.

Was die so oft geforderte Freilandhaltung anbelange, betonte Seltsam: Sie „ist unseren Breitengraden eigentlich gar nicht sinnvoll.“ Für eine solche Haltung eigneten sich die hiesigen Vegetationsperioden eher schlecht. Außerdem riskiere der Halter, dass „Besucher bei Sauwetter in die Gehege blicken und dann monieren, dass es dort ja gar nicht so toll aussieht wie auf den Verpackungen.“ Der Berater empfahl stattdessen das Anlegen von Lichthöfen mit großzügigem Auslauf.