Schafhaltung

Verfrühter Almabtrieb wegen Wolfsrissen

Wolf
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.07.2021 - 17:50

Nach über 30 gerissenen Tieren in knapp zwei Wochen haben die Schafbauern auf der Oberhofener Galt- und Melkalm die Reißleine gezogen.

„Dieser Almabtrieb zeigt auf traurige Weise, dass die Almwirtschaft gegenüber dem Wolf den Kürzeren zu ziehen droht. Die unregulierte Wiederansiedelung von Wölfen ist eine massive Gefährdung für unsere Landwirtschaft, da Herdenschutz auf den Schafalmen vielfach nicht möglich ist. Wir müssen aufpassen, dass vor lauter Wolfsschutz nicht auf die ebenso schützenswerte Almwirtschaft mit ihren vielfältigen Leistungen für unser Land vergessen wird“, kommentiert Vereinsobmann Josef Hechenberger den viel zu frühen Almabtrieb.

Unabsehbare Auswirkungen

Bürgermeister

Dieser Einschätzung schließt sich der Bürgermeister der Gemeinde Oberhofen, Peter Daum, an: „Wir haben jetzt das dritte Jahr in Folge in diesem Gebiet massiv steigende Wolfspräsenz. Kein Wunder, dass kleinstrukturierte Nebenerwerbsbetriebe so die Freude an der Schafhaltung verlieren. Dabei sind diese so wichtig für uns, gerade im Hinblick auf die Sicherheit in unseren Siedlungsgebieten. Denn für jene Almgebiete, die normalerweise von den Schafen abgegrast werden, gibt es keine Alternativen in der Bewirtschaftung und des hochalpinen Geländes, womit die Gefahr für Lawinen- und Murenabgänge steigt.“

Schafhaltung

Almobmann und Ortsbauernobmann Johann Moser jun. sieht vor allen Dingen die Hilflosigkeit der Bauern angesichts der aktuellen Situation als ein massives Problem: „Es ist wie eine Ohnmacht. Quasi täglich sind wir auf der Alm auf tote Tiere gestoßen, täglich mussten wir die auftreibenden Betriebe über Risse informieren. Natürlich überlegt man, welche Möglichkeiten man hat und was man tun kann. Aber für Herdenschutz ist unsere Alm nicht geeignet. Zuerst haben wir gehofft, der Wolf würde weiterziehen, aber das ist leider nicht passiert. Wir brauchen eine Lösung die sicherstellt, dass dieser Wolf hier nicht mehr umherstreift., sonst werden wir auf diese Alm nicht mehr auffahren können.“ Ob die betroffenen Bäuerinnen und Bauern ihre Tiere im Tal weiden, andere Almen finden oder die Tierhaltung überhaupt aufgeben, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Bauerndemo zum Erhalt der Almwirtschaft

Als Reaktion auf die Wolfsrisse der letzten Wochen, findet am Samstag, den 3. Juli 2021 in Innsbruck eine Bauern-Demonstration zum Wolf statt, zu der der Tiroler Bauenrbund einlädt. Dazu ist folgender Aufruf ergangen:

Große Bauerndemo am Landhausplatz in Innsbruck
und Mahnmarsch zur Rettung der Almwirtschaft
durch die Innsbrucker Innenstadt
am Samstag, 3. Juli 2021
um 10 Uhr

Bei der Kundgebung soll vor allem die städtische Bevölkerung über die Auswirkungen des Wolfsvorkommens hinsichtlich Freizeitnutzung, Landeskultur, Naturgefahrenmanagement, Artenvielfalt, Tourismus, Alm-, Forst- und Landwirtschaft informiert werden.