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Recht

Verdacht auf Tierquälerei: Urteil im Kemptener Prozess um Rinderhalter

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Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 16.12.2021 - 08:52

Das Landgericht Kempten hat eine Landwirtsfamilie aus dem Oberallgäu zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Kempten - Als „angemessen“ bezeichnete der Richter Christoph Schwiebacher die Urteile, die knapp unterhalb der Forderungen der Staatsanwaltschaft blieben. Der Vater wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die Mutter zu einem Jahr und sechs Monaten und der Sohn zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Hinzu kommt eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 7.800 Euro an gemeinnützige Organisationen. Die Landwirte haben ihren Betrieb bereits aufgegeben. Für sie gilt ein Tierhalteverbot.

Ein Autounfall hat zur Überforderung der Familie geführt

Veterinäre hatten bei Kontrollen Ende 2019 und Anfang 2020 leidende Rinder mit entzündeten Klauen in überfüllten und verdreckten Ställen vorgefunden. In dem Prozess war das Ausmaß des Tierleides vor Ort sichtbar geworden. Richter Schwiebacher sagte, dass es den Tieren „richtig schlecht“ gegangen sei. Die Landwirte aus dem Oberallgäu hatten zugegebenen, ihre Rinder vernachlässigt zu haben.

Ein Autounfall des Sohnes im Mai 2019 habe auch dazu geführt, dass die Familie mit der Situation überfordert gewesen sei. Der Milchviehbetrieb war zuvor von 180 auf beinahe 600 Rinder vergrößert worden. Die Familie hätte nach den ersten Kontrollen des Veterinäramtes reagieren müssen, machte das Gericht seine Sichtweise deutlich.

Anfeindungen in den sozialen Netzwerken

Der Verteidiger der Landwirtsfamilie blickte auf das Geschehen zurück. In den sozialen Netzwerken sei die Familie mit drastischen Worten angefeindet worden. Selbst an das Gericht seien Mails geschickt worden, in denen hohe Strafen für die Familie gefordert wurden, erklärte Richter Schwiebacher. Er fügte hinzu, dass jedoch die Kirche im Dorf gelassen werden müsste.

Für Schlagzeilen hatte 2019 und 2020 der sogenannte Allgäuer Tierschutzskandal gesorgt. Hier geht es hingegen um Betriebe aus Bad Grönenbach, die Prozesse stehen noch aus. Wie die „Allgäuer Zeitung“ berichtet, sei nach Angaben der Justiz mittlerweile in zwei Fällen Anklage erhoben worden. Die Verhandlungen sollen im Jahr 2022 stattfinden. phs

Beratungsstellen für bäuerliche Familien

MontagsTelefon des BBV

Tel. 0800-131-131-0, montags (auch an Feiertagen), 9 bis 13 Uhr und 16 bis 20 Uhr anonym, vertraulich, kostenfrei.

 

Krisenhotline der SVLFG

Tel. 0561-785-10101, jederzeit: 24 Stunden an 7 Tagen der Woche, für besonders belastende Momente, anonym, vertraulich, zum ortsüblichen Telefontarif.

 

SVLFG–Kontakttelefon

bei seelischen Belastungen, Tel. 0561-785-10512, anonym bis zum Einstieg in Präventionsprogramme wie Online-Training oder intensive Einzelfall-Coachings, vertraulich, während der üblichen Bürozeiten, zum ortsüblichen Telefontarif.

 

Adressen der landwirtschaftlichen Familienberatungen der katholischen und evangelischen Kirche in Bayern

Sie arbeiten unabhängig und vertraulich, telefonisch, und zwar in der Beratungsstelle oder am Betrieb.

Diözese Augsburg (Christine Beuer):
Telefon 08222-411166,
E-Mail: bfb@bistum-augsburg.de,
www.klb-augsburg.de

Erzdiözese Bamberg (Fritz Kroder):
Telefon 09194-796767, Fax: 09194-796729,
E-Mail: info@lfb-bamberg.de,
www.lfb-bamberg.de

Diözese Eichstätt (Katharina Nieberle-Göpfert):
Telefon 08421-50888, Fax: 08421-50628
E-Mail: lfb@bistum-eichstaett.de,
www.klb-eichstaett.de

Erzdiözese München und Freising (Peter Bartlechner):
Telefon 08072-9733, Fax: 08072-9735,
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Diözese Passau (Helga Grömer):
Telefon 0151-17653139,
E-Mail: lfb@bistum-passau.de

Diözese Würzburg (Wolfgang Scharl):
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E-Mail: info@lfb-wuerzburg.de,
www.lfb-wuerzburg.de

Diözese Regensburg (Harald Staudinger);
Telefon 0941-597-2468,
E-Mail: bfb@bistum-regensburg.de

LFB der Evang. Kirche in Bayern (Walter Engeler):
Telefon 09854-1036, Fax: 09854-1050,
E-Mail: lfb@ebz-hesselberg.de,
www.ebz-hesselberg.de

 

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