Rinderhaltung

Umstellung auf Vollweide geglückt

Kurzrasenweide, Vollweide
Siegfried Steinberger/LfL Tierernährung, Grub
am Montag, 23.12.2019 - 11:38

Der Betrieb Dillinger stellt auf Vollweide mit saisonaler Abkalbung um und kann trotz Sommertrockenheit 9500 kg Milch je Hektar ermelken. Somit fällt die erste Jahresbilanz positiv aus, auch wenn abschnittsweise zugefüttert werden musste.

Der erste Weidesommer auf dem Betrieb der Familie Dillinger im Landkreis Kelheim ist vorbei. Anfang Dezember weideten noch einige trockenstehende Kühe sowie Kalbinnen den restlichen Aufwuchs ab. Jetzt ist es Zeit, die erzielten Ergebnisse rückwirkend zu beurteilen.

Die Umwandlung von Ackerflächen zu einer Kurzrasenweide erfolgte im Jahr 2018 nach der Ernte der jeweiligen Hauptfrucht. Der extrem trockene Sommer 2018 sowie das trockene Frühjahr 2019 bereiteten Betriebsleiter Markus Dillinger große Schwierigkeiten in der Weideanlage. Vor allem auf den rotlehmigen Ackerflächen kam es nach erfolgreichem Auflaufen der Gräsermischungen bei nachfolgendem Wassermangel zu Ausfällen. So präsentierten sich die Weiden im März 2019 sehr uneinheitlich. Die Lücken füllten Unkräuter, vor allem die Vogelmiere konnte sich stark ausbreiten.

Aufgrund der trockenen Witterung konnten diese Flächen jedoch bereits ab dem ersten April beweidet werden, ohne dass nennenswerte Trittschäden entstanden. Der Weidebetrieb konnte reibungslos gestartet werden, da die meisten Kühe bereits als Jungvieh geweidet worden sind. Der frühe Verbiss förderte die Bestockung der vorhandenen Gräser. Die aufgelaufenen Unkräuter wurden in diesem frühen Vegetationsstadium erwartungsgemäß von den Kühen gefressen und so im Laufe des Sommers weitgehend verdrängt. Im weiteren Verlauf schlossen sich die Drillreihen der Gräser und es bildete sich langsam eine dichte Kurzrasenweide.

Trockenheit hemmt Aufwuchs des Grünlands

Die ausgeprägte Sommertrockenheit im Juni und Juli 2019 stellte Dillinger wieder vor eine neue Herausforderung. Der Zuwachs auf der Weide ging Tag für Tag zurück. Um eine Zufütterung im Stall hinauszuzögern, wurde die Herde in einen zur Silierung vorgesehenen etwa 20 cm hohen Bestand getrieben. Die Kühe reagierten mit Durchfall und Milchleistungsrückgang.

Diese Erfahrung bestätigten dem Landwirt die Vorteile einer Kurzrasenweide hinsichtlich der Verdauung von Gras. Nur bei Kurzrasenweide ist eine hohe Konstanz in der Qualität der Weide zu realisieren. Letztlich musste aber für sechs Wochen im Stall zugefüttert werden. „In dieser Zeit habe ich die Vorteile einer Vollweidehaltung enorm vermisst. Es mussten Rundballen ausgewickelt, das Fahrsilo geöffnet und das Futter mehrmals vorlegt werden. Boxenpflege wurde ebenfalls wieder nötig und die Euter waren nicht mehr so sauber.“

Die Kühe waren in dieser Zeit nur nachts auf der Weide. Ab dem 10. August wurde wieder auf Vollweide umgestellt. Die Weidezeit der laktierenden Kühe endete mit dem Beginn der neuen Abkalbesaison Ende September. Nach und nach kamen immer mehr Kühe zum Trockenstellen, sodass Ende September 40 trockenstehende Kühe noch geweidet und 18 Kühe gemolken wurden. Zudem kamen am 13. September die Kalbinnen von der Alm. Diese wurden zunächst auf einer Weidelgraszwischenfrucht nach Weizen geweidet. Nach dem Aufstallen der laktierenden Kühe wechselnden die Kalbinnen auch auf die Kuhweide.

Im Mittel wurden 54 Kühe auf knapp 14 ha für 171 Tage geweidet. Leider konnten aufgrund der Sommertrockenheit nur 77 Vollweidetage erreicht werden. An 94 Tagen musste Grobfutter zugefüttert werden, wobei je 47 Tage in die Monate Juli und August, 30 Tage bis zu einen ausreichendem Graszuwachs in den April und 17 Tage in den September fielen.

Dennoch positive Bilanz des ersten Jahres

Insgesamt kann die Flächenleistung von 9500 kg ECM/ha für das erste Weidejahr und den schwierigen Witterungsverhältnissen als äußerst positiv gewertet werden. Die Herde erreichte 2019 einen LKV-Jahresabschluss von 8470 kg Milch bei 4,02 % Fett und 3,61 % Eiweiß. Im Vergleich dazu der Durchschnitt der letzten fünf Jahre: 9619 kg Milch, 4,03 % Fett und 3,50 % Eiweiß. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, da in diesem Jahr die Umstellung auf Blockabkalbung und der Einstieg in die Vollweidehaltung vollzogen und gleichzeitig auf Kraftfutterergänzung im Sommer verzichtet wurde.

Aktuell läuft die erste saisonale Abkalbung am Betrieb. Von Ende September bis Anfang Dezember kalbten 50 Tiere ab – elfmal davon Zwillinge. „Es ist schon erstaunlich, wie fit die Weidekühe sind. Die Geburten verlaufen sehr rasch und ich musste nur zweimal auf den mechanischen Geburtshelfer zurückgreifen.“ Von den bisher 61 geborenen Kälbern waren drei Totgeburten wobei ein missgebildetes Kalb und zwei Zwillingskälber betroffen waren.