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Trends in der Tierhaltung

Max Riesberg
Max Riesberg
am Montag, 08.02.2021 - 11:49

Die EuroTier, die in diesem Jahr vom 9. bis 12. Februar als digitale Messe im Internet stattfindet, gilt als weltweit führende Plattform für Innovationen in der Tierhaltung. Die DLG-Neuheitenkommission nimmt diese genau unter die Lupe.

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Die angemeldeten Neuheiten zur EuroTier 2021 spiegeln das gesamte Spektrum der professionellen Landwirtschaft mit ihren Innovationsbedürfnissen sehr gut wider. Auch das ständige Bestreben zu nachhaltigeren Produktionsformen mit mehr Bezug zu noch mehr Tierwohl und zu einer verbesserten Verbraucherakzeptanz ist gut erkennbar“, schildert der Schweizer Prof. Matthias Schick von der EuroTier-Neuheitenkommission in seinem Trendbericht. Dabei scheine die Innovationskraft der tierhaltungsbezogenen Landtechnikindustrie auch in Zeiten der Corona-Pandemie grenzübergreifend und ungebremst.

Für die Auswahl der prämierten Neuheiten sind entscheidend:

  • Bedeutung für die Praxis,
  • Tiergerechtheit,
  • Auswirkungen auf die Arbeits- und Betriebswirtschaft,
  • Umwelt- und Energiesituation.

„Die Auswirkungen auf Arbeitserleichterung und Arbeitssicherheit werden bei der Auszeichnung durch die Neuheitenkommission ebenfalls mit einbezogen“, fügt Schick hinzu.

Für die Prämierung der 80 angemeldeten Neuheiten aus dem In- und Ausland ist es wichtig, dass diese noch nicht an einer anderen bedeutenden Messe oder internationalen Veranstaltung präsentiert oder ausgezeichnet wurden. Die Produkte müssen zum Messezeitpunkt voll funktionsfähig und im Jahr 2021 auch auf dem Markt verfügbar sein.

Trends der Tierhaltung

Cowtoilet

Rinderhaltung: Die Trends im Rinderbereich bewegen sich in Richtung einer verbesserten Hygiene bei der Kälberhaltung. Hervorzuheben sind hierbei neuartige, chemiefreie Desinfektionsmöglichkeiten. Auch die Optimierung der Kälberfütterung kann als verstärkter Trend zur Verbesserung der Tiergesundheit angesehen werden.

In der Milchviehhaltung gehen die Trends weiterhin in Richtung Automatisierung zur Produktionsunterstützung und Reduktion von Schadgasen. Die aufgezeigten Möglichkeiten gehen dabei von der mit Gold prämierten Kuhtoilette bis hin zu gegenläufigen Förderbandsystemen zur Kot-Harn-Trennung.

Schweinehaltung: In der Schweinehaltung hat die Automatisierung schon viel früher Einzug gehalten als bei anderen Tierarten. Deshalb gehen hier die Trends nun eher in Richtung Produktionssicherung und Optimierung von Fütterung, Stallklimaführung und Energieeffizienz. Da sich ein gesellschaftlicher Trend zu mehr gefordertem Tierwohl abzeichnet, ist auch bei den Anmeldungen eine Tendenz in diese Richtung mit Strohautomaten, zusätzlichen Raufutterautomaten und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten erkennbar.

Geflügelhaltung: Die Trends in der Geflügelhaltung bewegen sich in Richtung Steigerung von Effizienz und Nachhaltigkeit und in Richtung Produktionssicherung. Dabei stehen verfahrenstechnische Maßnahmen durch optimierte Beleuchtung, verbesserte automatisierte Fütterungssysteme und Systeme zur Schadgasreduktion im Vordergrund.

Ein gesellschaftsrelevanter Trend geht zur automatisierten In-ovo-Geschlechtsbestimmung von Hühnereiern über eine Hormonanalyse. Mittlerweile gibt es auf dem Markt vollautomatische Systeme mit akzeptabler Leistung und kontaktloser Entnahme der Allantoisflüssigkeit.

Trends Digitalisierung und Herdenmanagement

„Die Digitalisierung ist ein Megatrend in der Landwirtschaft“, wie Schick berichtet. Der Weg führe dabei von der automatisierten Datenerfassung mit vernetzten Sensortechniken über vernetzte Daten bis hin zur Automatisierung von Analysen und Verfahrensabläufen und zu einem intelligenten Gesundheitsmonitoring.

Der Systemansatz unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit rücke dabei weiterhin in den Vordergrund. „Dass Digitalisierung und Tierwohl erfolgreich kombiniert werden können, zeigt das Beispiel des mit Silber und dem Animal Welfare Award bewertete „Calf Monitoring System“. Dabei hilft ein präzises und nicht invasives Sensorsystem über einen Infrarotsensor dem Landwirt dabei, das Verhalten seiner Kälber besser zu verstehen und so ein gezieltes Gesundheitsmonitoring zur Verbesserung von Tiergesundheit durchzuführen“, zieht der Fachmann von AgroVet-Strickhof, Eschikon Bilanz.

Gold und Silber: Die ausgezeichneten Neuheiten

DLG_Gold_Silber
  • Die einzige DLG-Goldmedaille steht in diesem Jahr im Zeichen der Emissionsminderung aus der Tierhaltung. Sie geht an die niederländische Firma HansKamp für ihre neuartige Kuhtoilette (CowToilet, siehe Bild oben). Ammoniak entsteht in der Milchviehhaltung vor allem aus den 15 bis 20 Litern Harn, die eine Kuh pro Tag abgibt. Hier setzt die CowToilet an. Das System besteht aus einer Futterstelle sowie einer Auffangeinrichtung für den Harn. Über einen externen Stimulus wird nach dem Ende der Futtergabe der Reflex zum Abharnen ausgelöst. Der Harn wird direkt aufgefangen, abgeleitet und gesammelt.
     
  • Die Silbermedaille an die Firma Bioret aus Frankreich hat auch mit der Minderung von Ammoniakemissionen zu tun. Hierzu wurde das Produkt Delta X Pack weiterentwickelt. Damit ist es möglich, Kot und Harn auf den Laufflächen von Milchviehställen automatisiert und schnell separat zu erfassen. Ein Gummimattensystem mit drei Prozent Gefälle und einem gegenläufigen Förderbandsystem sammelt den Harn in der Mittelrinne und führt ihn in ein Flüssiglager ab. Der Kot wird mittels Schieber in ein Feststofflager transportiert. Auf diese Weise bleiben die Laufflächen sauberer.
     
  • Die Firma Urban wurde für ihr Alma Pro Hygiene Set ausgezeichnet, bei dem sie nun die vielfach bewährte UV-C-Bestrahlung zur Keimminderung in der Kälberfütterung einsetzt. Durch Bestrahlen an relevanten Hygienepunkten wie Nuckel und Kontaktflächen sollen deutliche Verbesserungen im Vergleich zu bisherigen Konzepten zur technischen Keimreduktion erzielt werden. Die zusätzliche UV-C-Bestrahlung des Boilerwassers gewährleistet eine einwandfreie Wasserqualität zum Anmischen der Tränke.
     
  • Holm & Laue bringt mit dem Brix-TS Sensor eine technische Lösung auf den Markt, die eine kontinuierlich gleichbleibende Kälbertränke gewährleistet. Der Brix-TS Sensor ist ein elektronischer Refraktometer-Sensor, der in den Anmischbecher des Kälbertränkeautomaten Calf Expert integriert wurde. Dort misst er kontinuierlich die Trockensubstanz der Kälbermilch. Bei Abweichungen korrigiert der Automat die Konzentration in der Tränke. Ebenso kann beim Einsatz von Vollmilch mit einer Beigabe von Milchpulver eine gleichbleibende Trockensubstanzkonzentration gesichert werden.
     
  • Das Calf Monitoring System der Firma Futoro Farming erhält zusätzlich den ›Animal Welfare Award‹. Es ist ein non-invasives Sensorsystem zur Früherkennung von Krankheiten bei Kälbern. Über einen passiven Infrarotsensor wird das Verhaltensmuster des Kalbes erkannt über eine KI ausgewertet. Die Information wird dem Landwirt direkt über eine App und Online-Plattform bereitgestellt und ermöglicht so ein kontinuierliches Gesundheitsmonitoring.
     
  • Die Firma Möscha hat ein Gestänge mit einem Kunststoffrohr als tragendes Konstruktionselement entwickelt. Bei dem klapp- und faltbaren Gestänge ersetzen beplankte Kunststoffrohre eine Vollmetallkonstruktion und sparen so Gewicht, Material und Kraftstoff. Außerdem ermöglicht das niedrigere Gewicht eine bodennahe Exaktverteilung des Flüssigmists mit Schleppschlauch oder -schuh auch an leichteren Fässern mit niedrigerem Zugkraftbedarf und in hügeligerem Gelände.
     
  • Die Bruteier aus Mastelterntierfarmen gehen an Brütereien und werden dort vor der Bruteinlage nach Qualität und Gewicht sortiert. Falschherum liegende Eier müssen gedreht werden. So gibt es viele unvollständig gefüllte Horden, die manuell wieder aufzufüllen sind. Häufig werden die Eier auch auf Bändern transportiert, wo sie gegeneinanderstoßen, dadurch können Schalen beschädigt werden. Die Firma Nectra Sas erhielt eine Silbermedaille für ihr System, bei dem die Eier von den Anlieferungshorden auf Einzeleihalter umgesetzt werden. Diese bewegen sich frei auf einem Transportband. Die Eier können hier automatisch und individuell nach Qualität und Gewicht sortiert und auch umgedreht werden. Die Einzeleihalter werden zur Übergabe in die Bruthorden angestaut, nicht besetzte Eihalter werden automatisch entnommen und die verbleibenden, gefüllten Eihalter werden dann automatisch auf die Bruthorden umgesetzt. So gibt es keine Leerstellen.

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