Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Klimaschutz

Treibhausgase: Einsparpotenziale im Futterbau

Silage 1
Helga Gebendorfer
am Freitag, 18.02.2022 - 10:11

Die Produktion und Konservierung von Grobfutter verursacht Treibhausgas-Emissionen. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Verfahren.

Stefan Thurner von der LfL nahm bei der BAT-Jahrestagung die Treibhausgasemissionen und den Energiebedarf von verschiedenen Grobfutterproduktionsverfahren im Hinblick auf eine klimaneutrale Futterproduktion genauer unter die Lupe.

„Die Landbewirtschaftung verursacht Treibhausgase, kann sie aber auch in Form von CO2 aus der Atmosphäre entziehen“, erklärte er und wies darauf hin, dass derzeit in Deutschland rund 61 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Futterproduktion genutzt werden. Davon sei wiederum knapp die Hälfte Grünland. Grobfutter entspricht ca. 50 % der eingesetzten Futtermittel und das Kraftfutter wird zu ca. 33 % importiert. „Aus diesem Grund beansprucht die Grobfutterproduktion auch die meiste Fläche“, fasste Thurner zusammen.

Standort der Futterproduktion

„Der Standort, die Art der Nutzpflanzen beziehungsweise ihre Mischungen sowie die Nutzungs- und Düngungsintensität können einen großen Einfluss auf die Klimawirkung der Futterproduktion, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne haben“, gab Thurner zu bedenken. Er berichtete, dass sich in Deutschland die Silomaisanbaufläche seit den 2000er Jahren auf heute 2,2 Mio. ha verdoppelt hat. Dieser Verdopplungseffekt sei auch für die Anbauflächen von Klee, Klee-Gras Mischungen und Klee-Luzerne-Mischungen zu verzeichnen – mit aktuell 0,3 Mio. ha aber auf wesentlich niedrigerem Niveau.

Die Anbaufläche von Ackergras stieg um ein Drittel auf 0,3 Mio. ha. „Regelmäßiger Ackerfutterbau – außer Silomais – führt zu höheren Humusgehalten im Boden“, betonte der Experte von der LFL. Vor allem der mehrjährige Feldfutterbau biete im Vergleich zum Silomaisanbau Potenzial für einen Aufbau des Humusgehalts im Ackerboden und könne dadurch in gewissem Umfang zu einer Treibhausgassenke werden.
Gleichzeitig gilt es zu beachten, dass bei intensiven Fruchtfolgen mit hohen Stickstoffeinträgen durch Düngung und Leguminosen Lachgasemissionen entstehen. Nach Aussage von Thurner können dagegen der mehrjährige Feldfutterbau mit Klee, Luzerne und deren Mischungen mit Gras sowie eine extensivere Grünlandnutzung zu einer Reduzierung der Stickstoffvorräte im Boden beitragen und somit einen positiven Beitrag zur Vermeidung von Lachgasemissionen leisten.

Düngung abhängig vom tatsächlichen Ertrag

Zudem fügte er hinzu, dass es im Zusammenhang mit der Düngung von Grünland und Feldfutterbauflächen wichtig ist, die tatsächlichen Erträge als Basis für die bedarfsgerechte Düngung zu erheben. „Eine standortangepasste Nutzung mit einer Düngung auf Basis der tatsächlich gemessenen Erträge vermeidet also Treibhausgasemissionen“, machte der Referent deutlich. Er betonte, dass diese Aspekte im Zusammenhang mit der Futterproduktion je nach betrieblichen Gegebenheiten großes Einsparpotenzial bei den THG-Emissionen bieten. Gegebenenfalls kann der Atmosphäre mit der Futterproduktion sogar CO2 entzogen und längerfristig in Form von Dauerhumus gespeichert werden.
Bei Hoch- und Niedermoorstandorten kann nur die Wiedervernässung den Abbau der Torfschicht verlangsamen und damit den hohen THG-Ausstoß verringern. Unter diesen Bedingungen ist allerdings eine Ackernutzung nicht mehr möglich und auch bei der Nutzung als Grünland lassen sich nur noch geringe Erträge erwirtschaften. Ebenso dürfte die Futterqualität vermindert sein.

Konservierung: Silage oder Trocknung?

Auf Basis einer Bachelorarbeit verglich Thurner für Erntegut vom Grünland verschiedene Werbungs- und Konservierungsverfahren: Silage, Belüftungstrocknung und Heißlufttrocknung. „Bei allen Grobfutterwerbungs- und -konservierungsverfahren entstehen Treibhausgasemissionen“, fasste er das Ergebnis zusammen. Allerdings ist festzustellen, dass Grassilage und Belüftungsheu im Vergleich zur Heißlufttrocknung auf einem wesentlich niedrigeren Niveau liegen.
Thurner gab zu bedenken, dass bei der Trocknung von Belüftungsheu mit einem Luftentfeuchter mit Dachabsaugung die meisten THG-Emissionen durch den Einsatz von Strom entstehen, der mit den THG-Emissionen des deutschen Strommix bewertet wurde. Hier bietet die Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom eine Möglichkeit, das Niveau der Grassilage bzw. Belüftungsheutrocknung mit Hackschnitzelheizung, Wärmerückgewinnung und Dachabsaugung zu erreichen.

Regenerative Treibstoffe senken THG-Emissionen

„Einen weiteren Beitrag zur Reduzierung der Emissionen kann der Einsatz von regenerativen Treibstoffen (z. B. Pflanzenöl) für alle Arbeiten bei der Futterwerbung und dem Transport liefern“, meinte er. Weiter wies er darauf hin, dass die Trocknung von Grasanwelkgut in einer Heißlufttrocknungsanlage erhebliche Mengen an THG erzeugt und hohe Energiemengen verbraucht. Der Einbau von Wärmerückgewinnungstechniken, der bei einigen Heißlufttrocknungen bereits erfolgt, und die Umstellung auf regenerativ erzeugten Strom sowie regenerative Treibstoffe können für dieses Verfahren die THG-Emissionen deutlich senken.
Für eine Gesamtbilanz der THG-Emissionen für die Futterproduktion auf einem Betrieb müssen neben den dargestellten THG-Emissionen aus der Futterwerbung und -konservierung die schlagspezifischen (z. B. Moorstandort usw.) und betriebsspezifischen (Ertragsniveau, Höhe der Stickstoffdüngung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln usw.) THG-Emissionen addiert werden. Weiterhin muss der Futterwert des erzeugten Grobfutters berücksichtigt werden. „Wenn es gelingt, Kraftfutter durch gutes Grundfutter zu ersetzen, reduzieren sich für die Futterration insgesamt die Treibhausgasemissionen“, lautete die Kernbotschaft des Wissenschaftlers. Als Beispiel führte er die Nutzung von Grünleguminosen als Eiweißfuttermittel anstelle von Sojaextraktionsschrot für Schweine und Wiederkäuer an.